„Ha, ha, ha, wir sind alle so aufgeregt und er ist so schön“. Zu viel mehr hat es inhaltlich bei der ersten Folge der RTL-Sendung „Der Bachelor“ nicht gereicht. Der Immobilienmakler Daniel Völz muss sich in den nächsten Wochen aus 22 Kandidatinnen seine Herzensdame auswählen. Foto: RTL

Am Mittwoch startete die neue Staffel der Verkupplungsshow „Der Bachelor“ auf RTL. Ein TV-Abend voller schön-schauriger Fremdschäm-Momente.

Stuttgart - Er hat sich wacker geschlagen, der neue Bachelor Daniel Völz. Bei der ersten Sendung der neuen Staffel ist ihm sein fest getackertes Lächeln so gut wie nie verrutscht und er fand auch noch für das 22. hyperventilierende „Ich bin ja so aufgeregt“-Gestammel der Kandidatinnen ein nettes Wort. Nur einmal hat der Immobilien-Makler mit Schaffer-Mentalität ein wenig die Fassung verloren. Als ihm eine Kandidatin erzählt, dass sie nur so ab und zu als Hostess arbeite, weil sie ja nicht nur arbeiten, sondern auch das Leben genießen wolle. Da entfährt ihm endlich mal ein ehrlicher Satz: „Von der Einstellung her passt es nicht so unbedingt sofort“, sagt er etwas schmallippig und der Zuschauer freut sich über einen klitzekleinen Moment der Authentizität, die der Sendung ansonsten ziemlich ab geht.

Abgeschmackt und gestellt

Dramaturgisch gut platzierte Sätze wie der von einer der vielen Janines: „Ich stehe nicht auf Blümchensex, wenn ich nach Hause kommen würde und da liegen Rosenblätter würd’ ich sagen, mach den Scheiß da weg“, sollen vermutlich echt wirken, klingen aber nur abgeschmackt und gestellt. Und überhaupt, der Geschmack. Die jungen Damen, fast alle Anfang Zwanzig, haben zwar offenbar das Selbstbewusstsein mit riesigen Löffeln in sich hinein geschaufelt, dafür mangelt es den meisten an Stilbewusstsein, Charme und Grazie.

Die Twitter-Gemeinde macht sich lustig

Von den schlecht sitzenden, grellen Outfits in Kombination mit zu vielen unoriginellen Tattoos, schichtenweiße Make-Up und wackligen Gängen auf viel zu hohen High-Heels bekommt man nach einer Weile Augenweh. Bis auf die wirklich nette, hübsche Maxime, die dem Bachelor – Achtung originell – ein selbst gemaltes Comic als Geschenk mitbringt, rauschen die Mädels nur so an einem vorbei, so in „Da-rein-da-raus“-Manier. Wie hieß jetzt die eine nochmal? Wobei Janine vermutlich immer eine sichere Bank ist. Ein Twitter-User schreibt:

„Pro-Tipp an den #Bachelor: Wenn du nicht mehr weißt, wie die Gören alle heißen, einfach die beliebtesten weiblichen Vornamen aus Problemvierteln von 1995 googeln. Da sollte was dabei sein.“

Ein weiterer Twitter-User fasst den Inhalt der zweistündigen Sendung treffend zusammen:

„Ich bin so aufgeregt.“ „Er ist so schön.“ „Ich bin so aufgeregt“. „Er ist so schön“. „Ich bin so aufgeregt“. „Er ist so schön“. Und das insgesamt 22 Mal, so viele eloquente Kandidatinnen sind schließlich dabei.

Einer der Fremdschäm-Höhepunkte ging so:

Der Bachelor: „Meine Bulldogge heißt Bella und ist auch so hübsch!“ Die Kandidatin: „Ooh, danke.“

Den Gipfel der Absehbarkeit erlangte die Sendung mit der Szene, in der Kandidatin Christina – die einzige, die Daniel Völz bis zur Tür begleitet hat – dramatisch ihren vorzeitigen Abgang verkündete. Plötzlich wurde sie von der Erkenntnis übermannt, dass es mit der Echtheit der Fernseh-Gefühlswelt womöglich nicht so weit her sein kann: „Ich habe mich entschieden zu gehen.“ Und weiter: „Ich war hier nicht wegen der Show. Ich war wirklich hier wegen der Gefühle.“ Und jetzt darf man drei Mal raten, was passiert ist. Genau, sie ist doch geblieben! Der Bachelor säuselte: „Ich fand, als wir uns kennengelernt haben, dass da ein gewisser Funke war.“ Und schon wurde Kristina wieder weich und blieb. Gähn. Das Ganze wurde dann noch mit einem total vorhersehbaren Nervenkitzel-Rausschmeißer gekrönt: Kristina war die letzte Kandidatin, die einer Rose von Daniel bekam. „Erst hast du mich zappeln lassen, jetzt habe ich dich zappeln lassen.“ Gähn. Viel lustiger (wenn auch ziemlich gemein) wäre das Szenario gewesen, das ein Twitter-User beschreibt: „Geil wäre ja, wenn er jetzt die Tante heimschickt, die er vorher überredet hat dazu bleiben.“

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