Zum Abschluss der zyklischen Grenzbegehung trafen sich zahlreiche politische Vertreter an einer besonderen Stelle im Wald bei St. Chrischona.
Meistens findet man politische Würdenträger inmitten vieler Menschen oder besonderen Gebäuden.
Am Donnerstag trafen sich allerdings Vertreter des Landes Baden-Württemberg, des Landkreises, des Kantons Basel-Stadt und zahlreiche Bürgermeister am Inzlinger Waldrand unweit des Grenzsteins Nummer 98. Obwohl durchweg im späten Morgennebel, diente die Ursache eigentlich einer wichtigen Transparenzmaßnahme.
Nach der Begrüßung durch Inzlingens Bürgermeister Marco Muchenberger und Bettingens Gemeindepräsident Nikolai Iwangoff stellte Carolin Wenk vom Fachbereich Vermessung des Landratsamts Lörrach die Hintergründe des Treffens vor. Einerseits werden mit der alle sechs Jahre stattfindenden Grenzbegehung gesetzliche Vorgaben eingehalten, die seit 1894 durch die badisch-großherzogliche Verordnung bestehen, andererseits werde damit auch ein Beitrag geleistet für ein jahrhundertealtes Kulturgut.
223 Steine auf 22,2 Kilometern Grenze
Der Zustand der Grenzsteine wird gemeinsam ermittelt, ehe die notwendigen Maßnahmen einvernehmlich ausgeführt werden. Dazu gehört neben dem Freischneiden der Grenzmarkierungen auch die Pflege und Restaurierung der 223 Steine auf der 22,2 Kilometer langen Grenze rund um den Kanton Basel-Stadt. Auf Schweizer Seite ist inzwischen ein spezialisierter Steinmetz für Sandstein im Einsatz, der mit seiner Expertise für den optimalen Erhalt der Denkmäler sorgt.
Steinernes Zeugnis bewegter Geschichte
Während die eidgenössische Seite durchweg den Baslerstab zeigt, spiegeln die auf der Deutschland zugewandten Seite der Steine die bewegte Geschichte der vergangenen 500 Jahre wieder. So weist der älteste Stein im Wyhlengraben von 1488 noch das Wappen Vorderösterreichs auf. Marco Muchenberger erwähnte Eingangs den „100er“: Dieser rote Bannstein markierte einst das „Dreiländereck“ zwischen Basel, Inzlingen (Baden) und Wyhlen (Vorderösterreich). Der nun sanierte Grenzstein 98 wurde 1824 erstmals erwähnt und bereits 1842 erstmals ersetzt. Weil die Fundamente damals kürzer waren, mussten die Steine häufig wiederaufgerichtet werden. Inzwischen haben sie ein tieferes Fundament, weshalb die Grenzsteine zwischen 150 und 180 Kilogramm wiegen.
Dieter Hess (Landesvermessungsamt Stuttgart) betonte, dass klare Grenzen wichtig seien. Im Falle dieser Landesgrenze sei es aber keine „Ab-Grenzung, sondern eine Verbindungslinie“ zwischen den Menschen, wie der rege Austausch und die guten Kooperationen zeigten.
Neuer Staatsvertrag in Arbeit
Derzeit sei ein neuer Staatsvertrag in der finalen Phase, der die Grenzbegehungen künftig nur noch alle zwölf Jahre vorsehe und teils 300 Jahre alte Verträge zusammenfasse. Alain Wicht, Schweizer Beauftragter für die Landesgrenze, verwies auf die Behandlung in dieser Woche im eidgenössischen Bundesrat, dass dieser Punkt bald abgeschlossen sei. Landrätin Marion Dammann gab einen Blick auf die Lage aus juristischer Sicht und sah die Zusammenkunft „für einen Stein“ als wichtigen symbolischen Akt nach der Vorarbeit durch die Experten.
Basels Regierungsrätin Esther Keller gestand, dass sie „die Steine zu wenig geschätzt“ habe und nun mit neuen Augen sehe. Wie ihre Vorredner betonte sie, dass bei der aktuellen Weltsituation ein Zusammenwachsen im Kleinen wichtig sei, wie es hier im Dreiländereck vorbildlich laufe. „Bundes-Bern muss noch unsere Region verstehen lernen.“