Grischa Prömel zieht beim Samstags-Gegner des VfB, dem 1. FC Union Berlin, im defensiven Mittelfeld die Fäden. Das Trikot mit dem Brustring hat der Schwabe bisher selbst nie getragen. Warum eigentlich?
Stuttgart - Weil Fliegen in Zeiten der Pandemie ein Infektionsrisiko birgt, steigen die beiden Köpenicker Schwaben schon mal gemeinsam ins Auto – und machen sich auf die Heimreise ins Ländle. „Wir kommen ja beide aus derselben Ecke“, sagt der Esslinger Grischa Prömel, Mittelfeld-Stammspieler bei Union Berlin, über seinen Teamkollegen Christian Gentner, der aus Nürtingen stammt.
Unterwegs kann der Jüngere (Prömel, 26) durchaus noch was vom Älteren (Gentner, 35) lernen. „Gente gibt gute Tipps. Da muss man einige Fehler nicht selber machen, sondern kann von seinen Erfahrungen profitieren“, sagt Prömel über den langjährigen VfB-Kapitän, der sich mit 424 Bundesliga-Spielen im Spätherbst der Karriere befindet.
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Geht es um ihre Position auf dem Feld, sind Gentner und Prömel eigentlich Rivalen. Denn beide sind im zentralen Mittelfeld zu Hause. Doch inzwischen hat der Jüngere die Nase vorn. Grischa Prömel, der einst vom Ex-Union-Chefcoach Jens Keller vom Karlsruher SC zu den Eisernen geholt wurde, kommt in dieser Saison bislang auf 18 Startelfeinsätze, ist im Team des Schweizer Trainers Urs Fischer zur Stammkraft gereift – da kann Gentner nicht mehr mithalten.
Silber bei Olympia in Rio
„Ich bin mit der Mannschaft mitgewachsen“, sagt der 26-jährige Prömel, der mit dem deutschen Fußball-Olympiateam 2016 in Rio de Janeiro die Silbermedaille gewann. An diesem Samstag (15.30 Uhr) geht es für den gebürtigen Stuttgarter nun zu Hause gegen den VfB, der für ihn wie sein eigenes Team eine beeindruckende Saison spielt. „Der VfB steht für mutigen Fußball, definiert sich über Ballbesitz und spielt eine tolle Saison. Es macht mir Spaß, ihre Spiele anzuschauen. Wir wissen um ihre Geschwindigkeit – wollen dennoch die drei Punkte hierbehalten“, sagt Prömel.
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Seinen eigenen Aufstieg zum Erstligaprofi hat er realisiert, ohne jemals das Trikot des VfB getragen zu haben. Das ist ungewöhnlich für einen leidenschaftlichen Fußballer, der als kleiner Steppke beim TSV RSK Esslingen nur 15 Kilometer Luftlinie von der Mercedes-Benz-Arena anfing. Doch den Eltern war neben dem Sport auch die Bildung wichtig. „Erst sollte ich das Abitur in der Tasche haben“, erzählt Prömel. Dann konnte er als Profi durchstarten.
Ein Anruf von Julian Nagelsmann
Also wechselte er von Esslingen in die Jugend der Stuttgarter Kickers. Als die blaue Fußballwelt unterm Fernsehturm zu klein wurde, ging ein Telefonat mit unbekannter Nummer ein. Es meldete sich Julian Nagelsmann, heute Cheftrainer von RB Leipzig, damals U-19-Coach der TSG Hoffenheim. Er holte Prömel ins Team.
„Unter ihm konnte ich mich super weiterentwickeln“, sagt der Ex-Junioren-Nationalspieler, der im Kraichgau dann unter Profitrainer Markus Gisdol nicht weiterkam. Also folgte der Wechsel in die zweite Liga zum KSC – und 2017 der Schritt zu Union in den Südosten Berlins.
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„Mit dem Aufstieg in die Bundesliga haben wir uns als Team bei den Fans hier ein Stück weit unsterblich gemacht“, erinnert Prömel an die Relegation vom Mai 2019, als die Berliner den VfB nach einem 0:0 an der Alten Försterei in die zweite Liga schickten. Der Mittelfeldmann fühlt sich wohl bei Union, einem Club, der stolz ist auf seine Osttradition, mit Nina-Hagen-Rock und dem Clubmaskottchen Ritter Keule, der in normalen Zeiten vor jedem Anpfiff seine Eisenkugel schwingt. „Die spezielle DNA des Vereins bekommt man als neuer Spieler schnell eingeimpft“, sagt Prömel: „Man muss nur einmal durch Köpenick gehen. Dann weiß man, was hier los ist.“ Die Nummer 21 der Eisernen hat ihren Platz gefunden: „Ich will vorne weggehen, Verantwortung übernehmen, Struktur ins Spiel bringen und Bindeglied zwischen Offensive und Defensive sein.“
Wie der Aufsteiger aus Stuttgart hat auch Union die Saisonerwartungen bereits übererfüllt. Über internationale Ambitionen sprechen sie in der Hauptstadt wie beim VfB vor dem Duell vom Samstag, wenn überhaupt, nur intern. Und dies, obwohl sowohl für die Berliner (40 Punkte) als auch für die Stuttgarter (39 Punkte) der Europapokal noch drin ist.
Die besten Schnitzel macht die Oma
„Ich bin nicht am Ende meiner Möglichkeiten, will das Optimale aus meiner Karriere herausholen“, sagt Prömel, der sportlich weiter wachsen will – zuvor aber noch einen Gruß in die Heimat schickt. „In der Sommerpause freue ich mich auf einen Besuch bei meiner Oma in Esslingen“, sagt Grischa Prömel: „Die macht die besten Schnitzel deutschlandweit.“