Kinder erzählten in der katholischen Johannes-Kirche von der Geburt Jesu. In Oberbaldingen ging Pfarrer Jonathan Richter auf die Weihnachtsbotschaft ein.
An Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag feierten die Christen der katholischen Johannes-Gemeinde in Bad Dürrheim mit der Christmette und einer feierlichen Messe die Geburt Jesu – ihrem nach Ostern wichtigsten Fest. Speziell für kleine Erdenbürger gab es am späten Nachmittag vor dem Feiern in den Familien an Heiligabend eine Krippenfeier, bei der Kinder der Kirchengemeinde mitwirkten.
Der große Altarraum diente als ausgedehnte Bühne für die Aufführung der biblischen Weihnachtsgeschichte, die zumeist genutzt im Evangelium von Lukas aufgeschrieben ist.
Im großen Ensemble von rund 30 Kindern waren Ausrufer, Engel und Hirten neben Maria und Josef engagiert, die in verschiedenen Szenen die Geschichte darstellten. Es begab sich zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt wegen der Steuern geschätzt werden mussten, was eine Volkszählung notwenig machte. So musste sich Josef mit der schwangeren Maria auf die Reise begeben. In Bethlehem fanden sie keine Herberge, so dass Maria das Jesukind in einem Stall zur Welt bringen musste. Die Geburt des Retters wurde von Engeln an Hirten verkündet, die ihre Freude wenig später an der Krippe zum Ausdruck brachten. Später folgten die drei Könige, die das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkten.
Das gelungene Krippenspiel hatten die Kinder zusammen mit Ulrike Pfeiffer, Corina Spettel und Diakon Karl-Heinz Groß einstudiert. Musikalisch hervorragend begleitet wurde die Aufführung vom Kinder- und Jugendchor unter Leitung von Anita Brodrick. Kinder, Eltern und Großeltern sangen die klassischen Weihnachtslieder „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „O du Fröhliche“ mit viel Inbrunst mit.
Lieder berühren Besucher
Im bis auf den letzten Platz belegten Gotteshaus zeigten sich beim Singen der Lieder viele Kirchgänger in den Seelen vielfach tief berührt. Die Feier leitete Gerhard Reiner, der in seiner Ansprache explizit auf den Joseph und seiner Rolle in der Weihnachtsgeschichte einging. Reiner verband Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, mit der bedingungslosen Liebe von Gott zu den Menschen.
Pfarrer Jonathan Richter wusste zum Einstieg des Festgottesdienstes zum ersten Weihnachtsfeiertag in Oberbaldingen die zahlreichen Gottesdienstbesucher zum inneren Schmunzeln anzuregen, als er auf Enttäuschungen einging, die zum Weihnachtsfest immer wieder auftreten und die hohen Erwartungen an Familienfeiern ganz schnell verblassen lassen.
Irrtümer aufgedeckt
Ob die richtigen Batterien zum lang ersehnten Spielzeug nicht geliefert wurden oder das traditionelle Weihnachtsessen doch nicht wie gewohnt geraten ist, Enttäuschungen drücken auf die Stimmung. „Weihnachten kann ent - täuschen“, so das Wortspiel aus des Pfarrers Munde: „Wenn die Täuschung weggenommen und das Echte hervorkommt!“
So auch einige Irrtümer, welche die österreichische Pfarrerin Alexandra Battenberg im Zusammenhang mit den Mythen rund um das Weihnachtsfest zur Enttäuschung vieler Menschen aufgedeckt hat. So darf bezweifelt werden, dass Jesus in einem separaten Stall in Anwesenheit eines Ochsen und eines Esel geboren wurde. Von beiden Tieren ist in der biblischen Weihnachtsgeschichte nicht die Rede, und die Wohngebäude beinhalteten zur jener Zeit durchaus Stallungen. Auch das in den traditionellen Krippenszenen dargestellte Familienidyll der Geburt Jesu muss wohl der realistischen Szene weichen: Ein blutjunges Mädchen gebiert unter zweifelhaften hygienischen Bedingungen ein uneheliches Kind. Wenig später wird die junge Familie zur Flüchtlingsfamilie, weil König Herodes das Kind umbringen will.
Selbst der Gedanke „Weihnachten ist lange her, das hat nichts mit mir zu tun!“ gelte nicht. Das Kind in der Krippe sei Gottes heutige Einladung an die Menschen: „Komm, egal, wer Du bist. Gott liebt Dich“ , so Pfarrer Richter.
Gnade und Gerechtigkeit
Der mit einem weihnachtlichen Lobpreisteil gegliederte Festgottesdienst rückte mit der Predigt und der Abendmahlsfeier noch zwei weitere Höhepunkte in den Mittelpunkt der Verkündigung. Pfarrer Richters Predigt basierte auf dem Titusbrief, Kapitel 3, Verse 3 bis 7. Demnach gelang es dem Apostel Paulus in nur einem einzigen Satz dem Bischof von Kreta, Titus genannt, die ganze Weihnachtsbotschaft mit zwölf zentralen Begriffen zu vermitteln. Galt Kreta seinerzeit als Ort mit üblem Ruf, so brachte dieser Brief deutliche Besserung auf Insel.
Ob Freundlichkeit oder Menschenliebe, ob Barmherzigkeit oder Gnade und Gerechtigkeit, was das Leben auf Kreta veränderte, stammt aus der Botschaft, die auch heute noch als die Weihnachtsbotschaft schlechthin verkündet wird.
Defizite beim Thema Frieden
Ins Hier und Heute geholt, stellte Pfarrer Richter die Frage: „Kennt ihr diese Vorher-Nachher-Bilder? Vor und nach der Bescherung – da finde ich immer das erste Bild besser!“ oder „Vor und nach einem Friseurbesuch, da ist dann das zweite Bild besser!“ Das Hin zum Besseren bestimme die Reihenfolge, so der Pfarrer. Bezogen auf den Titustext bedeute dies, dass mit der Geburt Jesu Gott selbst in die Welt gekommen ist, weil er die Trennung von Gott und Mensch nicht mehr ausgehalten habe. Weil in der Welt immer noch Defizite beim Thema Frieden und Gerechtigkeit herrschen, erinnern sich die Christen am Weihnachtsfest alljährlich an die Geburt Jesu. So schenke Gott dem Menschen immer wieder die Chance, mit der Kraft des Heiligen Geistes das bessere Nachher-Bild zu gestalten.
Feierlicher Rahmen
Ob bei Jung oder Alt, dieser Festgottesdienst gab eine eindeutige Antwort: Weihnachten kann nicht enttäuschen. Reiner Obermeyer am Piano, Nana Danso am Cajon, Carina Grimm und Hannah Richter mit Quer- und Blockflöte und ihren Stimmen verliehen dem Festgottesdienst einen zeitgemäß feierlichen Rahmen.