Feierlich ziehen Kirchenvertreter und Stadtkirchengemeinderäte beim Festgottesdienst zur Wiedereinweihung in die Stadtkirche ein (Bild links). Dekan Werner Trick präsentiert den Gottesdienstbesuchern den neuen Schirm mit Motiv der Stadtkirche (Bild oben). Auf der frisch gestrichenen Kanzel hält Prälat Christian Rose die Festpredigt (Bild unten). Foto: Sannert

"Heute ist ein großer Tag, ein Tag der Freude und ein Tag des Dankes". Mit diesen Worten begrüßte Dekan Werner Trick die vielen Gläubigen, die den Festgottesdienst zur Wiedereinweihung in oder vor der Stadtkirche und sogar von zuhause aus live mitverfolgten.

Freudenstadt - 200 Gäste durften laut Coronaverordnung in die Stadtkirche. Unter ihnen viele Ehrengäste wie Vertreter des Eigentümers der Kirche, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, der katholischen Kirchengemeinde und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, die Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel (CDU) und Saskia Esken (SPD), die Landtagsabgeordneten Timm Kern (FDP) und Kathrin Schindele (CDU), Landrat Klaus Michael Rückert und Oberbürgermeister Julian Osswald. Weitere 100 Gläubige verfolgten das Geschehen in der Kirche auf einer Großleinwand vom Kirchplatz aus.

Zu Orgelmusik schritten die Kirchenvertreter samt Stadtkirchengemeinderäten hinter dem Kreuz her und zogen feierlich in die frisch renovierte Stadtkirche ein. Noch sei nicht alles an seinem Platz, wie das romanische Lesepult im Altarraum oder die Möbel im neuen Eltern-Kind-Raum, bemerkte Dekan Trick. "Endlich können wir wieder Gottesdienste feiern", brachte er seine Freude über das Ende der zwei Jahre dauernden Sanierungsarbeiten zum Ausdruck.

Gemeinsam wurde gebetet und gesungen

Gemeinsam wurde mit Dekan Trick und Pfarrer Thomas Strohhäcker gebetet und mit Genehmigung des Oberkirchenrats auch wieder zusammen gesungen. Bei einigen Liedern wechselten sich die Gottesdienstbesucher mit den Sängerinnen und Sängern der cappella vocale Freudenstadt unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Jörg M. Sander ab. Begleitet wurden alle mit Orgelmusik und vom Posaunenchor des CVJM Freudenstadt.

"Die Zeit der leeren Kirche ist vorbei", freute sich auch Prälat Christian Rose aus Reutlingen, der auch die Festpredigt hielt. Die 413 Jahre alte Kirche verbinde Tradition mit neuer Medientechnik und sei nun auch barrierefrei, freute er sich. Denn angesichts vieler großer Tragödien auf der ganzen Welt brauche es barrierefreie Gotteshäuser – innen wie außen – die die Menschen erreichen."

Eine neue Glasvitrine soll das Lesepult sichern

Mit dem Text aus 1. Korinther 14, Vers eins bis zwölf, rief er die Menschen dazu auf, mehr Glaube, Liebe und Hoffnung zu leben. Die Stadtkirche solle eine Quelle sein, um Kraft zu schöpfen, und ihre Engel sollten dabei helfen, zuzulassen, loszulassen und sich auf Gott zu verlassen.

Was in den vergangenen zwei Jahren in der Stadtkirche alles verändert wurde, das erfuhren die Gäste von Architekt Matthias Jarcke. "Dieser Tag ist das Ergebnis von dreieinhalb Jahren Nachdenken, Planen und Entscheiden, umfangreichen Sitzungen und zwei Jahren intensiver Bauzeit", so Jarcke. Er sei auch das Ergebnis einer vertrauensvollen, konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Dekanat, Kirchengemeinde, der Vermögen und Bau und Planern. Unter anderem wurden 450 laufende Meter Kirchenbänke restauriert, der Kirchenboden wurde ein- und ausgebaut, die komplette Elektrotechnik erneuert, der Brandschutz verbessert und eine neue Glasvitrine geplant, die demnächst das Lesepult schützen soll.

Jetzt gebe es einen barrierefreien Zugang, einen Eltern-Kind-Raum direkt in der Kirche und eine neue Ausstellung, die schlicht und zurückhaltend in ihrer Gestaltung sei.

Dank neuer Farbgebung und zusätzlichem Licht wirke der Kircheninnenraum jetzt offener, heller und freundlicher, und Engel, vergoldete Wandlampen und Kunstwerke kämen besser zur Geltung. "Es ist gut, die Kirche wieder zurückzugeben an die Gemeinde und zu wissen, dass sie gerüstet ist für die nächsten Jahrzehnte", bekräftigte Jarcke, der sich bei allen am Bau beteiligten für das Vertrauen bedankte.

Kaffee und Festschrift zum Mitnehmen

Dank sagte auch Dekan Trick – für eine gelungene Renovierung, für eine Beleuchtung, dank der man jetzt bei Abendgottesdiensten die Texte besser lesen kann, für die in den Boden eingelegten Digitalschleifen für ein besseres Hören mit Hörgerät, die zwei Beamer, mit denen Liedtexte nun an die Wand projiziert werden können und für den Eltern-Kind-Raum. Denn Jung und Alt gehörten in der Kirchengemeinde zusammen, betonte Trick.

Weil coronabedingt auf Festakt und Stehempfang nach dem Einweihungsgottesdienst verzichtet wurde, lagen am Ausgang Kaffee-Päckchen und eine Festschrift zum Mitnehmen bereit. Bei einer Tasse Kaffee könnten Grußworte und Beiträge zu Baugeschichte und Sanierung der Stadtkirche dann zuhause in Ruhe gelesen werden, so Trick.

Und damit die Gottesdienstbesucher künftig trockenen Fusses nach Hause gelangen, stellte der Dekan gleich den neuen Schirm mit Motiv der Stadtkirche vor, den es nach dem Festgottesdienst in verschiedenen Farben auf dem Kirchplatz zu kaufen gab. Der Erlös und die Kollekte fließen in die Renovierung der Stadtkirche.

Nach dem Einweihungsgottesdienst am Sonntag werden in der Freudenstädter Stadtkirche wieder Gottesdienste und andere Veranstaltungen abgehalten. Ab kommenden Samstag gibt es ein neues Angebot. Jede Woche möchte die evangelische Kirchengemeinde die Besucher während des Samstagsmarkts mit einem wechselnden Musikangebot erfreuen. Den Auftakt am 19. Juni macht Kirchenmusikdirektor Jörg M. Sander mit Orgelmusik.

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