Nicht erst seit dem 19. Jahrhundert, als das ehemalige Augustinerkloster in Oberndorf zur Gewehrfabrik wurde, durchlebt der der Gebäudekomplex eine wechselvolle Geschichte.
Im Herbst 2025 wurde die Verlegung einer Fernwärmeleitung in der Oberndorfer Klosterstraße von den beiden ehrenamtlichen Beauftragten des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Klara und Bernd Pieper, archäologisch begleitet.
Hierbei konnten die beiden Denkmalpfleger diverse Funde von der Frühzeit des Klosters im 13. Jahrhundert bis zu dessen Ende Anfang des 19. Jahrhunderts sicherstellen. Doch nicht nur Funde wurden bei diesem Bodeneingriff gesichert, sondern es konnten zudem außergewöhnliche Befunde wie Mauerreste, ehemalige Laufniveaus mit Bodenplatten, Wasserzuführungen sowie zeitlich unterschiedliche Schichten, dokumentiert werden.
Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Auffinden einer großflächigen Brandschicht vor dem Kloster und zur Talstraße hin. Diese Schicht konnte an den Wänden im Profil und auf der Sohle des Leitungsgrabens archäologisch genau erfasst werden. Dieser Brandhorizont enthält nicht nur Holzkohle, verziegelten Lehm, Bruchstücke von kleinsten Kalksteinen und Essensreste, sondern auch Keramiken des 13. bis 15. Jahrhunderts.
Da die jüngsten Funde in dieser Schicht ins 15. Jahrhundert datieren, kann man davon ausgehen, dass die Brandschicht aus dieser Zeit stammt. Nach einem historisch nicht überlieferten Brandereignis wurden Teile der Brandmasse großflächig im vor dem Kloster liegenden Gelände verteilt und einplaniert – eine übliche Vorgehensweise über die Jahrhunderte hindurch weltweit.
Über dieser Brandschicht aus dem 15. Jahrhundert gelegen, zeigten sich weitere jüngere Schichten im Profil, welche bis in die Moderne reichen. Hier imponieren vor allem Mauerreste von abgegangenen Gebäuden, Bodenplatten aus Buntsandstein und teils größere Mengen an Mörtelresten, welche auf Um- und Neubauarbeiten im 18. Jahrhundert (Neubau Kloster ab 1772) deuten.
Die in den Jahren 1467 und 1468 geschriebenen Bettelbriefe der Nonnen des Augustinerklosters an den Bischof von Konstanz mit Bitte um finanzielle Unterstützung können nun, Dank der archäologischen Befunde, besser eingeordnet werden. Hier zeigt sich, dass aller Wahrscheinlichkeit nach ein Brand im Kloster oder in einem Nebengebäude, Anlass für die Bettelbriefe war – denn man benötigte ja schließlich Geld für den Wiederaufbau oder die Instandsetzung der geschädigten Gebäude oder Gebäudeteile.
Klara und Bernd Pieper planen zu einem noch unbekannten Zeitpunkt, interessante Fundstücke von dieser Maßnahme auszustellen, vielleicht wieder in der bewährten Zusammenarbeit mit dem Archiv der Stadt Oberndorf.