Im Sommer 1973 lernten sich Ljubov Gorochovska und Ivan Gorochovskij im ukrainischen Dorf Wischnewez kennen. Die Liebe war groß. Noch am 17. November heirateten sie am selben Ort. Fünf Jahrzehnte später blicken sie auf 50 Ehejahre zurück.
Dass Krieg eine unsagbare Tragödie ist, kommt in der Lebensgeschichte des Ehepaars zum Ausdruck. Ivan Gorochovskij wurde im Dorf Kochanivka im Gebiet Ternopol in der Ukraine geboren. Seine spätere Ehefrau wuchs in Ljubor nahe Kemerovo in Sibirien auf. Die beiden lernten sich in der ukrainischen Siedlung Wischnewez kennen. Dort war Gorochovskij als Elektriker tätig, seine Ehefrau arbeitete als Verkäuferin. Folgend eröffnete Ljubov Gorochovska ein Café, das sie zehn Jahre mit viel Herzblut leitete.
Nur per Telefon Kontakt zur Familie
Die Ehe hat zwei Söhne hervorgebracht. Fünf Enkel und ein Urenkel erfreuen das Herz ihrer Großeltern. Der Kontakt zu ihnen ist nur per Telefon möglich. Beide Söhne sind in der Region Cherson angesehene Pfarrer und engagieren sich in der humanitären Hilfe. Trotz aller Gefahren und vielfachem Beschuss bleiben sie in dem von der ukrainischen Armee befreiten Gebiet.
Die Eheleute lebten auf der gegenüberliegenden, russischen Seite des Dnipro, wo sie ein Haus mit großem Garten hatten. Zur Selbstversorgung hielten sie bis zu 29 Schweine und hatten eine Kuh und ein Kalb, neben vielen Enten und Gänsen. Ljubov Gorochovska hatte dabei viel Arbeit zu verrichten, da ihr Mann im 40. Lebensjahr bleibend schwer erkrankte. Seit nunmehr 34 Jahren pflegt sie ihn mit viel Hingabe.
Trotz des Krieges gegen die Ukraine wollte das Paar die Heimat nicht verlassen. Immer größere Kriegshandlungen und tagelanger Beschuss zwangen sie zur Flucht. Sie musste nahezu alles zurücklassen. Im Dezember flüchteten sie über Moskau, Lettland, Litauen, und Polen bis nach Berlin. Zwischenzeitlich stand das verlassene Haus durch den Bruch des Kachowka-Staudamms bis zu sieben Meter unter Wasser. Das belegen eindrückliche Bilder, die das Ehepaar von ehemaligen Nachbarn erhielt. Man hofft, dass das Haus durch seine solide Bauweise stehen bleibt.
Wunsch zur Rückkehr in die Heimat
Als Referent von Oberbürgermeister Julian Osswald gratulierte Volker Rath zum Ehejubiläum. Neben einem Glückwunschschreiben des OB hatte er einen Präsentkorb der Stadt dabei.
Ebenfalls vor Ort war eine Dolmetscherin, die als ehrenamtliche Helferin das Paar nach deren kräftezehrender Flucht aus der Ukraine in Freudenstadt in Empfang genommen hatte. Für dreieinhalb Monate nahm sie die Eheleute in ihrer eigenen Wohnung auf. Im März fanden sie eine Wohnung in Freudenstadt – weiterhin mit der festen Hoffnung verbunden, irgendwann in die Heimat zurückkehren zu können.
Laut der Dolmetscherin war das Paar dort eine hoch angesehene Familie. Dazu extrem fleißig und arbeitstüchtig. Eine Enkelin ist zum Stolz ihrer Großeltern in der Ukraine eine bekannte Musikerin. In Deutschland und Freudenstadt fühlt sich das Paar geborgen und sicher. Für die freundliche Aufnahme seien sie dankbar. Der feste Wunsch zur Rückkehr in die Ukraine bleibt jedoch.