Im Tunnel bei Kentheim kam der Zug zum Stehen. Ein Unfall, der auch hätte anders enden können. Foto: Klormann

Nachdem ein Zug bei Calw mit Felsen kollidierte, steht fest: Der Sachschaden dürfte hoch sein. Doch es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer. Wir erklären den Hintergrund.

Was geschieht, wenn ein 48 Tonnen schwerer Zug mit rund 100 Stundenkilometern auf einen etwa sechs Kubikmeter großen Felsblock trifft?

 

Es ist eine Frage, die fast ein wenig an das Paradoxon der unaufhaltsamen Kraft erinnert, die auf ein unbewegliches Objekt trifft.

Aufprall ließ den Felsen auseinanderbersten

Eine Antwort lieferte die Realität am frühen Montagmorgen in Calw.

Gegen 5.30 Uhr war ein Zug der Kulturbahn mit einem ebensolchen Brocken kollidiert, der sich zuvor vom Hang gelöst hatte und auf die Gleise gestürzt war.

Der Aufprall, so heißt es in einer am Montagabend versandten Mitteilung des Kreisfeuerwehrverbands, ließ den Felsen auseinanderbersten und schleuderte ihn in Teilen davon.

Doch auch der noch unbekannte Sachschaden am Zug dürfte nicht klein ausfallen. Fest steht: Hydraulikleitungen rissen auf, der Wagen verlor in der Folge rund 50 Liter Hydrauliköl und kam trotz einer sofortigen Gefahrenbremsung erst etwa 600 Meter weiter im Rudersbergtunnel bei Kentheim zum Stehen. Ein Wasserschutzgebiet.

André Weiss, Kreisbrandmeister vom Dienst, erläuterte laut Mitteilung, deshalb sei das Umweltamt hinzugezogen worden. Da jedoch der Großteil des Öls in einer Auffangwanne des Wagens landete, seien die Quellfassungen nicht beeinträchtigt worden.

Per Hand schob die Feuerwehr den Wagen aus dem Tunnel. Foto: Klormann

Die Feuerwehr, die mit zehn Fahrzeugen und 48 Kräften ab 6.06 Uhr im Einsatz war, ging mit Bindemittel gegen das ausgelaufene Öl vor.

Und auch die fünf Passagiere sowie der Lokführer blieben bei dem Zusammenstoß unverletzt. Die Feuerwehr holte die Fahrgäste über Leitern aus dem Zug und schob den Wagen später per Hand aus dem Tunnel.

Ein Einsatz also, der letztlich vergleichsweise glimpflich ausging.

Doch bei allem Glück im Unglück an diesem Tag: Es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer. Und vieles dürfte tatsächlich Glück gewesen sein. Oder anders gesagt: Calw scheint am frühen Montag an einer Katastrophe vorbeigeschrammt zu sein.

Wäre der Zug durch den sechs Kubikmeter großen und sicher tonnenschweren Felsbrocken in der Kurve von den Gleisen abgekommen oder während der Fahrt von diesem getroffen worden, wäre die Bahn womöglich abseits der Schienen weitergerast.

Und kurz darauf von der Brücke direkt auf die Bundesstraße oder in die Nagold gestürzt. Es braucht wenig Vorstellungskraft um zu ermessen, welche Folgen dieser Verlauf des Unfalls hätte haben können.

Ein Unfall, denn wohl kein Lokführer hätte verhindern können.

Glück im Unglück. Und das gleich mehrfach an nur einem Tag.