Die Emissionen durch den Verkehr steigen. Geht es nach der EU-Kommission, sollen sie bis 2050 fast komplett verschwinden. Foto: Simon Granville

Die EU-Kommission schlägt drastische Maßnahmen vor, um den Transport per Auto, Flugzeug und Schiff bis 2050 weitgehend auf nicht fossile Energieträger umzustellen.

Brüssel - In den Plänen der Europäischen Union, den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 drastisch zu reduzieren, ist der Verkehr das Sorgenkind. Der Sektor verursacht in den 27 EU-Staaten etwa ein Viertel aller Emissionen. Während die Industrie den Ausstoß reduziert, steigen die Emissionen im Verkehrsbereich weiter an. Bis 2050 will die Union dafür sorgen, dass der CO2-Ausstoß um 90 Prozent zurückgeht.

 

Dafür schlägt die Kommission Maßnahmen für den Straßenverkehr sowie für die Luft- und Schifffahrt vor. Wie berichtet, werden die Autohersteller verpflichtet, den CO2-Ausstoß von neuen Lieferwagen und Pkw bis 2030 um 50 und 55 Prozent gegenüber den heutigen Werten zu reduzieren. 2035 dürfen Neuwagen gar kein CO2 mehr ausstoßen. Entweder müssen die Hersteller E-Autos bauen oder Fahrzeuge mit Brennstoffzellen. Verbrenner sind nur zugelassen, wenn sie mit CO2-freien Kraftstoffen betrieben werden. Nach derzeitigem Stand wäre dies entweder grün produzierter Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe, die mit Strom aus regenerativen Quellen hergestellt werden.

Ausnahmen für Nischenhersteller fallen künftig weg

Ausnahmen für Nischenhersteller werden gestrichen. Hersteller, die 1000 bis 10 000 Autos im Jahr produzieren oder mehr als 22 000 Lieferwagen, müssen von 2030 an die Flottenregulierung einhalten. Hinzu kommt, dass von 2026 an ein Handel mit Verschmutzungszertifikaten (Emissionshandel, ETS) im Verkehr greift. Die Mineralölindustrie muss Zertifikate kaufen, wenn sie fossile Kraftstoffe auf den Markt bringt. Die Zertifikate werden allerdings verknappt. Von 2026 bis 2028 stehen jedes Jahr 5,15 Prozent weniger Zertifikate zur Verfügung, von 2028 an werden jedes Jahr 5,43 Prozent der Zertifikate aus dem Markt genommen. Dadurch steigt der Preis für fossile Brennstoffe.

Tank- und Ladeinfrastruktur wird ausgebaut

Mitgliedstaaten werden verpflichtet, eine tragfähige öffentliche Infrastruktur für Ladestationen und Tankstellen für CO2-freie Treibstoffe aufzubauen. Ziel sind genügend Ladepunkte für mindestens 30 Millionen Pkw im Jahr 2030. Jeder Mitgliedstaat muss dafür sorgen, dass für jedes zugelassene E-Auto mindestens ein Kilowatt Ladekapazität vorhanden ist. Eine Million Ladepunkte sollen bis 2025 vorhanden sein, bis 2030 sollen es 3,5 Millionen sein.

Hinzu kommt eine weitere Vorgabe: Auf Autobahnen im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-T) sollen mindestens alle 60 Kilometer Möglichkeiten zum Schnellladen mit einer Kapazität von 300 Kilowatt bis zum Jahr 2025 und mit 600 Kilowatt bis 2030 geschaffen werden. Tankstellen für grünen Wasserstoff sind alle 150 Kilometer im TEN-T-Netz sowie in jedem urbanen Ballungsgebiet vorgeschrieben. Für den Lastverkehr sollen entlang der Autobahnen bis 2025 mindestens alle 60 Kilometer Lademöglichkeiten von 1400 Kilowatt und bis zum Jahr 2030 von 3500 Kilowatt installiert werden.

Die Beimischung von nachhaltig produziertem Kerosin wird erhöht

Im Flug- und Schiffsverkehr sind noch fast ausschließlich fossile Brennstoffe im Einsatz. Mineralölbranche und Fluglinien werden ab 2025 verpflichtet, zunehmend nachhaltig produziertes Kerosin zu tanken. 2025 wird eine Beimischungsquote von zwei Prozent vorgeschrieben, 2030 sind fünf und 2035 sogar 20 Prozent geplant. 2050 sollen 63 Prozent erreicht sein. Als nachhaltiges Kerosin sind fortgeschrittene Biokraftstoffe oder synthetische Kraftstoffe denkbar, die mit erneuerbaren Energien hergestellt werden. Biokraftstoffe auf Pflanzenbasis, Wasserstoff sowie Elektrizität zählen nicht dazu.

Auf Flügen von Passagiermaschinen innerhalb der EU soll über einen Zeitraum von zehn Jahren schrittweise eine Mindeststeuer auf fossiles Kerosin eingeführt werden. Nachhaltige Flugkraftstoffe sind steuerfrei. Frachtmaschinen werden von der Kerosin-Mindeststeuer ausgenommen.

Auch Schiffe sollen weniger fossile Treibstoffe verbrennen. Der Einsatz von fossilen Brennstoffen wird von 2025 bis 2050 schrittweise reduziert. Im Anfangsjahr um zwei Prozent bis zu 75 Prozent in 2050. Außerdem wird der Treibstoff für Schiffe von mehr als 5000 Bruttoregistertonnen in den Emissionshandel einbezogen.