Mailand, São Paulo, Paris: Goldschmiedin Christine Faulhaber präsentiert ihre Werke auf der ganzen Welt.
Auch nach vielen Jahren in ihrem Beruf hat Christine Faulhaber noch ein Funkeln in ihren Augen, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Die Goldschmiedin hat nach ihrem Meisterbrief zunächst Reparaturen und Umarbeitungen für verschiedene Juweliere in der Region erledigt.
Zum 1. Januar 2000 ließ sich Faulhaber in die Handwerksrolle eintragen und legte damit den Grundstein für ihre Selbstständigkeit. Mit dem Bezug ihres neuen Hauses in Wittendorf eröffnete sie im Juli 2000 dort auch ihr Atelier. Nun kann sie in diesem Sommer ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.
Als Sohn Marc ein bisschen älter war, schaffte sich Faulhaber ein zweites Standbein, in dem sie für Privatkunden Auftragsarbeiten anfertigt. Dass sie damit einmal international bekannt werden würde, damit hat sie allerdings nicht gerechnet. Und zu verdanken hat sie diesen Zufall ausgerechnet der Corona-Pandemie.
Fotos von Schmuckstücken auf Instagram
„Während dieser Zeit war auch mein Geschäft geschlossen, wir waren ja nicht systemrelevant“, erzählt Faulhaber im Gespräch mit unserer Redaktion. Sohn Marc verbrachte seine Kurzarbeit ebenfalls zuhause und hatte die Idee, die Schmuckstücke seiner Mutter zu fotografieren und auf der Social-Media-Plattform Instagram zu posten. Dadurch wurden die Veranstalter der Mailänder Schmuckmesse, der „Milano Jewelry Week“, auf sie aufmerksam und kontaktierten Faulhaber.
Im Oktober 2022 sollte sie dort erstmals ihre Schmuckstücke präsentieren. Mit der Messe verbunden ist der Wettbewerb „Artistar Jewels“. Und gleich bei ihrer ersten Teilnahme daran gewann Faulhaber einen der begehrtesten Preise in der Branche überhaupt, den „Technic Award“ für das handwerklich beste Schmuckstück. „Das war ein Türöffner für weitere Teilnahmen an Messen und Ausstellungen“, berichtet die Goldschmiedin.
Platin, Rotgold, Opale, Perlen, Brillanten
Für die Messe in Mailand im Herbst 2024 fertigte Faulhaber nach eigenem Entwurf ein Collier mit dem Titel „Spirit of Life“ und dazu passendem Ohrgehänge im Art-déco-Stil an, aber mit neuen Handwerkstechniken.
Das Collier ist in symmetrischen Strukturen gearbeitet, es wurden bevorzugt Materialien aus dieser Zeit verwendet, den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts: Platin, Rotgold, Opale, Perlen, Brillanten. „Es gab damals noch kein Weißgold, diese Legierung wurde erst 1927 in Pforzheim erfunden, das Patent dafür dann erst einige Jahre später freigegeben“, erklärt sie.
Der verwendete Opal ändert dabei je nach Lichteinfall seine Farbe und erscheint in Nuancen von Rosa oder Grün, mal eher sanft, dann wieder kräftig. Nach weiteren Preisen in Mailand folgten Ausstellungen in Budapest und Paris. Für 2025 stehen Madrid, Stockholm und São Paulo auf dem Programm.
Nachwuchsprobleme in Handwerksberufen
Diese internationale Anerkennung freut Christine Faulhaber. Aber sie betont auch: „Für mich ist es immer noch sehr schön, wenn mir jemand ein altes Schmuckstück zur Reparatur anvertraut.“ Da kann sie ihre Kreativität einbringen und mit ihren Kunden besprechen, was sie in diesem Schmuck für Möglichkeiten sieht. Soll das Erbstück möglichst unverändert erhalten bleiben, sollen die Steine aufgearbeitet werden oder das verwendete Edelmetall die Farbe ändern? Oder sollen womöglich die Einzelbestandteile zu einem komplett neuen Schmuckstück umgearbeitet werden? Die Königsdisziplin, der Entwurf von hochwertigen und nachhaltigen Unikaten, liegt Faulhaber besonders am Herzen.
„Auch wir Goldschmiede werden immer weniger, es gibt wie in vielen anderen Handwerksberufen ein Nachwuchsproblem“, beschreibt sie die Entwicklung – auch im Kreis Freudenstadt.