Er hat es geschafft: Kunstradfahrer Philipp-Thies Rapp vom RSV Tailfingen krönt sich in Göppingen zum Weltmeister. Im Finale erreicht er 202,70 Punkte und schwächelt nur am Ende.
Der neue Weltmeister im Kunstrad 1er der Herren kommt vom RSV Tailfingen: Bei den Titelkämpfen in der Göppinger EWS-Arena krönte sich Philipp-Thies Rapp und stand auf dem Siegertreppchen ganz oben.
Der Schützling von Dieter Maute galt im Vorfeld als Favorit und wurde dieser Rolle am Samstagabend auch gerecht: 212,60 Punkte hatte er aufgestellt und fuhr sein Programm bis 30 Sekunden vor dem Ende sehr sauber durch – dann gab es aber doch noch einen Schreckmoment.
Beim Übergang zum Lenkersitzstandsteiger musste er kurz absteigen. „Ich dachte mir dann einfach, schnell wieder hoch und fertig fahren. Bis dahin hat es sich mega angefühlt. Es kam ein kurzer Gedanke, dass ich jetzt noch die letzten Übungen durchziehen muss, ich wusste ja um meine Punktzahl“, so Rapp im Gespräch mit unserer Redaktion.
So gab es ein paar Abzüge, mit 202,70 Punkte war er am Ende trotzdem der souveräne Sieger. Auf die Frage, ob dies nun der schönste Tag seiner Sportkarriere gewesen sei, antwortete er mit einem verschmitzten: „Ja“. Anschließend ging er ins Detail: „Das ist immer schwierig zu sagen. Es war auf jeden Fall ein sehr schöner Tag. Vielleicht habe ich mich damals bei meiner ersten Deutschen Schülermeisterschaft noch mehr gefreut, aber es war wirklich gut heute.“
Erstmals seit 2003 und dem Triumph von Martin Rominger steht damit wieder ein Fahrer des RSV Tailfingen ganz oben. Und passenderweise gelingt dies 30 Jahre nach dem letzten Triumph von Bundestrainer Maute, der damals im französischen Épinal siegte. Entsprechend stolz war Maute auf seinen Schützling: „Er hat das toll gemacht. Die Entwicklung über diese Wettkampfsaison war wirklich stark. Er hat sich gut auf seine Favoritenrolle eingestellt.“
Als den emotionalsten Moment des Abends empfand der Weltmeister nicht die Nationalhymne oder Ähnliches, sondern seinen Absteiger. Schmunzelnd erwähnte er: „Da dachte ich mir, oh sch... Bis dahin ist es aber gut gelaufen und ich wusste ja auch, was die Konkurrenz zuvor ausgefahren ist.“
Auch Platz zwei an Deutschland
Los ging das Finale indes mit dem Ungarn Csaba Varga. Er hatte 177,80 Punkte aufgestellt und erreichte ein Ergebnis von 168,78 Punkten, was zugleich eine neue Persönliche Bestleistung für ihn war. Yat Nam Chan aus Hongkong folgte und wusste, dass von seinen 184,90 aufgestellten Punkten nicht all zu viel schiefgehen durfte. Doch so kam es, mit 163,90 Punkten reihte er sich auf dem 4. Platz ein.
Linus Weber, zweiter deutscher Finalist, startete erfolgreich mit dem „Mautesprung“. Über 202 Punkte hatte sein aufgestelltes Programm, 192,32 Punkte standen am Ende zu Buche. Dies reichte im Endklassement für Silber. Bereits am Freitagabend war Rapp in der Qualifikation gefordert: Als der Tailfinger seine freie Stützwaage zum Besten gab, ging bereits ein Raunen durch die Halle. Er selbst beschrieb seine Performance – es waren 206,23 Punkte – als „zurückhaltend“. Bundestrainer Maute sprach von „einer idealen Vorrunde“.