Nicola Schurr (links) und Jonas Fehlinger wünschen sich, dass die legalen Graffiti-Flächen – hier an der Unterführung des Gymnasiums am Romäusring in Villingen – noch bekannter werden. Foto: Eich

Seit einem Jahr ist das Sprühen von Graffiti auf zwei öffentlichen Flächen in VS erlaubt. Die Initiatoren freuen sich über die Möglichkeit, sehen aber selbstkritisch noch Luft nach oben.

Villingen-Schwenningen - Die Initiatoren, Stadtrat Nicola Schurr und Künstler Jonas Fehlinger, stehen in der Unterführung beim Gymnasium am Romäusring, betrachten die dortigen Graffiti. "Tagsüber ist es in der Unterführung fast dunkler als nachts, deshalb entscheiden sich viele für die Flächen am Aufgang", sagt Fehlinger. Tatsächlich hält sich die Zahl der Kunstwerke noch in Grenzen. Hier und da finden sich auch unschöne Schmierereien.

Alter Wunsch erfüllt sich

Ein lange gehegter Wunsch der Graffiti-Künstler ist im vergangenen Jahr in Erfüllung gegangen, als die Stadt zwei öffentliche Flächen freigegeben hat, um sie besprühen zu können. Neben der Unterführung ist dies die Brücke an der Haltestelle des Ringzugs am Eisstadion.

Die Graffiti-Aktion in der Goldgrubengasse, bei der Fasnet-Motive an eine Wand gesprüht wurden, war ein aufsehenerregender Auftakt für die sprühende Kunst in VS, der durchschlagende Erfolg, das Saba-Gelände als Freiluft-Kunstraum zu nutzen, tat sein übrigens. Davor hatte Fehlinger bereits bei Bürgermeister Detlev Bührer angeklopft, während Schurr einen Antrag im Gemeinderat einbrachte – im Juli 2021 kam schließlich das offizielle OK.

Jeder kann sich ausprobieren

"Da sind wir auch sehr dankbar", sagen Fehlinger und Schurr. Und: Sie haben bereits von einigen Künstlern erfahren, die die Flächen genutzt haben. Insbesondere eine großflächige Wand zwischen den beiden Treppen auf der Seite der Turnhalle wird regelmäßig mit sehenswerten Kunstwerken verziert.

"Es ist cool, dass sich die Leute hier ausprobieren können", sagt Schurr insbesondere mit Blick auf die Anfänger der Szene. Diese einzufangen und vor allem zu verhindern, dass sie sich nicht auf illegale Weise an verbotenen Flächen ausprobieren, war eines der Ziele, welches die Beiden verfolgten. Zudem sei es schön, dass man sich nun legal zum Sprühen verabreden kann.

Unterführung soll komplett durchgestrichen werden

Dennoch sagen sie selbstkritisch: "Man kann es besser machen!" Das hängt, so erzählen sie, mit zwei Faktoren zusammen. So sei die Unterführung am Anfang nicht komplett durchgestrichen worden. "In Freiburg fährt die Stadt ein Mal im Jahr durch und streicht", weiß Fehlinger. Der Künstler betont aber: "Wir wollen keine Bittsteller sein!"

Kurzerhand entscheiden er und Schurr sich deshalb vor Ort dazu, dies in diesem Herbst in Angriff zu nehmen. In einer gemeinsamen Aktion soll die Unterführung zunächst blank werden, um dann Flächen für die Künstler zu bieten. Und mit der Aktion könnte man auch gleich für das zweite "Problem" Abhilfe schaffen: Darauf aufmerksam machen, dass es diese "Leinwände" der besonderen Art tatsächlich gibt.

Nicht alle kennen die Flächen

Fehlinger kennt es von seinen Workshops, die er unter anderem im Jugendhaus zu diesem Thema gibt, dass die wenigsten von diesen legalen Flächen wissen. "Wir müssen das wirklich besser publik machen", gibt er zu. Die Anstreich-Aktion könnte dabei helfen, um die Community und die Szenen auf die freigegebene Unterführung und die Brücke aufmerksam zu machen. Zudem könnten Schilder angebracht werden, um dies auch deutlich zu machen.

Dass die Flächen wichtig und richtig sind, davon sind beide weiterhin überzeugt. Das Ziel ist klar: Den Künstlern soll eine Plattform gegeben werden, eine wachsende Community, die ihre Regeln hat, wird dafür sorgen, dass das illegale Sprühen eingedämmt wird. "Gleichzeitig können Angsträume verschwinden", sagt Schurr mit Blick auf die Belebung der sonst eher wenig reizvollen Orte durch die Künstler.

Auch deshalb wollen sich beide dafür einsetzen, dass die Graffiti-Möglichkeiten nicht nur bekannter, sondern auch ausgeweitet werden. Zahlreiche wenig schmeichelhafte Unterführungen oder beschmierte Brücken würden sich anbieten, damit dort Kunst entstehen kann. "Die Graffiti sind definitiv in der Kunstwelt angekommen", sagen Fehlinger und Schurr – das ist auch ihr Ziel für VS.