Die Eheleute Meboldt sitzen an ihrem Lieblingsplatz auf der Bank am Brunnen. „Prinz“ leistet ihnen Gesellschaft – und der Schwarzwälder Bote, der auf der Bresteneckermühle seit 1855 morgendliche Pflichtlektüre ist. Foto: Wolf-Ulrich

Das schafft nicht jeder: Waltraud und Wilhelm Meboldt feiern auf den Tag genau ihre Goldene Hochzeit in Leidringen.

Zwischen Leidringen und Täbingen, malerisch direkt an der Schlichem gelegen, steht die Bresteneckermühle. Dort leben Waltraud und Wilhelm Meboldt, die am heutigen Samstag, 4. Mai, ihre Goldene Hochzeit feiern.

 

Waltraud ist 73 Jahre alt, Wilhelm zwei Jahre älter. „Kennengelernt haben wir uns beim Volkstanz“, erinnern sie sich: Waltraud war in der Trachtengruppe Sulz, Wilhelm in der Leidringer. Bei einer gemeinsamen Tanzprobe der beiden Vereine 1968 in der Balinger Eberthalle sind sie sich zum ersten Mal begegnet.

Ein Paar geworden sind sie jedoch erst später: „Die offizielle Liebe kam erst 1972“, berichten sie und schmunzeln. Bei einer Tanzveranstaltung in Empfingen habe es schließlich gefunkt. Am 22. April 1973, Wilhelms Geburtstag, verlobten sie sich, ein Jahr später war dann die Hochzeit.

Selber Wochentag, selbes Datum, selbe Uhrzeit, selber Ort

Geheiratet haben sie vor genau 50 Jahren zur gleichen Uhrzeit und am selben Ort wie jetzt die Goldhochzeit gefeiert wird: Samstag, 4. April, 1974 in der Peterskirche: „Das schafft nicht jeder“, sagen sie stolz. Selbst Pfarrer Klaus Vogt, der sie damals traute, wird beim Festgottesdienst dabei sein.

Auf Hochzeitsreise konnten sie damals aber nicht: Nach der Trauung musste die Sägemühle umgebaut werden: „Da haben wir keine Zeit gehabt“, sagt Waltraud Meboldt. Diese Reise soll nach der Feier der Goldenen Hochzeit nun endlich nachgeholt werden.

"Sie ist sehr vielseitig", lobt der Ehemann

Waltraud Meboldt, geborene Schuklies, lernte Friseurin, bevor sie auf dem Hof ihres Manns mitarbeitete. Nach der Geburt der ersten Tochter packte sie nicht nur im Büro, sondern auch beim Schärfen der Sägeblätter an und lernte das Kühemelken. „Sie ist sehr vielseitig“, drückt ihr Mann Respekt für seine Frau aus.

Er selbst hatte auf dem elterlichen Hof Landwirt gelernt. Als sein Vater Johann-Georg früh starb, übernahm er bereits mit 19 Jahren die Leitung der Bresteneckermühle.

Waltraud Meboldt hat 19 Jahre lang, von 1997 bis 2016, das Leidringer Gasthaus Sonne betrieben. Denn nachdem 1991 die Sägemühle abbrannte und ein Wiederaufbau nicht wirtschaftlich gewesen wäre, schuf sie als Chefin und Köchin ein zweites Standbein für die Familie.

Drei Kinder hat das Paar: Brigitte (49), Silke (48) und Hans-Georg (38). Ihr Sohn hat 2017 den landwirtschaftlichen Betrieb mit Mutterkuhhaltung übernommen.

Volkstanz und Singen als gemeinsame Hobbys

Der Volkstanzen hat sie einst zusammengebracht und war ein gemeinsames Hobby. Außerdem singen beide im Chor . Die Vereine waren neben Wanderungen in den Berge und Thermalbaden Ausgleich für die beruflichen Herausforderungen.

Was sie daneben verbindet und Grundlage ihrer langen Ehe ist? „Jeder muss den anderen respektieren und Verständnis haben“, sind sie sich einig. Klar gebe es auch Meinungsverschiedenheiten in der Familie, aber die müsse man gemeinsam aushalten.

Wilhelm Meboldt ist in zahlreichen Vereinen bis heute ehrenamtlich engagiert: Er war unter anderem 21 Jahre lang Vorsitzender der Trachtengruppe, ist seit 38 Jahren in Vorstandsämtern des Trachtengaus Schwarzwald und derzeit stellvertretender Vorsitzender des Leidringer Liederkranzes.

Seit 1855 liest die Familie den Schwarzwälder Boten

Ein Sportstudio brauchen die Eheleute nicht: Sie helfen auch mit Mitte 70 weiter dem Sohn auf dem Hof. Das halte sie in Bewegung und fit. „Ich will 100 werden“, sagt der Goldjubilar Wilhelm Meboldt daher zuversichtlich.

Dass er in langen Zeiträumen denkt, ist kein Wunder: Seit 1855 ist die im 17. Jahrhundert gebaute Bresteneckermühle in Familienbesitz. So lange lese man dort auch schon den Schwarzwälder Boten, ist der Hausherr überzeugt. Sein Großvater Johann-Georg sei ein fleißiger Leserbriefschreiber gewesen.