Jonas Fehlinger hat die Graffiti-Szene in VS aus der Schmuddelecke heraus geholt. Seine Spray-Kunst vor allem auf dem Saba-Areal beeindruckten nicht nur die Bürger. Die Stadt reagiert und gibt zwei öffentliche Flächen zum Sprayen frei.
Villingen-Schwenningen - Zu "lebendigen Galerien" sollen die Flächen an den Unterführungen bei der Helios-Arena in Schwenningen und dem Gymnasium am Romäusring in Villingen werden. So stellt die Stadtverwaltung sich das vor.
Zwei Pilot-Flächen
Die beiden Pilot-Flächen können von allen Künstlern ohne Anmeldung und ohne Genehmigung für Graffiti genutzt werden. "Wir wollen die Flächen frei zur Verfügung stellen, nicht unter strenger Beobachtung", sagt Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt VS. Freilich werde ab und zu geschaut, dass keine beleidigenden oder sexistischen Dinge gesprayt werden. Sonst sind den Freiheiten keine Grenzen gesetzt. In den Unterführungen könnten also lebendige Galerien entstehen, die sich ständig verändern dürfen.
Auch der städtische Seniorenrat und Mitglieder des Freundeskreis Kurgarten seien begeistert von den vielseitigen Werken auf dem ehemaligen Saba-Gelände gewesen, so Brunner. Gemeinsam mit Jonas Fehlinger sei die Idee für einen Graffiti-Workshop in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus K 3 mit Leiter Stefan Hoffmann entstanden. Unter Anleitung von Fehlinger sollen sich im Herbst Alt und Jung im K 3 treffen und sich gegenseitig bereichern, und Eltern mit Kindern oder Großeltern mit Enkeln Farbe auf die Betonwände bringen.
Was entstehen kann, ist bereits an den beiden Unterführungen bei der Helios-Arena und am Romäusring zu sehen. "Da passiert was. Das sieht schon sehr cool aus", freut sich Oxana Brunner. In Villingen war der Künstler und Grafik-Designer Jonas Fehlinger mit Noah und Tanja Rautschek am Werk. Fehlinger erzählt: "In der Unterführung haben wir ganz spontan angefangen Mal etwas zu malen. Mein kleiner Bruder Noah, war bei uns zu Besuch. Meine Freundin hatte dann die Idee mit ihm in die Unterführung zu gehen."
Motive spontan entstanden
Die Motive seien dann ganz spontan entstanden, so Fehlinger. "Wir haben eigentlich nur gemalt, worauf wir gerade Lust hatten. Mein Bruder den Oktopus, meine Freundin den Flamingo und ich das VS. Das VS als Dankeschön an die Stadt. An solchen freien Flächen ist genau das der Vorteil. Man kann einfach hin und malen, wenn man gerade Lust hat. Ist die Unterführung mal voll, wird einfach wieder drüber gemalt."
Für die Fläche beim Eisstadion hätte es auch schon Pläne gegeben. Es sei aber unsicher gewesen, ob die Fläche zur Hall of Fame oder für ein einmaliges Bemalen freigegeben wird. "Man kann dort schon Mal was zum Thema SERC machen. Davon wäre ich auch nicht abgeneigt. Allerdings sind bei freien Flächen die Bilder nur für kurze Zeit", sagt Fehlinger.
Der Graffiti-Künstler findet die Initiative der Stadt gut: "Ich bin sehr froh und auch dankbar, dass wir jetzt die Möglichkeit haben. Es hat aber auch sehr viel Zeit und Kraft in Anspruch genommen, die Stadt davon zu überzeugen. Bisher sind die Flächen nur ein Pilotprojekt. Daher auch nur zwei Unterführungen. Obwohl es in anderen Städten das schon lange gibt. Ich werde auch mein Teil dazu beitragen, dass die Stadt das nicht bereut und es in Zukunft weitere Flächen gibt. Ich habe da auch noch was in petto", meint der Künstler.
Die Reaktionen seien positiv: "Ich bekomme gerade sehr viel Rückmeldungen, dass den Leuten das sehr gefällt, dass die Flächen etwas Farbe abbekommen. Viele reden schon davon, dass sie in Zukunft des Öfteren bei den Flächen vorbei schauen und begutachten, was da Neues entstanden ist. Genau so, soll es auch sein." Und so kommen die Graffiti in VS endlich aus der Schmuddelecke.