Ein harmonisches Bild: Pferd, Pony und Hunde können sich auf dem Gelände in 24-Höfe frei bewegen. Foto: Sonja Störzer

Misshandelt, ausgebeutet, ungewollt: Auf dem Gnadenhof Seesterne in 24-Höfe leben Tiere, die selbst keine Lobby haben. Menschliche Abgründe kommen ans Licht, wenn Andrea Wagner von ihrer Arbeit erzählt.

Tiere, die nicht mal der Tierschutzbund nehmen wollte, haben auf Andrea Wagners weitläufigem Grundstück in 24-Höfe ein Zuhause bis an ihr Lebensende gefunden. Auf ihrem Gnadenhof leben derzeit Hunde, Schweine, Pfauen, Pferd und Pony. Unzählige Katzen streunen in der Gegend umher. Auch Anfragen für die Aufnahme von Bisons und Kamelen hat Wagner schon erhalten.

 

Pumuckl, das 40 Jahre alte Pony, läuft frei auf dem Hof umher, schaut neugierig, ob die belegten Brötchen, die auf dem Tisch im Garten liegen, für ihn bestimmt sind. Das Tier hat nur noch ein Ohr. Sein Rücken ist durchgesessen von den Erwachsenen, die auf ihm geritten sind. Pumuckl war ein Zirkustier.

„Mit ihm hat alles angefangen“, erzählt Wagner. Bei Sturm und Hagel sei sie an einen umgekippten Pferdehänger rangefahren. „Das Pony stand daneben“, erinnert sich Wagner. „Das war 1995.“ Der Fahrer sei sturzbetrunken gewesen. Die tierliebe Frau konnte das nicht mitansehen, entschied sich schließlich für die Rettung des Tiers und damit für einen ganz anderen Lebensweg.

2011 in einen gemeinnützigen Verein überführt

Von Stuttgart zog sie nach 24-Höfe, um Tiere zu pflegen, die sonst keiner mehr haben will. Was 2000 begann, wurde 2011 in einen gemeinnützigen Verein überführt.

„Wenn ich irgendwo leidende Tiere sehe, dann muss ich helfen.“ Erst kürzlich, erzählt sie, habe sie einen Bussard befreit, der sich in einem Netz verfangen hatte. Auch verletzte Katzen habe sie schon unzählige zum Tierarzt gebracht – „leider immer mit wenig Erfolg. Die meisten mussten eingeschläfert werden.“ Die ausgedienten Rollstühle für Hunde stapeln sich in ihrer Wohnung.

Besucher werden neugierig begrüßt. Foto: Sonja Störzer

„Tiere geben mir mehr wie Menschen“, erklärt Wagner. Wie grausam Menschen sein können, habe sie schon zu oft erlebt. Einen Hund beispielsweise habe sie aus Sizilien aufgenommen. Als sich beim Tierarzt herausstellte, dass das Tier zahlreiche Schrotkugeln im Körper hatte und er sich einnässte, als er dem ermittelten Besitzer, einem Jäger, zurückgebracht werden sollte, nahm sie den Hund kurzerhand auf.

Tiere als Familienmitglieder

Auch von Menschen, denen Wagner sagt, dass sie mittlerweile keine Tiere mehr aufnehmen kann, schlage ihr Verhalten entgegen, das sie kopfschüttelnd zurücklässt. Enten seien von einer wütenden Besitzerin schon über das Tor ihres Hofs geschmissen worden. „Ich muss aufhören, Tiere aufzunehmen. Ich bin nicht Mutter Teresa. Mit jedem Tod wird man kaputter“, sagt sie mit feuchten Augen. Es seien halt doch auch Familienmitglieder.

Zwei Schweine leben aktuell auf dem Gnadenhof. Foto: Sonja Störzer

Anfragen bekommt sie dennoch täglich – auch aus Hamburg oder dem Ausland. „Gnadenhöfe“, sagt sie, „sind selten geworden.“ Und die, die es noch gibt, seien überfüllt. Nicht nur Privatpersonen kontaktieren Wagner, sondern auch Tierheime und Veterinärämter.

Das meiste aus eigener Tasche finanziert

Es sei nicht einfach für sie, die medizinische Behandlung und das Futter von so vielen kranken, alten Tieren zu finanzieren. Menschen, die Tiere abgeben, die sie nicht mehr wollen – teilweise auch von verstorbenen Angehörigen –, haben ihr schon allzu oft finanzielle Unterstützung versprochen. Letztendlich sei von den meisten nie Geld gekommen. Und so zahle Wagner eben das meiste aus eigener Tasche.

Weitere Informationen gibt es online unter https://gnadenhof-seesterne.de/