Herta und Tobias Dold sind an diesem Dienstag seit 70 Jahren verheiratet, feiern also die seltene Gnadenhochzeit. Foto: Birgit Heinig

Das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern an diesem Dienstag Tobias und Herta Dold aus Schwenningen.

Das Paar ist seit sage und schreibe 70 Jahren miteinander verheiratet.

 

Sie war zarte 19, er 21 Jahre alt, als sie sich durch einen gemeinsamen Freund kennen- und lieben lernten. Sie ist gebürtige Trossingerin, er stammt aus Weigheim. Er spielte damals Handball, sie schaute hin und wieder zu oder man traf sich mit der Clique im Wartesaal des Trossinger Bahnhofes.

Herta Dold erinnert sich an ein gemeinsames Silvesterfest, das beide zusammen mit ihren Eltern im „Ratskeller“ verbrachten und sich ein anderer junger Mann um sie bemühte.

Wohnung in Trossingen

Tobias Dold drohte ihm nachdrücklich, die Finger von seiner Freundin zulassen. Und als es an den Heimweg ging, wollten ihn die Eltern seiner Angebeteten aus Sicherheitsgründen nicht alleine nach Hause gehen lassen. „Da hat er zum ersten Mal bei uns übernachtet“. In der Erinnerung daran lachen beide. Schließlich „mussten“ sie heiraten und zogen in zwei Zimmer im Dachgeschoss des elterlichen Hauses in Trossingen ein.

Tragischerweise starb das erste Kind schon nach einem halben Jahr. Ein Sohn und eine Tochter wurden danach gesund geboren und haben ihren Eltern inzwischen neben Schwiegerkindern auch drei Enkelinnen geschenkt. Damit nicht genug, sind Tobias und Herta Dold – sie inzwischen 89, er 91 Jahre alt – auch schon Urgroßeltern, demnächst sogar zweifache.

Nach Schwenningen

1961 zog die Familie nach Schwenningen in eine Betriebswohnung von Uhren-Mauthe. Sie hatte dort Arbeit gefunden und er wechselte von einer Weigheimer Uhrenfabrik ebenfalls zu Mauthe, ging 1976 zur Firma Ismet und folgte seiner Frau schließlich zu Käfer-Messuhren.

Seit 1992 lebt das Jubelpaar in den eigenen vier Wänden in der Sturmbühlstraße mit dem Sohn und einer Enkelin unter einem Dach. „Uns war es nie langweilig“, erzählt Tobias Dold und begründet damit ihr langes Eheleben. Viel gereist sind sie, waren in über 40 Ländern dieser Erde und auf fast allen Kontinenten.

Bei der Narrenzunft

Ein gemeinsames Hobby war das Engagement bei der Narrenzunft Schwenningen seit 1966, wo er als Ratsherr aktiv und davon 20 Jahre „Narrenvatter“ war und sie zu den Ratsfrauen gehörte und beim Sonntagsumzug 30 Jahre lang auf dem Schwan mitfuhr.

Viel gewandert seien sie, erzählen sie weiter, außerdem war sie eine begeisterte Skifahrerin, bezwang mit Freundinnen im Langlauf dreimal die 100 Kilometer von Schonach zum Belchen und schaffte bis 2017 beim FSV 37 Mal das Sportabzeichen.

Rezept für lange Liebe

Er war Handballer, Musiker, Schemenschnitzer und gegenseitig ließ man sich – auch das ihr Rezept für eine lange Liebe – stets Freiräume. Vor ein paar Jahren entging Tobias Dold nur knapp einem Schlaganfall, ist seither gesundheitlich eingeschränkt, wird von seiner Herta aber liebevoll versorgt.

Beide schwören auf ihre jährliche Knoblauchkur im Februar und den Wacholderbeeren, die sie in jedem April schon morgens kauen.

Ein „Riesenfest“ werde es zum Gnadenhochzeitstag nicht geben, gefeiert werde aber mit der ganzen Familie und darauf freuen sich Tobias und Herta Dold.