Juandalynn R. Abernathy nimmt demnächst ihr zweites Buchprojekt in Angriff. Foto: Barbara Szymanski

Juandalynn R. Abernathy ist Sopranistin, Chorleiterin, Gesangslehrerin und nun auch Kinderbuchautorin. Der Titel ihres Buchs „Sing, Juandalynn, sing!“ umschreibt ihr gesamtes musikalisches Leben.

Die Abkürzung VHS für Volkshochschule lässt sich auch so übersetzen: Voices Hearts & Souls. Diesen erfolgreichen Gospelchor, an der VHS Balingen entstanden, hat Juandalynn R. Abernathy vor 25 Jahren gegründet.

 

„Da war das Eis endgültig gebrochen. Ich bin in Balingen angekommen und angenommen worden“, erinnert sich Juandalynn R. Abernathy. Sie ist im Süden der USA aufgewachsen, Sopranistin, Chorleiterin, Gesangslehrerin und nun auch Kinderbuchautorin.

Ihr Buch „Sing, Juandalynn, sing!“ wurde erst kürzlich in der Balinger Zehntscheuer vorgestellt. Darin geht es um Musik – und ihr Leben.

Appell gegen Ausgrenzung

Das Buch, in unprätentiöse Illustrationen gebettet, stellt vor allem einen Appell dar, gegen Ausgrenzung und Rassismus. Beides hat Juandalynn R. Abernathy in den USA hautnah erlebt.

Aber auch den Mut ihres Vaters, ein Pastor, der sich mit seinem Freund, dem Bürgerrechtler Martin Luther King, auf den Marsch nach Washington und zu dessen legendärer Rede „I had a dream“ auf den Weg machte.

Stipendium am Goethe-Institut in Grafing

Doch auch in Deutschland wurde die weit gereiste Sopranistin mit der voluminösen Bruststimme noch in den 1980er-Jahren angefeindet und angestarrt. Dabei war sie wegen eines Stipendiums des Goethe-Instituts in Grafing bei München nach Deutschland gekommen, nachdem sie in Boston bereits den Master of Music mit Auszeichnung erlangt hatte.

Durch dieses Stipendium konnte sie ihre musikalische Ausbildung in Luxemburg, Zürich und dem italienischen Perugia vertiefen.

Für immer in Europa zu leben, war nicht der Plan

In Europa zu leben, war nicht wirklich ihr Plan. Das änderte sich, als sie in einem Urlaub auf Ibiza ihren Mann kennenlernte, einen Norddeutschen aus Kiel. „Plötzlich war von Heirat die Rede, ich konnte es kaum glauben und habe meine amerikanische Familie um Rat gefragt“, erzählt sie mit dem ihr eigenen umwerfend offenen und strahlenden Lächeln, mit dem sie alle Herzen gewinnt.

Irgendwann kam dann Meßstetten als Wohnort ins Spiel – berufliche Gründe ihres Mannes waren der Grund.

Dabei war sie inzwischen in Konstanz verwurzelt. „Ich hatte einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden, viele Freunde, war schnell überall dort, wo ich auftreten und Konzerte geben konnte“, denkt Juandalynn R. Abernathy zurück. Sie liebte die Stadt, den See, die Offenheit der Menschen.

Eine Bleibe in Albstadt hat das junge Paar nicht gefunden. In Balingen fand das Paar ein Haus zur Miete. Inzwischen lebt es auf Schmiden – mit drei japanischen Hunden und ziemlich vielen Schildkröten. Einen kleinen Garten gibt es dort auch.

Doch der muss warten. Die Sängerin, leidenschaftliche Coachin und Gesangslehrerin hat sich das Bein gebrochen, trägt einen klumpigen Schuh bis zum Knie, gibt aber keinesfalls Ruhe.

Im Kirchengemeinderat vertreten

Und das, obwohl der Arzt ihr dringend geraten hat, im wahrsten Sinne des Wortes etwas kürzer zu treten. Keine Botschaft, die auf fruchtbaren Boden gefallen ist bei dieser temperamentvollen, viel beschäftigten, in die Musik vernarrten Frau.

Irgendwie hat sie es geschafft, als frisch Verletzte eine Chorprobe zu halten oder an der Jugendmusikschule Hechingen zu unterrichten. Auf die Sitzung des Kirchengemeinderats verzichtet sie jedoch, blickt lieber nach vorne: „Ich habe es mir lange überlegt, aber ich kandidiere noch einmal“, sagt die Sängerin, die schon in ganz Europa, in Russland, den USA, in Lateinamerika und Japan auftrat.

Denn der Glaube ist ihr wichtig, stützt sie, erfüllt sie, wie sie sagt.

Kürzertreten kommt vorerst nicht in Frage

Ob sie überhaupt kürzertreten will? Bei dieser Frage schüttelt Juandalynn R. Abernathy energisch den Kopf. Anstatt kürzer zu treten, entwickelt sie weiter Ideen, möchte beispielsweise einen Kinder- und Jugendchor gründen, der moderne Lieder singt: „Ich will die jungen Leute erreichen, sie für die Musik gewinnen“, stellt sie klar.

Als wäre ihr Bildungsangebot in Sachen Musik nicht schon groß genug – in ihrer privaten Gesangsschule, in der sie junge Gesangstalente unterstützt, beim Projekt Schule ohne Rassismus oder für ihr zweites Buch, das sie ab April in Angriff nimmt. Denn über allem steht „Sing, Juandalynn, sing“.