Ende Oktober geht es los. Der Respekt vor dieser Baustelle ist riesig. Gebaut wird im Untergrund. Und das hat Auswirkungen auf Nagolds beliebtestes Fleckchen Erde: Zum Teil muss der Stadtpark gesperrt werden. Auch der große Spielplatz muss den Baggern weichen.
Der Stadtpark Kleb mit der großen Wiese und dem attraktiven Spielplatz gehört zu den beliebtesten Orten in der Stadt. Der Freizeitwert ist hoch – das wissen alle Generationen zu schätzen, von den Familien bis zu den Senioren, die zum Beispiel als Bewohner des Seniorenzentrums Martha-Maria quasi den Stadtpark direkt vor der Haustüre haben.
Dass ausgerechnet auf diesem Gelände der Abwasserzweckverband eine Großbaustelle plant, setzt die Stadtverwaltung gehörig unter Druck. Gilt es doch die Auswirkungen auf die Kleb-Besucher und die Anwohner möglichst gering zu halten. Doch gebaut werden muss, und das großflächig. Was, wann, wie und warum? Hier gibt’s die Antworten.
Was wird gebaut?
Der Abwasserzweckverband Nagold, an dem die Stadt mit 52 Prozent beteiligt ist, plant als Ersatz für das Pumpwerk am Ufer den Neubau eines begehbaren zwei Meter hohen Dükers unter dem Fluss Nagold. Damit verbunden ist der Neubau der Zu- und Ableitungssammler auf beiden Seiten der Nagold – beginnend im Bereich des Seniorenzentrums Martha Maria beim Krautbühl bis zum Spielplatz Kleb. Die Maßnahme kostet rund fünf Millionen Euro. Parallel werden auch Arbeiten an Wasserleitungen der Stadtwerke ausgeführt, zudem sollen Leerrohre für die Glasfaserversorgung gelegt werden.
Was ist ein Düker?
Ein Düker ist eine Druckleitung zur Unterquerung einer Straße, eines Tunnels oder wie im Nagolder Fall eines Flusses.
Warum wird gebaut?
Im Bereich der Wachsenden Kirche befindet sich aktuell ein Pumpwerk, das in den 1980er Jahren gebaut wurde und nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Über dieses Pumpwerk wird das Abwasser in Richtung Kläranlage geleitet. Das gesammelte Regen- und Schmutzwasser wird dabei unter der Nagold in Richtung Kleb gepumpt. Die mehr als 40 Jahre alten Pumpen müssten ausgetauscht werden. Vom ursprünglichen Plan, an selbiger Stelle ein neues modernes Pumpwerk zu bauen, ist man aber abgerückt. Stattdessen soll der Abwassertransport über einen Düker gelöst werden. Die Baustellenbelastung fällt damit wohl geringer aus.
Wann wird gebaut?
In Nagold weiß man um die Wichtigkeit des Klebs und hat sich deshalb dazu entschieden, die Maßnahme nicht an einem Stück zu verwirklichen. Start ist in der dritten Oktoberwoche dieses Jahres. Im Frühsommer 2026 soll alles beendet sein.
Wie ist die Baustelle organisiert?
Es gibt zwei Bauabschnitte. Der erste umfasst die Zeit von Oktober 2024 und geht bis maximal Mitte Mai 2025. Dann wird pausiert. In dieser Zeit ist der Spielplatz und der Kleb dann wieder voll nutzbar. Weiter geht es mit der Baustelle ab Herbst 2025 bis Frühsommer 2026. Die Baustelle hat Auswirkungen auf den gesamten Kleb und den Krautbühlpark bishin zum Parkplatz bei der Schafsbrücke, der als Lagerplatz genutzt wird.
Was passiert im ersten Bauabschnitt?
