Viele Hunde verkriechen sich an Silvester. Foto: izzzy71 - stock.adobe.com

Feuerwerk und Donnerschläge – für Haus- und Wildtiere ist Silvester die Hölle. Barbara Münchau merkt das auf ihrem Gnadenhof Hochdorf besonders. Und es wird schlimmer.

Die Tiere, die auf dem Gnadenhof von Barbara Münchau in Nagold-Hochdorf untergekommen sind, haben ohnehin schon schwierige Zeiten hinter sich. Sind ohnehin im Stress. Seien es Esel, Kamele oder Igel.

 

Und jetzt kommt auch noch Silvester mit Feuerwerk und Böllern. Eine Zeit, die man auf dem Gnadenhof überhaupt nicht mag. „Wir haben hier Angst vor Silvester“, sagt die erste Zootierärztin und erste Zoodirektorin im deutschsprachigen Raum.

Barbara Münchau betreibt mit ihrem Mann Klaus Kohm den Gnadenhof. Foto: Rahmann

Die Erfahrungen, die sie an Silvester mit ihren Tieren gemacht hat, sind heftig. Esel, die durch die Böllerei massiven Durchfall bekommen, Igel, die trotz Dreifachverglasung in der Unterkunft rund um Silvester 100 Gramm Gewicht verlieren, oder Tiere, die aus lauter Panik gegen Wände rennen – Barbara Münchau kann viele solcher Silvester-Geschichten erzählen. Auch von Winterschlaftieren, die aus ihrem Winterschlaf gerissen werden.

Böller werden sogar in die Gehege geworfen

Und sie muss feststellen: Die Böllerei ist nicht nur unberechenbar, sie wird auch immer schlimmer. „Das hat sich extrem gesteigert.“ Inzwischen werfen Jugendliche Böller und Knaller in die Gehege des Gnadenhofs. Es werden auch lauteste Böller direkt an der Umzäunung des Hofs in die Luft gejagt. Schon am ersten Tag des Verkaufs von Feuerwerkskörpern habe es gegen 10.45 Uhr mit der Knallerei rund um den Hof angefangen. Entsprechende Aufrufe im Mitteilungsblatt, das Böllern am Hof doch zu unterlassen, verhallten ungehört.

Münchaus Igel haben in der Silvesterzeit bis zu 100 Gramm Gewicht verloren Foto: Münchau

Die Tierärztin, weiß natürlich, dass nicht nur ihre Tiere auf dem Hof leiden, auch für die vielen Haustiere ist die Zeit um Silvester eine Leidenszeit. „Viele Tiere sind einfach Fluchttiere. Wenn sie sich durch die Böller erschrecken, geraten sie in Panik und der Fluchtreflex setzt ein“, berichtet sie. Sie rennen teilweise so weit, dass sie in manchen Fällen nicht mehr wiedergefunden werden. „Die Tiere rennen buchstäblich um ihr Leben“, so Münchau.

Tiere in der Silvesternacht nicht alleine lassen

Ein paar Tipps für Tierbesitzer hat die Tierärztin für diese Zeit natürlich in petto – gerade für Besitzer von Hunden oder Katzen. Hunde sollten in dieser Silvester-Zeit, auch wenn sie sonst sehr gut folgen, beim Gassigehen immer an der Leine geführt werden.

Münchaus gestresste Tiere werden in der Silvesterzeit im Hofbereich gehalten. Foto: Münchau

Ansonsten sollten die Hunde so schalldicht wie möglich untergebracht sein. Katzen sollte man daheim im Haus oder in der Wohnung lassen. Das gelte auch für Freigänger. Und man sollte die Tiere besonders in der Silvesternacht nicht alleine lassen. Und auch mit ihnen sprechen. Von Beruhigungsmitteln, die es für Tiere gebe, ist Barbara Münchau „nicht begeistert“, es sei denn, sie sind pflanzlicher Natur.

„Böllerverbot lässt sich nicht durchsetzen“

Natürlich gebe es auch Dinge wie Ohrschützer für Tiere, schallgedämpfte Räume wie in Flughäfen oder Flughafen-Hotels, oder die Möglichkeit, in eine böllerfreie Gegend zu reisen, „aber das kann sich leider nicht jeder leisten“, weiß Münchau. Trotz aller möglichen Maßnahmen ist sie überzeugt, dass man „nur das Schlimmste abwenden“ könne.

Ein Böllerverbot wäre zwar in ihrem Sinne, aber die Tierärztin weiß inzwischen, „dass sich das nicht durchsetzen lässt“. Sie ruft dazu auf, doch andere Formen des Feierns zu finden, die Tiere nicht so in Mitleidenschaft ziehen – etwa Lasershows oder auch zentrale Feuerwerksveranstaltungen von und mit Profis.