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Mehr als 2500 Paare werden bei den German Open Championships auch in Zukunft nicht starten.

Stuttgart - Die German Open Championships (GOC) verwandeln das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle in diesen Tagen wieder in ein kunterbuntes Mekka für Tanzsportliebhaber. Im Eingangsbereich herrscht bereits am ersten Vormittag großer Trubel, Sportler und Zuschauer drängen in die Ausstellungsstände der Tanzsportmesse – und auch auf dem Parkett geht es ab: Im Beethovensaal dringt ein Duftgemisch aus Deo, Schweiß und Bräunungscreme in die Nasen der Besucher, hier kämpfen talentierte Lateintänzer um die Gunst der Jury.

Auch das norwegische Lateinpaar Petter Engan und Kine Marie Mardal ist beim ­Rising-Star-Wettbewerb dabei. In den Pausen staunen die beiden über die Masse an Konkurrenten um sie herum. „Die Teilnahme allein ist schon ein Erlebnis. Es ist unglaublich, was hier los ist“, sagt Engan. Die meisten Tänzer bei den GOC kommen aus Deutschland, Russland, Italien und China, unter den Teilnehmern sind aber auch Tanz-Exoten aus San Marino, Kirgistan und ­Vietnam.

In diesem Jahr starten knapp 2500 Paare – so viele wie nie

Der große Ansturm aus insgesamt 56 ­verschiedenen Ländern ist keine Selbstverständlichkeit. Als die GOC 2004 von Mannheim nach Stuttgart zogen, war längst nicht sicher, wie sie sich entwickeln würden. Doch der Mut zu dieser Entscheidung hat sich gelohnt, die Veranstaltung ist im Lauf der Zeit immer populärer geworden. Bei den Zuschauern – und vor allem bei den Sportlern. In diesem Jahr starten knapp 2500 Paare, das sind so viele wie noch nie – und viel mehr können es auch in Zukunft kaum werden. Das größte Tanzspektakel der Welt stößt ­allmählich an seine Grenzen. „Die Teilnehmer- und Zuschauerzahlen werden sich in den nächsten Jahren stabilisieren“, sagt GOC-Geschäftsführer Wilfried Scheible, „mehr ist in fünf Tagen einfach nicht drin. Sonst müssten wir künftig von morgens um 8 Uhr bis nachts um 2 oder 3 Uhr tanzen – und das macht keinen Sinn.“

Eine Alternative wäre, die Veranstaltung um einen Tag zu verlängern. „Im Moment“, betont Scheible, der auch Präsident des Tanzsportverbands Baden-Württemberg (TBV) ist, „sehen wir dafür aber keine Notwendigkeit.“ Hinter den Kulissen gibt es schon genug zu tun. Arbeits- und Organisationsaufwand sind enorm, 470 ehrenamtliche Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf in der Liederhalle und der Alten Reithalle. Wichtig ist auch die finanzielle Unterstützung. Den Etat von etwas mehr als 800 000 Euro können die Veranstalter – der TSC Astoria Stuttgart, das TSZ Stuttgart-Feuerbach sowie der deutsche und der baden-württembergische Tanzsportverband – nicht alleine stemmen. Die Stadt Stuttgart schießt auch diesmal wieder 75 000 Euro zu. 7500 Euro gibt’s vom Land Baden-Württemberg für die Boogie-Woogie-EM, 5000 Euro von der Sportregion Stuttgart. Für die 2012 erstmals in Stuttgart ausgetragene Jugend-EM im Lateintanzen zahlt die Stadt weitere 3000 Euro, das Land 2500 Euro. „Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein entscheidender“, erklärt Scheible, „ohne die Zuschüsse würde es die GOC nicht ­geben.“ Die Gelder aus den Eintrittskarten und Sponsoreneinnahmen sind zwar mehr geworden, reichen jedoch nach wie vor nicht aus, dass sich die Veranstaltung selbst ­finanzieren kann.

Immerhin, das räumt Harry Körner ein, ist es durch die positive Entwicklung der GOC in den vergangenen Jahren leichter geworden, neue Sponsoren zu finden. „Die German Open Championships sind zu einem Produkt geworden, das sich unheimlich gut verkaufen lässt“, sagt der GOC-Manager, „ich glaube, wir brauchen mit Blick auf die Zukunft keine Bauchschmerzen haben.“ Die Veranstaltung ist für die nächsten drei Jahre jedenfalls bereits terminiert.