Der Spielplatz und die große Klebwiese sind vor allem vom ersten Bauabschnitt betroffen. Der Spielplatz wird zurückgebaut, auch die Wiese und der Weg am Schlossberg sind betroffen, und werden zum Teil als Zufahrten und als Lagerplatz genutzt. In Abschnitt 1 wird noch nicht der eigentliche Düker gebaut. Es steht der Bau der Zu- und Ableitungssammler an. Begonnen wird mit dem Sammler im Bereich des Spielplatzes bis zur Zielgrube des Dükers am Nagoldufer (auf der Klebseite). Parallel wird auf der anderen Nagold-Seite (Krautbühlpark) mit dem Kanalumbau vom Seniorenheim Martha Maria bis zur Startgrube des Dükers bei der Wachsenden Kirche begonnen. Die Wachsende Kirche selbst bleibt übrigens bestehen und ist nicht Teil der Baustelle. Bauzeit ist ab der dritten Oktoberwoche 2024 bis April/Mitte Mai 2025. Im ersten Bauabschnitt muss auch das Nagold-Wehr abgesenkt werden
Was passiert im zweiten Bauabschnitt?
Jetzt geht’s an den eigentlichen Düker-Bau. Gebaut wird an dem ab Herbst 2025. Unter der Nagold stellen die Bauarbeiter im „bemannten Bohrverfahren“ den begehbaren Düker einschließlich der großen Start- und Zielgruben her. hinzu kommen Arbeiten an den Wasserleitungen der Stadtwerke und das Verlegen von Leerrohren für Glasfaser. Bis zum Frühsommer 2026 soll Bauabschnitt 2 beendet sein.
Wie verlaufen die Umleitungen?
Der Autoverkehr ist von der Maßnahme wenig betroffen, für die Anlieger wird es Lösungen geben, die direkt mit ihnen kommuniziert werden sollen. Groß sind die Auswirkungen auf die Fußgängerbeziehungen. Zum Teil ist die Uferstraße im Krautbühlpark für Fußgänger gesperrt (im zweiten Bauabschnitt). Während der gesamten Bauzeit ist die Uferstraße zwischen dem Busbahnhof und der Wachsenden Kirche gesperrt. Für die Anlieger soll es Zufahrtsmöglichkeiten geben, die Fußgänger werden über den Longwyplatz in die Stadt geleitet, oder sie können entlang der Freudenstädter Straße laufen. Auch im Kleb sind die Wege zum Teil gesperrt. Vor allem der Rad- und Fußgängerweg unterhalb des Schlossbergs ist für die Organisation der Baustelle und die Anlieferung wichtig.
Was passiert mit dem Spielplatz?
Bis Oktober dieses Jahres noch gar nichts. Doch dann muss der Spielplatz zurückgebaut werden. Ziel ist es aber, im Frühsommer 2025, wenn die Baustelle unterbrochen ist, sowohl die Wiese als auch den Spielplatz wieder anbieten zu können. Faktisch heißt das: Nagold bekommt einen in Teilen neuen Spielplatz. Ähnlich wie im Vorfeld der Landesgartenschau will OB Jürgen Großmann im August dieses Jahres einen offenen Workshop anbieten, um Ideen von Familien und Kindern für den Spielplatz zu sammeln. Von einer „Modifizierung“, sprach Großmann. Das bedeutet auch, dass die Senioren-Geräte abgebaut werden. „Das kam dort nicht so gut an“, sagte Großmann in der Sitzung des Gemeinderats. Zudem gibt es mittlerweile besserer Geräte, die man andernorts aufstellen könnte. Auch hierzu könnte es einen Workshop geben.
Was passiert mit dem Kleb-Bähnle?
Die Schienen für das Kleb-Bähnle sollen auf jeden Fall wieder verlegt werden. Eventuell baut die Stadt sogar eine erweiterte Trasse – von einer „Acht“ sprach Nagolds OB. Das Problem aber bleibt: Es finden sich keine ehrenamtlichen Betreiber für die beliebte Kleinbahn. Im Rathaus macht man sich nun Gedanken, ob ein Betrieb des Klebbähnles auf Minijob-Basis machbar ist.