Ein beeindruckender Gräberfund bringt im Wyhlener Neubaugebiet Kapellenbach-Ost bisher 20 Urnen zu Tage, 13 davon sind sogar aus Glas und teilweise erstaunlich gut erhalten. Der Fund bedeutete für die Baggerfahrer echte Millimeterarbeit.
Die Hinterlassenschaften der Römer sind für manchen Bauherren in der Doppelgemeinde eine große Sorge. Auch im Kapellenbach-Ost erhöhen sich aufgrund der aufwendigen archäologischen Ausgrabungen die Kosten für die Erschließung. Doch auf der anderen Seite gibt es hier wichtige Erkenntnisse zu sichern über die Vergangenheit der Menschen am Ende des Hochrheins. Bei einer Pressekonferenz des Landesamts für Denkmalpflege (LDP) gab es am Montag eine erste Bilanz der Sondierungs- und Rettungsgrabungen im Abschnitt zwei des Neubaugebiets. Gräber, Mauern und eine Straße erweitern das Bild der Römer in Wyhlen.
Größeres Grabfeld entdeckt
Die Grabfunde im Westen des Areals sind den Fachleuten zufolge eine kleine Sensation. Archäologin und Anthropologin Daria Heutz-Della Vite erläuterte, dass zunächst nur zwei Gräber entdeckt worden seien, ehe das Team dann auf eine größere Ansammlung stieß. Das Besondere: Von 20 Urnen sind 13 Gefäße aus Glas, sechs davon sogar noch unbeschädigt. „Das war zum Teil Millimeterarbeit. Dafür benötigten wir gute Augen und sehr viel Glück“, schilderte sie die Vorgehensweise in den vergangenen sechs Monaten. Neben weiteren Brandschüttungsgräbern seien auch Mauern entdeckt worden auf dem zwei Hektar großen Areal, zu denen noch weitere Nachforschungen anstünden.
Zu den wichtigsten Maßnahmen der Archäologen gehört die detaillierte Bebilderung der Funde, die zum Teil durch die Grabungen beschädigt oder später entfernt werden müssen. Dies zeigte sich deutlich an der entdeckten antiken Straße, die gen Norden in Richtung Engeltal führt. Auf die erste Straße wurde später noch eine Erhöhung aufgebracht. „Vermutlich aufgrund der Tatsache, dass sich hier das Wasser gestaut hat. Das haben wir diesen Sommer selbst erlebt“, berichtete Heutz-Della Vite. Ein Querschnitt des Baggers brachte die zweite, ursprüngliche Straße zu Tage. Gleiches ist auch für weitere Funde notwendig, um anhand des vertikalen Profils weitere Schlüsse schließen zu können. Projektleiter Armin Höfler vergab ein Lob an die Baggermaschinisten, die mit dem tonnenschweren Gerät sehr präzise die Erde abtragen.
Wie es jetzt weitergeht
Auf Grund der Breite von bis zu sieben Metern vermutet der Grenzacher Archäologe Bernhard Greiner, dass es sich um eine Umgehungsstraße handle, die vorbei an der dortigen Siedlung in Richtung „Baumgarten“ führt. Die Funde, zu denen auch Werkzeuge und eine Münze gehören, werden nun gereinigt und der Inhalt der Urnen näher untersucht. Wie Marcel El-Kassem vom Landesamt für Denkmalpflege ausführte, böten sich die Entdeckungen für Forschungsarbeiten an. Auch eine temporäre Ausstellung in der Gemeinde könne er sich vorstellen. Sowohl Bürgermeister Tobias Benz als auch Helmut Bauckner vom Verein für Heimatgeschichte zeigten sich interessiert, im kommenden Jahr einen wissenschaftlichen Vortrag zu den Entdeckungen in Grenzach-Wyhlen durch die Experten anzubieten.
Bis zum Jahresende sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Im April 2025 sollen eine Artenschutzmaßnahme folgen und eventuell noch eine letzte Sondierung. Ab Mai könnte dann die bauliche Erschließung beginnen.