Eifrig unterstützen die Kinder Kathrin Sauer dabei, den Erntekorb des Herzens mit guten Gaben zu füllen, die das Tragen schwerer Lasten leichter machen. Foto: Fahrland

Pfarrerin Kathrin Sauer verabschiedete sich beim Erntedankgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche von der Gemeinde. Trotz ihres schweren Schicksalsschlags blickte sie auch mit Dankbarkeit auf die schönen Momente zurück.

Oberndorf - Der Kirchenchor mit Kantor und Chorleiter Michael Link am Klavier stimmte mit dem harmonischen Chorsatz "Schau auf die Welt" auf Erntedank ein. Nach der Begrüßung durch Kathrin Sauer legten die Kinder vom Kinderhaus Regenbogen ihre Erntekörbchen zu den bereits aufgebauten Erntegaben, die wie das Opfergeld für den Tafelladen bestimmt waren.

Kinder bereichern Gottesdienst

Mit zwei Liedern und einem Erntetanz bereicherten die Kinder den Gottesdienst. Welche Lieblingsspeisen von Kartoffelbrei bis Karottensalat ihnen Grund zum Danken lieferten, zauberte den Kirchenbesuchern ein Lächeln ins Gesicht.

Dass es vielen Menschen nicht leichtfalle, Gründe zum Danken zu finden, thematisierte die seit zehn Monaten verwitwete Pfarrerin, die sich für einen Umzug nach Rottenburg und eine berufliche Neuorientierung in Tübingen entschieden hatte.

Schwere Steine im Erntekorb

Kathrin Sauer widmete sich in ihrer gefühlvollen Abschiedspredigt besonders denjenigen, deren Kummer und Sorgen wie bei ihr als schwere Steine im Erntekorb ihres Herzens liegen. Gemeinsam mit Kindern bedeckte sie den Kummerstein im leeren Korb mit alltäglichen Gegenständen und entschlüsselte ihre symbolische Bedeutung als Zeichen der Freundschaft und Liebe sowie das Gute, das einem im Leben widerfährt.

Musik, eine tröstliche Karte, ein Apfel für die Gesundheit, ein Schirm zum Schutz, ein Spiegel für die Selbstreflexion, ein Teddy zum Kuscheln, ein Licht gegen die Dunkelheit sowie manches mehr sollten den Korb wieder so bunt und fröhlich machen wie die Erntegaben den Altar.

Schöne Momente bleiben in Erinnerung

Eigene Schwächen einzugestehen und um Hilfe zu bitten falle ihr häufig schwer, gestand Sauer. Doch schöne Begegnungen und neue Wege würden sich finden lassen, indem man sich mit anderen auf die Suche begebe. Auch die Vorstellung, den schweren Korb in Gottes Hand zu legen und nicht allein tragen zu müssen, habe ihr oft geholfen, gab sie anderen Betroffenen als Ermutigung mit auf den Weg.

Dankbar blickte die Pfarrerin trotz der schweren Zeit auf die schönen Momente und gemeinsamen Wege ihrer Dienstzeit zurück, wozu sie besonders die Geburtstagsbesuche, die Gespräche zwischen Tür und Angel und den guten Kontakt mit den Mitarbeitern zählte.

"Jeder Abschied ist auch ein Neubeginn"

Sie bedankte sich für alle Begegnungen während der Höhen und Tiefen des Lebens und richtete gute Wünsche für ein gelingendes Gemeindeleben an die Anwesenden. Im Anschluss stellte sich Pfarrerin Christine Siegl vor, die seit Anfang Oktober mit einer 50-Prozent-Stelle als Pfarrerin zur Dienstaushilfe für vorerst ein halbes Jahr in der Gemeinde tätig ist.

"Leben ist Wandel und jeder Abschied auch ein Neubeginn", sprach der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Thorsten Sosinski. Er verabschiedete Kathrin Sauer mit Dankesworten, Blumen und dem Wunsch auf einen guten Neuanfang. Der Kirchenchor schloss sich musikalisch mit einem irischen Reisesegen an.

Zwischen Lachen und Weinen

Passend zu ihrem Lied "Mögen Engel dich begleiten" überraschten die Kinder und Erzieherinnen vom Kindergarten Rosenberg die Pfarrerin, die einmal mehr zwischen Lachen und Weinen schwankte, mit einem gebastelten Engel und einer Mappe voller selbstgemalter Engelsbilder.

Für das Orgelnachspiel hatte Michael Link mit "Norwegischer Tanz Nr. 2" von Edvard Grieg ein beschwingtes Stück ausgewählt. Danach standen die Gemeindeglieder Schlange, um sich persönlich von Kathrin Sauer zu verabschieden.