Nach rund zwei Jahren und 1,1 Millionen Euro Kosten sind die archäologischen Grabungen im „Supperten II“ fertig. Gefunden wurden unter anderem Spuren der Römer.
Die archäologischen Grabungen auf dem drei Hektar großen Baugebiet „Supperten II“ im Westen der Stadt gilt es ganz sicher unter zwei Blickwinkeln zu betrachten. Da wusste Felix Fleischer, Fachreferent beim Landesamt für Denkmalpflege, in seinem Vortrag vor einem großen Publikum im Bürgersaal einerseits von einer „spektakulären Funddichte“ für Archäologen zu berichten. Andererseits müsse man sich aber auch vor Augen halten, dass diese Grabungsvorgaben „von oben herab“ für die Bauwilligen mit erheblichem Zeitverzug und satten finanziellen Belastungen verbunden sind.
14 Monate dauerten die Grabungsarbeiten, denen eine Vorbereitungszeit von neun Monaten vorausging. Die Kosten für die archäologischen Grabungen liegen schlussendlich bei rund 1,1 Millionen Euro, die von den Grundstückseignern getragen werden müssen und die künftigen Bauplatzpreise tüchtig anheben werden. Man weiß: Bauwillige haben angesichts dieser Begleiterscheinungen von ihrem Vorhaben inzwischen wieder Abstand genommen. Ob die Kosten-Nutzen-Relation so unstrittig sei, stellte Markus Schoor, Leiter des Stadtbauamtes, in seiner Einführung als Frage in den Raum.
So beeindruckend für das Landesdenkmalamt wohl die Funddichte im Westen der Rohanstadt ist – sensationell Neues über vermutete frühere Besiedlungen war weder den Ausführungen von Fleischer vom Denkmalamt noch von Tobias Janouschek von der Grabungsfirma Archaeo Task zu entnehmen.
Archäologen fanden Dinge aus der Bronzezeit
Frühere Grabungen in Fürstenfeld-West, in den Radackern oder in „Supperten I“ ergaben bereits vergleichbare Fundstücke und Hinweise auf frühere Ansiedlungen, wie sie nun in „Supperten II“ die bisherigen Erkenntnisse und Vermutungen zusätzlich bestärken. Das früher in diesem Gebiet gefundene Glockenbechergrab war sicherlich einer der spektakulärsten Funde aus der Endsteinzeit. Verstärkt auftretende „Spots“ machte Janouschek dann in der Bronzezeit wie danach in der Eisenzeit aus: Gruben, Bronzemesser, Speerspitzen, Schmelztiegel, Schmelzöfen. Als „Besonderheit“ brachten die Grabungen Mühlsteine zum Vorschein, die man bereits als „Ettenheimer Mühlstein“ bezeichnet. Nachweise für Bauwerke (Pfostenhäuser, Schwellbalkenhäuser) können gleichermaßen auf Wohnhäuser oder Arbeitsstätten wie auf Speicher für beispielsweise Getreide hinweisen. Interesse weckten bei den Experten eindeutige Hinweise auf eine Stoffherstellung in Form von Webstühlen und typischem Werkzeug von Webern.
Wie in den früheren Grabungsgebieten finden sich auch in Supperten II Nachweise, dass zwischen den Bauten oftmals Gräben verliefen. Je mehr man sich der Wende der Zeit vor Christi Geburt und unserer heutigen Zeitrechnung nähert, umso klarer wissen Archäologen die Funde zu deuten. So auch in „Supperten II“, wo Janouschek Hinweise auf eine römische Villa rustica deutlich zu erkennen glaubt.
Auf einer Länge von rund 500 Metern finden sich wertvolle Funde von der Jungsteinzeit bis in die römische Zeit, zeigte sich Fleischer vom Landesdenkmalamt begeistert – Funde, die inzwischen im zentralen archäologischen Fundarchiv in Rastatt lagern. Sie sollen, so merkte Reinhard Jäger, Vorsitzender des Ettenheimer Museumsvereins, teilweise wieder nach Ettenheim zurückgebracht werden – eine Zielsetzung, die Fleischer ausdrücklich begrüßte.
Inzwischen wird das Baugebiet erschlossen
Warum aber ist nun gerade auch Ettenheim ein solch wertvoller Fundort? Fleischer erklärte Ettenheims Siedlungsgunst schon in frühen Zeiten mit der Randlage im Oberrheingraben – mit der Wassergunst sowie den bewältigbaren Zu- und Durchgängen des angrenzenden Schwarzwaldes.
Inzwischen haben die Baufahrzeuge für die bauliche Erschließung des Baugebiets die Bagger von Archaeo Task abgelöst – sehr zur Freude von Stadt und Bauwilligen. Auf 52 Bauplätzen sollen zwanzig Einfamilienhäuser, zehn Doppelhäuser, sieben Reihen- und vier Mehrfamilienhäuser entstehen – dort, wo sich Spuren von Menschen, die vor Tausenden von Jahren siedelten, finden.
Info – Grundstücke kaufen
Nach einer zeitintensiven Vorbereitungsphase wird das neue Baugebiet „Supperten II“ nun erschlossen. Die Arbeiten haben bereits begonnen und werden Ende 2026 abgeschlossen sein, informiert die Stadt in einer Mitteilung. In der ersten Vermarktungsphase werden 15 Einfamilienhaus- und sechs Doppelhausgrundstücke zum Kaufpreis von 395 Euro pro Quadratmeter angeboten. Bewerbungen können bis 20. Februar 2026 im Internet unter www.baupilot.com eingereicht werden. Ab Freitag, 19. Dezember, sind alle relevanten Informationen einsehbar – darunter Exposés, Lagepläne, Preise, Vergabekriterien sowie Infos zum Verfahren, so die Stadt.