Im Sommer suchten die Menschen Spaß und Erholung im Kleb. Jetzt beherrscht eine riesige Baugrube den Nagolder Stadtpark. Doch das ist erst der Anfang.
Vor gut einem Jahr fiel im Stadtpark Kleb der Startschuss für das – neben der Zellerschule – aktuell größte Bauprojekt auf Nagolder Stadtgebiet. Der Abwasserzweckverband Nagold baut dort als Ersatz für das nicht mehr zeitgemäße Pumpwerk am Ufer einen Düker unter dem Fluss. Ein Düker ist eine Druckleitung zur Unterquerung einer Straße, eines Tunnels oder wie im Nagolder Fall eines Flusses. Das Projekt besteht jedoch nicht nur aus einem Abwasserteil. Aus dem Abwasser, das durch die Leitungen fließt, wird auch noch Energie gewonnen.
Von Herbst 2024 bis Frühjahr 2025 lief der erste Teil der Bauarbeiten. Dann wurde die Baustelle so gut es ging zurückgebaut, um der Nagolder Bevölkerung die Nutzung des Klebs als Naherholungsgebiet und – für das Keltenfest – als Festgelände zu ermöglichen.
Seit etwa Mitte Oktober bestimmen nun die Bauarbeiter, Techniker und Bagger wieder das Bild im Kleb. Zunächst wurden zwölf Brunnen angelegt, um das Grundwasser in und an der Baustelle abzusenken und so das Arbeiten zu ermöglichen. „Dabei ist aber deutlich weniger Grundwasser angefallen als wir vorher gedacht haben“, berichtet Josef Geiger, Seniorchef des mit dem Großprojekt beauftragten Ingenieurbüros Raidt und Geiger aus Rottenburg.
Nächster Schritt war der Aushub einer riesigen Baugrube: Mehr als 2500 Kubikmeter Erde wurden aus dem Boden geholt. Ein Teil wurde abtransportiert, der andere Teil, der später wieder in den Boden eingebracht wird, lagert aktuell auf dem, was einmal die Klebwiese war. Aus dieser aktuell gut sieben Meter tiefen Grube heraus folgt der nächste und wahrscheinlich spektakulärste Abschnitt des Bauprojekts.
Mit einem neuartigen Verfahren der Baufirma Uhrig aus Geisingen werden in einer Tiefe von rund sechs Metern vier Röhren mit einem Durchmesser von gut einem Meter Durchmesser unter der Nagold hindurch gerammt. Diese besonders geräuschintensiven Arbeiten werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen, kündigt Simon Geiger, Technischer Leiter des städtischen Eigenbetriebs Stadtentwässerung, im Gespräch mit der Redaktion an. Die Anwohner seien über die Maßnahme bereits informiert.
In die große Grube kommt die Energiezentrale
Rohr 1 enthält den großen Düker, der wie ein großer Siphon funktioniert. In Rohr 2, in dem ständig Wasser fließt, findet ein etwas kleinerer Düker seinen Platz, der mit einem Wärmetauscher zur Energiegewinnung versehen ist. Rohr 3 enthält neben Leerrohren auch die Trinkwasserleitung. In Rohr 4 läuft die Nahwärmeleitung.
Ursprünglich war der Plan, Rohr-Leitungen von 2,80 Meter Durchmesser unter der Nagold hindurch zu führen. Die neue Vorgehensweise sei aber umweltfreundlicher, wirtschaftlicher und verkürze dazu noch die Bauzeit um drei Monate, erklärt Geiger. Auch der spätere Betrieb werde dadurch praktischer und wirtschaftlicher.
In der jetzt ausgehobenen Grube wird dann das Herzstück des Komplexes seinen Platz finden: die so genannte „Energiezentrale“. Sie wird aus Fertigbauteilen gefertigt und komplett in der Erde verschwinden. Nur an kleinen Stellen – etwa dem Zugang – werde man überhaupt merken, dass sich unter dem Rasen etwas befindet.
In der dritten Novemberwoche wird dann auch auf der Krautbühl-Seite der Nagold wieder „gebuddelt“. Dort gibt es zunächst auch einen Brunnenbau zur Grundwasserabsenkung. Im Grunde passiere das gleiche wie auf der Klebseite, nur in etwas kleinerem Maßstab. Dort findet dann ein Gebäude seinen Platz, in der die komplette Steuerung des Komplexes stattfinden soll. Dieses Bauwerk soll dann oberirdisch entstehen und später zu sehen sein.
Die Einzelteile – Energiezentrale, Düker und Steuerung – werden schließlich noch untereinander und dann mit dem bestehenden Abwassernetz verbunden.
Winter dürfte die Baustelle kaum beeinträchtigen
Die videoüberwachte Großbaustelle, auf der bis zu 20 Menschen gleichzeitig arbeiten, soll, was die großen Bauarbeiten angeht, bis April 2026 abgeschlossen sein. Eine Beeinträchtigung der Arbeiten durch den bevorstehenden Winter befürchten die Macher und Bauarbeiter eher nicht, da vieles maschinell erledigt werde.
Komplett abgeschlossen sein wird die Mega-Baustelle, die die Stadt gut fünf Millionen Euro kosten soll, voraussichtlich im Oktober 2026.