So elegant: Tatjana Scheda gewann bei ihrer ersten WM-Teilnahme in Argentinien Gold Foto: privat

Pole-Dance-WM Tatjana Scheda, Betreiberin eines eigenen Studios in Hechingen, ertanzte sich in Buenos Aires die Goldmedaille. ​

Mit dem WM-Titel im Gepäck kehrte Tatjana Scheda von der Pole-Dance-Weltmeisterschaft in Buenos Aires/Argentinien zurück. Mehr geht nicht. Wie groß ist die Freude über ihren goldenen Tanz an der Stange? Groß. Natürlich. Trotzdem sagt sie: „Ich war nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung.“​

 

Am Ende ihrer vierminütigen Performance (in der Disziplin Artistic Pole Professional Masters 40+) sei sie abgerutscht – das hätte nicht passieren müssen. Wobei es dafür durchaus eine Erklärung gibt: Die Wettkampfstätte war nicht klimatisiert, entsprechend warm war es in der Halle. Sei’s drum – die Voraussetzungen waren für alle Athleten gleich. Aber: In ihrem vertrauten Umfeld, in ihrem eigenen Studio in der Hechinger Ermelesstraße, „hätte ich besser performt“, ist Tatjana Scheda überzeugt.

Das soll und darf ihren großen Erfolg nicht schmälern, zumal es ihre erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft war! Erfolgreich waren in Buenos Aires auch die Schwestern Elodie Brauquier und Carine Schnabel – sie holten Bronze in der Kategorie Artistic Pole Professional – Doubles. Damit verbesserten sie sich um einen Platz – bei der Weltmeisterschaft in Uppsala/Schweden im vergangenen Jahr waren sie Vierte geworden.

Ganz kurze Stangenprobe

Tatjana Scheda, die beiden Schwestern und eine weitere deutsche Athletin wohnten für die Dauer ihres Aufenthalts in einer Pension – die Anfahrt zur Wettkampfstätte war lang. Am ersten WM-Tag bestand für die Pole-Tänzerinnen kurz – für sage und schreibe lediglich eine Minute (!) – die Möglichkeit einer Bühnen- beziehungsweise Stangenprobe. Immerhin musste mehreren Hundert Mitbewerberinnen und -bewerbern die Gelegenheit eingeräumt werden, sich mit den Begebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Für Tag eins war auch die Eröffnungszeremonie mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern terminiert.

Die Schwestern Elodie Brauquier und Carine Schnabel holten in Buenos Aires die Bronzemedaille Foto: privat

Schon tags darauf ging es für die drei Hechinger Frauen um alles oder nichts. Und sie lieferten ab! Tatjana Scheda setzte sich mit 65,6 von maximal 80 möglichen Punkten gegen 17 Konkurrentinnen durch, die Zweitplatzierte kam aus Kanada, Platz 3 ging an Japan. Die Schwestern Elodie Brauquier und Carine Schnabel standen mit einem Dutzend konkurrierenden Doubles im Wettkampf.

In den Tagen nach ihrem so erfolgreichen WM-Einsatz besuchten die Pole-Tänzerinnen weitere Wettbewerbe, um andere Topathletinnen und -athleten an der Stange tanzen zu sehen – und um die anderen deutschen Starterinnen, 21 an der Zahl, anzufeuern. Daneben waren die Frauen auch als „ganz normale Touristinnen“ in Buenos Aires unterwegs. Ob ihnen die Stadt gefallen hat? Ja, aber: „So viele Menschen, so viel Lärm, so viele Abgase“ – Tatjana Scheda sagt: „Ich bin gerne zurückgekommen in unsere schöne Heimat.“

Werbung fürs eigene Studio

Ändert der Weltmeistertitel etwas für sie? Ja und nein. „Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es kann.“ Das sei ihr gelungen – und natürlich sei es „schön fürs Studio, den Titel geholt zu haben“. Damit könne schließlich nicht jeder für sich werben. Dennoch lässt Tatjana Scheda zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob sie bei der Weltmeisterschaft im Oktober 2026 in Tschechien erneut antritt. Jetzt wolle sie ihre Goldmedaille erstmal genießen. Und sagen können: „Das jahrelange harte Training, Disziplin und Verzicht haben sich ausgezahlt.“

Apropos: Genossen hat sie, wie euphorisch sie von ihren Schülerinnen im Studio empfangen wurde. Die sie, wie auch Freunde und Verwandte, schon zuvor unterstützt hatten, um die Reise nach Argentinien überhaupt antreten zu können. Denn: (Sport-)Fördergelder gab es keine – leider. Auch ihre Kollegen samt Dezernent – Tatjana Scheda ist Beamtin beim Landkreis Zollernalb – hätten ihr einen herzlichen Empfang bereitet.