Für einige Menschen mit chronischen Schmerzen ist medizinisches Cannabis eine tägliche Hilfe. Doch darf man nach der Einnahme noch Auto fahren?
Laut Straßenverkehrsgesetz ist es untersagt, mit einem THC-Wert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blut oder mehr Auto zu fahren. Wie das Bundesministerium für Verkehr mitteilt, entspricht dies einem Alkoholwert von 0,2 Promille.
Allerdings sei diese Regel laut Gesetz nicht anzuwenden, wenn die Einnahme von Marihuana „für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt“. Patienten, denen medizinisches Cannabis ärztlich verschrieben wurde, sind also vom THC-Grenzwert ausgenommen. Sie dürfen Auto fahren, es muss jedoch sichergestellt werden, dass das Auto ohne Probleme geführt werden kann. Denn vor allem in der Anfangszeit der Einnahme könnte die Fahrtüchtigkeit möglicherweise eingeschränkt sein.
Das Bundesministerium für Gesundheit weist allerdings darauf hin, dass „keine Anzeichen für eine missbräuchliche Einnahme vorliegen sollten“, denn das könnte zu einem Führerscheinentzug führen. Sollten also zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle Anzeichen auf Missbrauch vorliegen, kann trotz Rezept ein medizinisch-psychologisches Gutachten verlangt werden.
Eigenes Gesetz für medizinisches Cannabis
Seit 2017 dürfen Ärzte Cannabis legal verschreiben und Patienten können diese mit Rezept in der Apotheke bekommen. Medizinisches Cannabis wird an Schmerzpatienten mit chronischen Erkrankungen verschrieben, die bereits andere Therapien ausprobiert haben, erklärt Frank Eickmann, Pressesprecher des Landesapothekenverbandes. Doch erst seit dem 1. April 2024 gilt Cannabis nicht mehr als Betäubungsmittel, wie es auf der offiziellen Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu lesen ist. Stattdessen gibt es ein eigenes Gesetz nur für medizinisches Cannabis: das sogenannte Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG).
Online-Rezept für medizinisches Cannabis
Inzwischen kann man auch bei Online-Anbietern ein Rezept beantragen. Diese Methode ermöglicht einen deutlich schnelleren Zugang zu medizinischem Cannabis. Anstatt zu einem ortsansässigen Arzt zu gehen und das Problem begutachten zu lassen, können Patienten jetzt ganz bequem von zu Hause aus ein „Gras“-Rezept online beantragen. Ein Arzt prüft dann die Angaben über einen medizinischen Fragebogen oder eine Videosprechstunde und stellt je nach Bedarf das Rezept aus. Bei der Online- oder Videosprechstunde muss die Behandlung sorgfältig und verantwortungsvoll sein, so das Bundesministerium für Gesundheit.
Ein Vorgehen, das Eickmann kritisiert: „Da Cannabis-Club-Strukturen noch nicht gut funktionieren, nutzen manche den Weg über ein medizinisches Rezept, um legal an qualitativ hochwertiges Cannabis zu kommen.“ Laut dem Pressesprecher bestehe bei dieser „fragwürdigen“ Weise, Gras zu erwerben, ein hohes Missbrauchspotenzial, besonders wenn die Rezepte nicht auf Grundlage medizinischer Notwendigkeit erstellt wurden.