Noch dieses Jahr wird ein Glyphosat-Verbot in Starzach greifen – dann darf das Mittel auf kommunalen Flächen nicht mehr benutzt werden. (Symbolbild) Foto: © Jennewein Photo – stock.adobe.com

Verbot gilt ab November auf verpachteten kommunalen Flächen. Eine Enthaltung.

Der Starzacher Gemeinderat konnte sich mehrheitlich dazu durchringen, ein Verbot des Einsatzes von Glyphosat und Neonicotinoiden auf verpachteten kommunalen Flächen durchzusetzen. Dieses Verbot gilt ab dem 1. November 2021, die bestehenden Pachtverträge werden im April dieses Jahres gekündigt.

Starzach - Mit dieser Beschlussfassung ist das Ende einer Diskussion erreicht, die bereits seit dem 23. Juli 2018 das Gremium beschäftigt. Damals wurde in öffentlicher Sitzung mehrheitlich beschlossen, auf allen kommunalen Flächen innerhalb geschlossener Ortschaften der Gemeinde Starzach und auf den eigen bewirtschafteten Grünflächen und Streuobstwiesen im Außenbereich auf den Einsatz von Glyphosat und Neonicotinoiden zu verzichten. Weitergehend wurde damals beschlossen, das Gespräch mit den Pächtern, welche kommunale Flächen auf dem Gemeindegebiet Starzach bewirtschaften, zu suchen. Dazu gab es sogar noch im Jahr 2018 eine Informationsveranstaltung mit den Pächtern kommunaler Grundstücke.

Zwei Meinungsbilder

Es sollen damals die eingesetzten Spritzmittel erhoben werden und eine Vereinbarung zum reduzierten Einsatz oder Verzicht auf den Einsatz der genannten Spritzmittel getroffen werden. Diese stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Begründet wird dies mit der negativen Wirkung des Herbizides beziehungsweise des Insektizides auf Insekten. Nachweislich sei die biologische Vielfalt in der Natur durch den Einsatz gestört und werde letztendlich vernichtet. Nach diesen Gesprächen sollte der Vorgang wieder im Gemeinderat beraten werden. Dies verzögerte sich jedoch. Aus verschiedenen Gründen (Kommunalwahlen, Vielzahl an Sachthemen, etc.) wurde einvernehmlich mit der Fraktionsvorsitzenden der Fraktion "Bürgervertretung Starzach", Gemeinderätin Annerose Hartmann, eine Verschiebung der Thematik abgestimmt.

Vor dieser Historie war es dann doch erstaunlich, dass sich im Gremium bei der jüngsten Sitzung zwei völlig unterschiedliche Meinungsbilder herauskristallisierten.

Bürgermeister Thomas Noé stieg mit dem Hinweis, dass ihn vor wenigen Wochen ein Vollerwerbslandwirt angerufen hat und ihm gesagt habe, dass er seit vielen Jahren freiwillig auf die Ausbringung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das seit 2018 für den privaten Gebrauch und ab 2023 auch für den gewerblichen Einsatz verboten ist beziehungsweise wird, verzichtet. Jedoch im letzten Jahr hätte er es aufgrund der Wetterkapriolen wieder einsetzen müssen, um wenigstens einigermaßen kostendeckend arbeiten zu können. "Dieser Landwirt hat von uns 60 Hektar Ackerland gepachtet und nur dort können wir ihm den Einsatz von Pflanzenschutzmittel verbieten. Was er rundum auf seinen eigenen Felder ausbringt, das können wir nicht steuern" erklärte Noé die allgemeine Situation.

Gemeinderätin Annerose Hartmann, eine Verfechterin des harten, schnellen Verbots von Glyphosat und Neonicotinoiden, machte in einem kurzen Sachvortrag nochmals auf die Gefahren aufmerksam und appelliert an die Verantwortung, die die Gemeinde und der Gemeinderat gegenüber den Bürgern hat. Sie fragte: "Wie kann man ernsthaft glauben, dass Gifte, die Tiere und Pflanzen töten, für uns Menschen nicht giftig sind?"

An diesen Impulsvortrag schloss sich eine heftige Diskussion an. Rat Rolf Pfeffer (ZS): "Ich bin grundsätzlich gegen solche Mittel. Die Gemeinde soll die Verträge kündigen und neu vergeben."

Dieser Meinung widersprach sein Fraktionskollege und Nebenerwerbslandwirt Hans-Peter Ruckgaber. Er war grundsätzlich auch der Meinung, dass Gift auf den Äckern nichts zu suchen hat, doch solle man den Landwirten Zeit für die Umstellung geben. "Die können nicht von heute auf morgen auf rein manuelle Bodenbearbeitung umstellen. Deshalb sollten wir im Moment einen Kompromiss finden", so seine Forderung, die er an diesem Abend noch achtmal, in unterschiedlichen Wortvarianten bei gleicher Aussage, als Gegenargument nutzte um für die Landwirte, seiner Ansicht nach, ein besseres Ergebnis zu erzielen. Doch damit stand er allein auf weiter, glyphosatgedopter Flur.

BVS-Gemeinderätin Monika Obstfelder, ihr Fraktionskollege Michael Volk und selbst sein ZS-Freund Michael Heinzmann bezogen klar Stellung für ein sofortiges Verbot des Einsatzes von Glyphosat und Neonicotinoiden auf verpachteten kommunalen Flächen. Heinzmann sagte direkt zu Ruckgaber: "Tut mir leid, aber ich muss dir widersprechen. Das Zeug muss weg und die Landwirte hatten seit 2018 Zeit ihre Anbaumethoden umzustellen."

Eine Enthaltung

Mit 13 Ja-Stimmen – bei einer Enthaltung – war man sich grundsätzlich einig, dass die Landpachtverträge der kommunalen Flächen gekündigt werden.

Der Ruckgaber-Antrag, die Pachtverträge jedoch erst ab dem 1. November 2022 zu kündigen, wurde mit zehn Nein-Stimmen, bei vier Ja-Stimmen, abgelehnt.

ULS-Gemeinderat Harald Buczilowski schrieb dazu in einer Mail an unsere Redaktion: "Der Gemeinderat in Starzach hat sich gestern für ein Verbot von Glyphosat auf verpachteten Gemeindeflächen ausgesprochen: Nicht nur für neu zu verpachtende Flächen, sondern für alle bestehenden Pachtverträge. Damit ist Starzach nach meinem Kenntnisstand Vorreiter in Baden-Württemberg. Soweit mir bekannt hat bisher nur die Gemeinde Erbach ein Verbot von Glyphosat in neuen Verträgen beschlossen".

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