Hinter dem Rasen wartet das Golfheim auf die Vereinsmitglieder, die dort gerne gesellige Abende verbringen. Foto: Golfclub

Der Golfclub Alpirsbach räumt mit Vorurteilen auf. Außerdem: Unter Begriffen wie Handicap, Tee oder Bunker versteht der Normalbürger etwas anderes, als der Golfer. Was bedeuten sie im Sport?

Alpirsbach - "Teurer als die Mitgliedschaft im Fitnessstudio ist Golf auch nicht. Aber Vorurteile haben natürlich einen Hintergrund", sagt Vereins-Präsident Albrecht Hettich. "Früher wollten die Golfer unter sich bleiben. Und in manchen Clubs ist das heute noch so." Richtung Schweiz gebe es Clubs, bei denen die Aufnahmegebühr bei 20.000 Euro liege.

Beim Golfclub in Alpirsbach dagegen, "geht es um den Sport und nicht darum, mit welchem Auto man zum Platz fährt", betont Vize-Präsidentin Saskia Weegels. Der Großteil der Mitglieder seien "ganz normale Leute aus der Mittelschicht", die den Golf oder auch die geselligen Bar-Abende im Verein genießen. Der "harte Kern" sehe den Verein als zweite Familie.

Während Corona sogar Mitglieder gewonnen

Golf sei ein Sport für alle, so Hettich. Die Verletzungsgefahr sei gering. Wie man sich auf dem Platz bewegt, ohne einen Ball abzubekommen, lernen die Golfer auf dem Weg zur Platzreifeprüfung. Man könne dem Hobby allein oder zusammen nachgehen. Und man könne den Sport bis ins hohe Alter hinein betreiben. Das älteste Clubmitglied sei 85, und vergangenes Jahr habe ein 75-Jähriger die Clubmeisterschaft gewonnen.

Ein Vorteil in der Corona-Zeit: Abstand halten ist gut möglich. "Niemand ist abgesprungen und wir haben sogar einige junge Leute dazu bekommen", so Weegels. Viele Mannschaftssportler, die ihrem Hobby nicht nachgehen konnten, haben beim Golfclub geschnuppert. "Und wer einmal dabei ist, bleibt in der Regel."

Das Problem sei nur, die Menschen erst einmal so weit zu kriegen. "Niemand kommt einfach so auf den Golfplatz und will Mitglied werden, wenn er davor noch keinen Kontakt zum Golfsport hatte", erklärt Weegels. Denn niemand könne sich vorstellen, dass ihm Golf Spaß mache. Das habe sie ganz am Anfang auch nicht gedacht. Und inzwischen drehe sich ihre ganze Freizeit um Golf. Sogar die Urlaube planen sie und ihr Mann um ihr gemeinsames Hobby herum.

300 Mitglieder

Die Leidenschaft für den Sport teilt der ganze sechsköpfige Vorstand. Die Altersspanne liegt bei diesem zwischen 30 und 60. Und sie alle seien Arbeitstiere. Der Verein hat aktuell 300 Mitglieder aus dem Einzugsgebiet Alpirsbach, Dornhan, Fluorn, Oberndorf und Loßburg. Wären es insgesamt 50 mehr, ließen sich die Aufgaben einfacher bewältigen. "Wir haben durch den Platz einen sehr großen Arbeits- und Pflegeaufwand", sagen die beiden. Man komme über die Runden, weil alle etliche ehrenamtliche Stunden und viel Herzblut investieren.

"Golf ist wie ein Virus", meint Hettich. "Wer einmal angefangen hat, kommt irgendwann darauf zurück." Vor allem mit dem fortschreitenden Alter, wenn Fußball zum Beispiel keine Option mehr sei. "Und dann macht man irgendwann nichts anderes mehr", beschreibt er seine eigene Erfahrung. Ob es dann nicht irgendwann langweilig werde? "Aber nein", rufen beide unisono.

