Die Spiele-Entwickler David del Rio Hecklau (links) und Jonas Hipp von StickyStoneStudio aus Gundelfingen Foto: Kapitel-Stietzel

Die größte Videospiel-Messe Europas hat bis Ende der Woche in Köln wieder ihre Tore geöffnet. Auch Spieleschmieden aus der Region sind mittendrin.

Menschenmassen, die sich auf engem Raum drängen, gewaltige Skulpturen und Warteschlangen, die stundenlanges Durchhaltevermögen fordern: Auch wenn die deutsche Videospiel-Industrie derzeit schwere Zeiten durchmacht, ist der Andrang bei der nach eigenen Angaben größten Videospiel-Messe der Welt gewaltig: Schließlich gibt es die Möglichkeit, hinter verschlossenen Türen Videospiel-Blockbuster auszuprobieren, die erst in einigen Monaten in den Regalen stehen – oder direkt mit den Machern zu sprechen.

 

Eine extra Vernetzungsveranstaltung für Studios und Investoren

Auch mehrere Entwickler aus dem Schwarzwald sind bei der Messe dabei. Im Business-Areal erwartet uns Valentin Erlenbusch, Geschäftsführer von Designmatic: Er ist aus seiner Heimatstadt Villingen-Schwenningen angereist, um für sein vierköpfiges Entwicklerstudio mit Sitz in Tübingen Kontakte zu knüpfen. Designmatic entwickelt derzeit das Rätsel-Spiel „Ayna – Shattered Truth“, das noch nicht offiziell angekündigt wurde. Während viele deutsche Entwicklerstudios derzeit wegen sinkenden Umsätzen schließen müssen, wächst Designmatic im kommenden Monat von vier auf sechs Festangestellte: „Eine Ausnahme in den aktuellen Zeiten“, sagt Erlenbusch. Sein Ziel ist, für „Ayna“ im Rahmen der Vernetzungsveranstaltung „Gamescom invest circle“ private Investoren oder einen Publisher zu finden: Denn derzeit finanziert sich das Studio fast ausschließlich aus Fördergeldern, die es für das Spiel von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg erhalten hat. Der Geschäftsführer freut sich sehr, bei der Messe dabei zu sein: „Es ist immer das Highlight im Jahr.“

Gundelfinger Entwickler haben neuen Meilenstein erreicht

Auch in diesem Jahr wieder in Köln sind die Entwickler von StickyStoneStudio: An ihrem Stand im Indie-Bereich präsentieren sie erneut den Shooter „M.O.O.D.S.“, in dem sich emotionsgeladene Roboter in einer bunten Spielwelt um knappe Ressourcen und einen netteren gemeinsamen Umgang bekriegen.

Doch auch wenn das Spiel das gleiche ist, hat sich im vergangenen Jahr einiges getan, wie uns der leitende Game-Designer David del Rio Hecklau und Lead Artist Jonas Hipp erklären: Das Studio ist nicht nur von acht auf zehn feste Mitarbeiter angewachsen, sondern auch von Freiburg in neue Büroräume in Gundelfingen umgezogen. Zudem haben sie bei „M.O.O.D.S.“ einen wichtigen Meilenstein geschafft: Das Spiel ist seit vergangenem Monat im Early Access verfügbar und kann damit gekauft und gespielt werden, während die Entwickler noch weiter daran arbeiten. „Es war kein Raketenstart, aber wir sind relativ zufrieden“, erklärt Hecklau. Auch wenn man nicht besonders hohe Verkaufszahlen habe, habe das Spiel viele positive Bewertungen auf digitalen Verkaufsplattformen wie Steam erhalten. Hipp fügt hinzu, dass auch die Kommentare der Spieler gut seien – und man habe viel Feedback bekommen.

Motivationsschub für Spiele-Entwickler

Das wird laut Hecklau bereits umgesetzt: Bei der Messe haben sie eine visuell verbesserte Version des Spiels dabei, welche bald als Update veröffentlicht wird. „Es ist toll an etwas zu arbeiten und dann live zu erleben, wie die Leute damit Spaß haben – es ist ein toller Motivationsschub“, freut sich der Game-Designer am Messestand: Schließlich sei man im Prinzip genau deshalb Spieleentwickler geworden.