Fieber, Schüttelfrost, nichts geht mehr: Herbstzeit ist Grippezeit. Eine Impfung kann eine Infektion verhindern. Doch die Impfquote im Land ist auf einem Tiefstand. Das ist aber nicht der Grund, warum Andrea Rohr einen Grippe-Impftag für Jedermann anbietet.
Die Grippesaison nimmt langsam Fahrt auf, ob das auch für die Impfquote zutrifft, bleibt abzuwarten. Die Ärzte haben gerade erst begonnen, zur Impfung zu bitten. Sicher ist jedenfalls, dass im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg so wenige Menschen sich haben impfen lassen wie noch nie. Nach Angabe der AOK ließen sich im vergangenen Jahr nur 10,5 Prozent ihrer Versicherten im Land gegen Grippe impfen. 2013 lag die Impfquote noch bei 13,2 Prozent.
Besonders deutlich wird die mangelnde Impfbereitschaft bei den über 60-Jährigen, für die die Stiko eine Prävention gegen Influenza empfiehlt: Bei den AOK-Versicherten ließen sich 2023 zwar 30,1 Prozent gegen Influenza impfen, 2022 waren es aber noch zehn Prozent mehr gewesen.
Diese mangelnde Impfbereitschaft ist in Andrea Rohrs Praxis in Gutach nicht zu beobachten, berichtete sie im Gespräch mit unserer Redaktion. sich nicht „Wir haben am 1, Oktober angefangen zu impfen und zählen jetzt bei den gesetzlich Versicherten 185 Geimpfte“, so Rohr. „Für den November sind wir auch schon voll, meine Mitarbeiter haben viel zu tun.“ Im vergangenen Jahr hätte ihre Praxis rund 450 gesetzlich Versicherte gegen die Grippe geimpft. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass ihre Praxis als impffreudig bekannt ist und zu ihr auch die entsprechenden Patienten kommen.
Menschen mit viel Kontakt sollten sich impfen lassen
Bei ihr ließen sich Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts impfen, wobei aber gerade die Gruppe der über 60-Jährigen eine solche Prävention verlangt. „Ich würde schätzen, dass rund 50 bis 55 Prozent meiner Patienten im Alter über 60 geimpft sind“, meint Rohr. Sie empfehle diese Immunisierung aber grundsätzlich jedem, vor allem aber den Menschen, die beruflich viel mit Menschen zu tun haben, also zum Beispiel viel Kundenkontakt haben oder im Gesundheitsbereich arbeiten. Aber auch bei Vorerkrankungen wie Asthma oder Diabetes sei es besser, sich gegen Influenza immunisieren zu lassen, da hier ein schwerer Krankheitsverlauf möglich wäre. Das gelte auch bei Kindern.
Insgesamt würden auch gesunde, junge Menschen von einer Impfung profitieren, denn „Grippe ist mehr als ein Schnupfen“, betont Rohr. „Bei einer Grippe hat man mehrere Tage hohes Fieber und fühlt sich als hätte einen der Zug überfahren. Eine richtige Grippe bügelt so richtig, wenn man das einmal gehabt hat, will man das nie wieder erleben. Und da es sich um eine Viruserkrankung handelt, kann man bei einer erfolgten Infektion nicht viel machen außer abwarten, bis sie von alleine abklingt“, erklärt die Medizinerin.
Die akute Phase sei vier, fünf Tage lang, aber bis man wieder richtig fit sei und unter keine Leistungseinbußen leide, könne es durchaus vier bis fünf Wochen dauern. Außerdem bestehe die Gefahr eines sogenannten postviralen Syndroms, das ähnlich wie Long Covid noch länger für Krankheitssymptome sorge.
Das Fiese an der Grippe ist außerdem, dass der Virus sehr mutierfreudig ist. Das heißt: „Die Virenstämme sind jedes Jahr andere und darum müssen die Patienten jedes Jahr einen neuen Impfstoff bekommen. Da reicht eine einzige Immunisierung nicht“, erklärt Rohr. Aus diesem Grund sei das höchste Risiko bei der Grippeimpfung auch, dass sie nicht immer zu 100 Prozent wirkt. „In manchen Jahren habe ich den Eindruck, dass die Effektivität gegen den gerade aktuellen Grippevirenstamm sehr gut ist, in anderen dann wieder nicht so sehr“, schildert die Medizinerin ihre Erfahrungen.
Da Rohr weiß, dass viele Menschen im Kinzigtal Schwierigkeiten haben, einen Hausarzt zu finden, der noch Patienten aufnimmt, bietet sie am Freitag, 15. November, ganztägig einen Grippe-Impftag für sowohl ihre Patienten, aber auch für alle, die keinen Hausarzt haben, an. Eine Anmeldung ist über die Internetseite der Praxis www.hausarztpraxis-gutach.de möglich. Bisher hielten sich die Anmeldungen dafür aber in Grenzen. „Nach Corona ist schon eine gewisse Impfmüdigkeit festzustellen“, meint Rohr.
Fallzahlen
Laut dem Robert-Koch-Institut erkrankten in der Saison 2021/2022 rund 21 000 Menschen an Influenza. Ein Jahr später waren es rund 297 000 und in der Saison 2023/2024 218 000 Menschen. 2020 starben nach Angaben von Statista 1007 Patienten an der Influenza, 2021 waren es 37. 2022 gab es rund 1700 Grippetote und 2023 1300.