"Die Löcher verändern sich nicht. Und trotzdem ist keine Runde wie die andere", sagt Hettich. "Es kommt darauf an, welchen Schläger man benutzt, wie groß die Entfernung zum Loch ist und sogar auf die Außentemperatur." Und es gehe noch weiter: "Da lachen mich viele aus, aber es kommt auch auf Wind und Luftfeuchtigkeit an."

Das in Summe könne die Flugweite des Balls um 20 Meter verändern. Es gebe Laser-Messgeräte, die den Abstand zum Ziel genau anzeigen können. Ein guter Golfer könne die Umwelteinflüsse so einkalkulieren, dass er den Ball auf fünf Meter genau schlagen könne.

Spielabend mit Preis, Dirndln und Lederhosen

Dem Vorstand werde auch aus anderen Gründen nicht langweilig. Man könne sich immer überlegen, wie man den Platz umgestalte und welche Veranstaltungen man plane. "Wenn man den Aufwand betrachtet, sind wir kein Verein, sondern ein Unternehmen", fasst Hettich es zusammen. "Aber das macht es auch spannend." ­

Dass dem Club das Vereinsleben wichtig ist, zeigt eine Veranstaltung am 23. Oktober. Der Saisonabschluss wird mit einem Spaß-Turnier mit dem Preis der Stadt Alpirsbach und einem bayerischen Abend gefeiert. "Die Besucher können in Dirndln und Lederhosen kommen", verrät Hettich. Und beim Turnier im Spielmodus "Chapman Vierer" wird zu zweit gespielt. Jeder der beiden Spieler setzt einen Schlag. Nach jedem Schlag werden die Bälle getauscht, sodass ein Spieler immer den Ball des anderen weiter spielt. "Besonders wenn Ehepaare zusammen spielen, wird es lustig", stellt Weegels in Aussicht. "Da geht es manchmal etwas ruppig zu, wenn einer nicht gut trifft", verrät sie und lacht. Es gehe ja auch um die Gaudi.

Info: Begriffserklärungen

Tee: Dieses Wort bezeichnet nicht etwas ein Heißgetränk nach dem gelungenen Spiel. Es hat zwei andere Bedeutungen: Zunächst ist eine leicht erhöhte Rasenfläche gemeint, von der aus zum Spielbeginn der erste Abschlag gemacht wird. Gleichzeitig ist der Tee der kleine Stift, auf den man den Ball für den Abschlag legt.

 Grün: Es ist, wie der Name vermuten lässt, wirklich grün. Grün bezeichnet eine besonders hergerichtete Fläche im Rasen, in die das Loch an wechselnden Stellen gesetzt wird.

Holz: Schläger ist nicht gleich Schläger. Im Golf gibt es viele verschiedene, sogar einen speziell für das Einlochen des Balls auf dem Grün. Er heißt Putter. Das Wort Holz bezeichnet einen Schläger mit größerem Schlagkopf, den man speziell für die weiten Schläge benutzt.

 Bunker: Nanu, suchen in den Bunkern etwa die Zuschauer Deckung, wenn ein ungeübter Spieler zum Schlag ansetzt? Aber nein. Bunker bezeichnet lediglich ein künstlich angelegtes Sandhindernis auf dem Golfplatz.

 Dimple: Wer hat sich schon einmal gefragt, wozu die kleinen Einkerbungen im Golfball da sind? Die sogenannten Dimple sind nicht nur dekorativ, ihre Form und Anordnung beeinflussen entscheidend die aerodynamischen Eigenschaften des Balls.

Handicap: Ist im allgemeinen Sprachgebrauch eher negativ belastet. Im Golf bestimmt das Handicap jedoch, wie viele Schläge ein Spieler – entsprechend seiner Fähigkeiten – an "Vorsprung" gegenüber dem geübteren Mitspieler bekommt. Es dient der besseren Vergleichbarkeit der Leistung.