Zwei bronzene Bügelfibeln standen als "Ausbeute" zu Buche, als das Landesamt für Denkmalpflege in der vergangenen Woche den Fund eines frühmittelalterlichen Grabes bei Lautlingen publik machte. Das war aber noch nicht alles.
Albstadt-Lautlingen - Sechstes oder siebtes Jahrhundert – die Person noch unbestimmten Alters, deren Grab am vergangenen Donnerstag bei einer Sondierungsgrabung auf dem Gelände des geplanten Gewerbegebiets Hirnau entdeckt wurde, war um das Jahr 600 nicht allzuweit unterhalb der europäischen Wasserscheide beigesetzt worden.
Ganz offensichtlich war der oder die Tote zu Lebzeiten gut betucht gewesen; das zeigte sich schon bei der Freilegung von Kopf und Oberkörper: Auf dem Brustkorb lagen die Reste zweier bronzener Bügelfibeln mit Almandineinlagen.
Der Almandin war im frühen Mittelalter so etwas wie der Standardschmuckstein der fränkischen und alamannischen Nobilität: kein richtiger, sondern "nur" ein Halbedelstein, aber immerhin einer, dessen Abbaustätten sich viele tausend Kilometer von Südwestdeutschland befanden, nämlich im Himalaya. Der Seidenstraßenhandel florierte auch in den sogenannten "dunklen Jahrhunderten".
Riemenzunge aus vergoldetem Silber
Das sollte aber noch nicht alles gewesen sein: Als das Grab der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war erst die obere Hälfte des Skeletts freigelegt; Hüftbereich und Beine verbarg noch eine dünne Erdschicht. Die wurde im Lauf des Donnerstagnachmittags abgetragen, und dabei trat noch mehr Metall zutage, und zwar dort, wo man den Gürtel vermuten durfte. Beim größten Stück handelte es sich offensichtlich um die sogenannte Riemenzunge dieses Gürtels – sie bestand aus vergoldetem Silber – , bei den beiden anderen Metalresten um Applikationen des Gürtelgehänges.
Und dann war da noch eine schwärzliche Gagatperle, sorgfältig zugeschliffen und gelocht – Gagat oder Jett ist fossiles Holz aus dem Jurazeitalter, das noch im 19. Jahrhundert oft und gern als Rohstoff für die Schmuckherstellung genutzt wurde.
Ursprüngliche Ausstattung war viel reicher
Man darf davon ausgehen, dass diese Objekte nur spärliche Überreste einer wesentlich reicheren Grabausstattung sind, die schon bald nach der Beisetzung die Beute von systematisch arbeitenden Grabräubern, offenbar echten Profis, wurden. Ihre Lage, Art und Güte legen laut Marc Heise, dem Leiter des Referats für operative Archäologie im Landesamt für Denkmalspflege, die Annahme nahe, dass es sich bei der Lautlinger Leiche um eine Frau handelte. Erwiesen ist das aber noch nicht; Sicheres und Genaues wird man aber erst wissen, wenn Anthropologe und Restauratorin ihr Werk verrichtet haben.
Bis dahin kann aber noch einige Zeit vergehen – auf der To-do-Liste der Experten in Tübingen stehen noch viele andere Aufträge dieser Art.