Nach wie vor sorgen die seit Mai 2025 intensivierten Grenzkontrollen der Bundespolizei für Verkehrsbehinderungen an der Kehler Europa-Brücke. Foto: Armbruster

Die intensivierten Maßnahmen der Bundespolizei an der Grenze zu Frankreich dauern an. Insbesondere in Kehl sorgt das auch im neuen Jahr für Verkehrsbehinderungen.

Die Polizeipräsenz in Kehl ist nach wie vor hoch: Mehr als ein Dutzend Beamte verteilen sich beim Besuch unserer Redaktion rund um Europa-Brücke, Tramstation und Bahnhof – Einsatzfahrzeuge prägen das Bild.

 

An einer Engstelle direkt hinter der Rheinbrücke behalten zwei Bundespolizisten die Fahrzeuge im Blick. Sie stoppen einzelne Wagen, stellen Fragen, lassen die Insassen weiterfahren oder winken sie raus.

Bereitstehende Beamte überprüfen die Einreisenden und ihr Fahrzeug gegebenenfalls näher. Die Abläufe wirken routiniert, die Stimmung scheint entspannt bis geschäftsmäßig.

Autos stauen sich bis auf die französische Rheinseite

Ähnlich stellt sich die Situation an der Tramhaltestation und dem Bahnhof dar. Straßenbahnen und Züge müssen nach Passieren der Grenze beim Besuch unserer Redaktion augenscheinlich keine Zwangspause einlegen. Beamte der Bundespolizei stehen jedoch auf den Bahnsteigen bereit. Sie sprechen Reisende an und überprüfen Papiere.

Die Situation an der Grenze hat sich seit Beginn der verschärften Kontrollen offenbar entspannt. Die Kontrollstelle direkt nach der Europa-Brücke sorgte am Wochenende allerdings nach wie vor für Verkehrsbehinderungen. Die Fahrzeuge stauten sich beim Besuch unserer Redaktion bis ans französische Rheinufer und darüber hinaus.

Foto: Armbruster

Wer von Frankreich kommend in Kehl einkaufen oder für die Weiterreise die Grenze überqueren wollte, musste einige Minuten mehr einplanen. Lieferverkehr in Form von Lastwagen war nicht auszumachen. Ob das am Wochentag, den strengen Auflagen der Straßburger Umweltzone oder einer Ausweichbewegung auf nicht-kontrollierte Grenzübergänge lag, blieb offen.

„Am Anfang war die Situation für alle neu“, erklärte Dieter Hutt, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Offenburg, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Viele Kollegen kannten die Zeit der Grenzkontrollen in Europa auch gar nicht mehr.“

Abläufe haben sich laut Bundespolizei eingespielt

Mittlerweile habe sich aber alles soweit eingespielt. Mit der Stadt und der Bahn stehe die Bundespolizei im Austausch. Grundsätzlich seien immer noch Aufenthalte von bis zu 15 Minuten für die Kontrolle von Nah- und Fernverkehr möglich. Laut Hutt dauerten die Kontrollen aber „eigentlich immer deutlich unter zehn Minuten“.

Zahlen für Aufgriffe an den Grenzübergängen in der Ortenau – konkret die Kehler Europa-Brücke – gibt die Bundespolizei nicht heraus. Hutt verweist jedoch auf die Statistik aus Stuttgart: Der größte Teil der Feststellungen an der Grenze zu Frankreich würden sich ohnehin auf den Übergang in Kehl beziehen.

Fast 5200 unerlaubte Einreisen aus Frankreich

Demnach kam es zwischen Mai und Dezember 2025 zu 5182 unerlaubten Einreisen aus Frankreich. 4004 Menschen wurden unmittelbar an der Grenze zurückgewiesen – davon 48 Asylsuchende. Weitere 229 Menschen wurden nach Frankreich zurück geschoben, nachdem sie bereits nach Deutschland eingereist waren.

34 Zugehörige vulnerabler Gruppen – etwa Frauen mit kleinen Kindern, Schwangere oder erkennbar Schwerkranke – stellten laut Zahlen der Bundespolizei an der Grenze zu Frankreich ein Asylgesuch. Diesen musste laut Anweisung des Bundesinnenministeriums die Einreise gestattet werden.

Darüber hinaus nahm die Polizei 89 mutmaßliche Schleuser fest. Zudem vollzogen die Beamten 512 sogenannte strafprozessuale Festnahmen, also Menschen, die per Haftbefehl gesucht wurden.

Seit Mai 2025

Auf Anordnung des Bundesinnenministeriums vom 7. Mai 2025 kann die Bundespolizei an der Grenze auch Menschen zurückweisen, die ein Asylgesuch äußern. Grundsätzlich hatte das die Situation an der Kehler Europa-Brücke jedoch nicht geändert. Bereits seit September 2024 – eigentlich sogar bereits seit der Fußball-EM und Olympia im Sommer zuvor – wird an der Grenze immer wieder kontrolliert. Grundsätzlich können die Kontrollen rund um die Uhr stattfinden. Bereits vor der neuen Ansage aus Berlin konnte die Bundespolizei Einreisende ohne Pass, Visum oder einem „schengengültiges Dokument“ zurückweisen. Wer den Beamten erklärte, ein Asylgesuch stellen zu wollen, wurde aber erkennungsdienstlich erfasst und in den Zug zur Landeserstaufnahmestelle nach Karlsruhe gesetzt – obwohl Frankreich als sicherer Drittstaat gilt. Seit Mai 2025 ist damit jedoch Schluss.