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Grand Est/Elsass Corona-Situation könnte noch schlimmer werden

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Am Wochenende hat das französisches Militär in Mulhouse begonnen, ein Feldkrankenhaus zu errichten. Foto: Chatelier

Grand Est/Elsass - Die Coronakrise beutelt unsere französische Nachbarregion Grand Est schwer: Die Behörden zählen rund 1970 Betroffene in Krankenhäusern – 480 davon in kritischem Zustand. Eine Studie legt nahe, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Die Gesundheitsbehörde "Agence régionale de Santé" (ARS) hat in einer Pressemitteilung 1970 Corona-Patienten in den Krankenhäusern in der Region Grand Est gezählt – 480 davon werden auf Intensivstationen behandelt. "Seit Beginn der Epidemie ist die Gesamtzahl der Todesfälle bei Patienten auf 271 gestiegen", so die ARS. Die Entwicklung zeige, dass sich die Situation weiter verschlechtere.

 384 Corona-Patienten im nördlichen Elsass:  Die Präfektur Bas-Rhin mit Sitz in Straßburg veröffentlichte aktuelle Zahlen: 384 Corona-Patienten befinden sich im nördlichen Elsass in stationärer Behandlung, in 155 Fällen ist eine Beatmung notwendig. Seit Beginn der Krise sind 43 Menschen gestorben. Die Verwaltung des südlichen Elsass – die Präfektur Haut-Rhin – veröffentlichte auf deren Webseite keine eigenen Fallzahlen, verwies aber auf die Zahlen der Gesundheitsbehörde.  Publikation liefert Grund zur Sorge: "Allein für die Region Grand Est werden 2935 Todesfälle erwartet", schreibt die elsässische Zeitung Derniere Nouvelle d’Alsace (DNA) auf ihrer Webseite. Dabei bezieht sie sich auf eine neunseitiges Publikation der Universität Rennes, die unserer Redaktion vorliegt. Ziel der Studie war laut Autoren die kurzfristige Vorhersage des Krankenhausbedarfs in Frankreich. Mittels eines mathematischen Modells berechneten die Wissenschaftler drei Szenarien, abhängig davon, wie viele Menschen eine erkrankte Person ansteckt. Im schlimmsten Fall ergaben die Simulationen für den Zeitraum vom 10. März bis zum 14. April 2935 Todesfälle in der Region Grand Est. Bei einem mittelschweren Verlauf sei mit 873 Corona-Toten zu rechnen, so die Veröffentlichung. Beim glimpflichsten Szenario handele es sich um 274 Todesfälle.

Patienten werden ausgeflogen:  Laut ARS wurden am Samstag sechs Patienten des überlasteten Krankenhauses in Mulhouse mithilfe von Militärhubschraubern nach Bordeaux transportiert. Auch mit Deutschland und der Schweiz gebe es Vereinbarungen. Am Wochenende wurden die ersten Patienten aus Straßburg, Colmar und Mulhouse in Kliniken nach Karlsruhe und Freiburg gebracht, so die DNA. Dort seien auf Intensivstationen 15 Betten für französische Patienten zur Verfügung gestellt, die Atemhilfe benötigen. "Die Aufnahme schwerkranker Corona-Patienten ist ein Zeichen gelebter europäischer Solidarität und ein Ausdruck der Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen", freut sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß in einer Pressemitteilung. Weitere sechs Patienten werden die Schweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura aufnehmen, so eine Pressemitteilung. "Das Département Haut-Rhin richtete am Freitag Nachmittag an die drei Kantone eine dringende Anfrage um Unterstützung, nachdem die Spitalkapazitäten ausgeschöpft waren", heißt es darin.

 Militär errichtet Feldlazarett in Mulhouse: Am Samstagmorgen hat das französisches Militär in Mulhouse begonnen ein Feldkrankenhaus zu errichten, berichtet der öffentlich-rechtliche Fernsehsender "France 3". Die Zelte und medizinische Geräte seien aus Orleans herangeschafft worden. Laut dem französischen Verteidigungsministerium handele es sich um Ausrüstung, die normalerweise in Kampfzonen eingesetzt werde. Die fünf modularen Großzelte auf dem Parkplatz des Emile-Muller-Krankenhauses böten Platz für 30 Patienten der Intensivstation.

Präfekt verhängt nächtliche Ausgangssperre: In Absprache mit dem Bürgermeister von Mulhouse hat der Präfekt des Départements Haut-Rhin ab Sonntag um 21 Uhr eine Ausgangssperre in der Gemeinde Mulhouse eingerichtet. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Präfektur hervor. Es sei nun verboten, sich zwischen 21 Uhr und 6 Uhr im öffentlichen Stadtgebiet aufzuhalten. Damit einher gehe die "zwingende Verpflichtung, dass jeder zu diesen Zeiten zu Hause bleibt". Die Maßnahme schließe auch alle Geschäfte, einschließlich Lebensmittel und Lieferdienste, ein. Wege zur Arbeit, ins Krankenhaus, die Belieferung von Lebensmittelgeschäften seien nach wie vor gestattet. Einkaufen, Sport treiben oder Gassigehen sind in den Sperrzeiten jedoch untersagt. "Die Polizeikontrollen werden über Nacht verschärft", so die Mitteilung. Verstöße werden mit einer Geldbuße von 135 Euro bestraft. Obernais Bürgermeister Bernard Fischer erließ am Montag eine ähnliche Ausgangssperre für seine Stadt, berichtet die DNA.

Straßburger Klinik nimmt an Corona-Studie teil: Straßburg nimmt an einer europäischen Studie zur Bewertung von vier experimenellen Behandlungen gegen den Virus teil, teilt die elsässische Zeitung DNA mit. An der Untersuchung sollen mindestens 800 schwerkranke Franzosen teilnehmen.

Parks, Wälder und Seen sind gesperrt: Im gesamten Elsass sind bis zum 15. April alle Parks, öffentlichen Gärten, Wälder, Gewässer sowie Spiel- und Sportplätze auf Präfekturanordnung gesperrt, berichtet "France 3". Die Entscheidung sei am Freitag gefallen, als zunächst Josiane Chevalier, Präfektin des Bas-Rhin, ein entsprechendes Dekret erlassen habe. Ihr Amtskollege Laurent Touvet habe für das südliche Elsass – das Départements Haut-Rhin – daraufhin eine ähnliche Regelung in Kraft gesetzt.

Solidarität: Um Ärzte und Krankenschwestern im Kampf gegen den Corona-Virus zu unterstützen, bieten immer mehr Vermieter möblierte Zimmer zu reduzierten Mieten an. Alleine in Straßburg seien 40 Immobilien für medizinisches Personal aus anderen Regionen reserviert. Darüber hinaus dürfen Ärzte, Pfleger und Sanitäter den öffentlichen Nachverkehr kostenlos nutzen, so Medienberichte.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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