Nachdem zwei Polizisten einen Gottesdienst in Thanheim unterbrochen haben, ist die Empörung bei manch einem Kirchenbesucher groß. Wie wird die Situation von der Polizei bewertet?
Aufregung herrschte während des Festgottesdienstes zum Patrozinium in der Kirche St. Ulrich am Sonntag in Thanheim: Pater Cheriyan Menacherry, der gerade am Ambo seine Predigt vortrug unterbrach kurz, um sich im Altarraum mit den beiden Polizisten zu unterhalten.
„Hat Polizei Respekt verloren?“
Ein Raunen ging durch die Reihen der Kirchenbesucher. Ob ein größeres Verbrechen passiert wäre, fragten sich manche. Ein Kirchenbesucher meinte: „Hat die Polizei nun nicht mal mehr Respekt vor der Kirche und dem gelebten Glauben?“ Wie dem auch sei: Ein Kirchenbesucher bot an, das Auto Menacherry, an dem sich offenbar ein Konflikt entzündete, wegzufahren.
Nachdem viel über den Vorfall geredet worden ist: Was sagt die von manch einem gescholtene Polizei dazu? Auf Nachfrage unserer Redaktion beschreibt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Reutlingen den Vorfall so:
Anwohnerin verständigt Polizei
„Unsere Notrufzentrale wurde von einer Anwohnerin verständigt, weil ihr Pkw so zugeparkt wäre, dass sie nicht mehr wegfahren könne“, heißt es. Die Polizei schickte eine Streife an den Ort des Geschehens. Dort stellte sich heraus, dass vor dem Auto der Anwohnerin ein Fahrzeug geparkt war. Ein weiterer Pkw stand neben ihrem Auto.
Die Polizei schreibt: „Ihr Wagen war also so eingeparkt, dass sie keinerlei Chancen hatte, wegzufahren. Nachdem sie den Polizeibeamten gegenüber angegeben hatte, dringend zur Arbeit zu müssen, erschien den Polizeibeamten ein sofortiges Tätigwerden erforderlich.“ Und weiter: „Die in den Medien teilweise verbreitete Darstellung, es habe sich lediglich um einen Parkverstoß gehandelt, ist also falsch.“
Einer der blockierenden Autos gehört dem Pfarrer
Bei der Überprüfung der Fahrzeuge stellte sich nach Angaben der Polizei heraus, dass einer der blockierenden Pkw das Auto des Pfarrers war. Die Polizisten wussten jedoch, dass gerade ein Gottesdienst stattfindet und haben versucht, die Halterin des anderen Fahrzeugs zu erreichen. Auch dabei „handelte es sich um das Auto eines Gemeindemitglieds, weshalb davon auszugehen war, dass die Person sich ebenfalls in der Kirche befand“.
Situation „nach wenigen Minuten“ geklärt
Was also tun? Das mildeste Mittel, stellte die Kontaktaufnahme mit den Fahrzeughaltern dar. Das ist tatsächlich auch in finanzieller Hinsicht die günstigste Variante: Hätte eines der Fahrzeuge abgeschleppt werden müssen, wären die Kosten schnell in einen Bereich von mehreren Hundert Euro gegangen.
Daher betraten die Polizisten den Kirchenraum. Die Polizei schreibt: „Nach wenigen Minuten war die Situation mit dem Wegfahren des Autos beendet und der Gottesdienst konnte ungestört weitergeführt werden.“