Der lauschige Platz vor der Bergkapelle mit dem Blick auf Ober- und Talstadt sowie auf die Schwäbische Alb füllt sich rasch mit erwartungsvollen Besuchern. Foto: Wolf

Damit die neue Glocke geweiht werden kann, helfen viele mit. Und dann erwischt Oberndorf für den großen Moment auch noch besonderes Wetter.

Es war für die vielen Besucher ein wunderbares, beglückendes Erlebnis: der Gottesdienst zur Weihe der neuen Glocke für die Bergkapelle, ein für die katholische Kirchengemeinde Oberndorf wohl für viele Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte einmaliges Ereignis.

 

Den Besuchern der Glockenweihe bot sich ein fast schon unwirklich kitschig-schönes Bild: die imposante, in ihrem Erscheinungsbild einzigartige Bergkapelle, quasi beschützt durch das grüne Dach der hohen umliegenden Bäume, durch welches das Sonnenlicht durchstrahlte. Dazu passte Pfarrer Martin Schwers poetisch anmutende Beschreibung des Klangs der neuen Glocke – in einer Vielfalt von Tönen schwingend und klingend – laut Glockensachverständigem ein Wunderwerk des Glockengießers.

Am schönsten Tag des Jahres

Diakon Thomas Brehm stellte dazu freudestrahlend fest, dass dieser Samstag der bisher schönste Tag des Jahres sei, ein wahrhaft würdiger Rahmen für das ganz besondere Fest der Glockenweihe.

Anfang März war die die neue, 34 Kilogramm schwere Glocke bei der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen gegossen worden. Wie außergewöhnlich heutzutage eine Glockenweihe ist, zeigt sich schon daran, dass in der Kernstadt Oberndorf vor 70 Jahren zum letzten Mal dieses Fest gefeiert werden konnte, als 1956 die große Friedensglocke der St. Michaels-Kirche geweiht wurde. Für Pfarrer Schwer und Diakon Brehm ist die neue Glocke auch deshalb so wertvoll: Sie mahne zum Frieden und rufe zum friedlichen Miteinander auf, sie sei eine Botschafterin des Friedens, in unserer Gesellschaft gerade derzeit besonders wichtig.

Pfarrer Martin Schwer und Diakon Thomas Brehm zelebrieren den eindrucksvollen Gottesdienst zur Glockenweihe. Foto: Wolf

Die Menschen strömten am Samstagabend in großer Zahl herbei, um auf dem lauschigen Platz vor der Bergkapelle mit der herrlichen Aussicht auf Oberstadt, Talstadt und die schwäbische Alb die Glockenweihe zu erleben und zu genießen.

Wichtiger Akt

Pfarrer Schwer unterstrich, dass der Klang der Kirchenglocken ein Zeichen der Christen sei, das von allen Menschen verstanden werde. Eine Glockenweihe sei ein wichtiger Akt, der sich nicht in einer schnellen Segnung erschöpfe, sondern mit weiteren heiligen Zeichen gefeiert werde: einmal durch die Segnung mit Weihwasser, dann durch den aufsteigenden Weihrauch und drittens durch die Salbung der Glocke mit Chrisam-Öl in den vier Windrichtungen.

Schwer und Brehm rekapitulierten kurz die Geschichte der neuen Glocke. Als festgestellt worden sei, dass die alte, vor fast 250 Jahren in Straßburg gegossene Glocke durch einen Riss beschädigt und in ihrem Ton beeinträchtigt sei, habe sich die Frage gestellt: „Was machen wir – die Glocke schweißen oder gegen eine neue Glocke austauschen?“ Der Chef der Bürger für Bürger, Robert Häring, ein „findiger Fuchs“, habe jemanden ausfindig gemacht, der den Guss einer neuen Glocke sowie die Installation der Glockenanlage finanziell unterstützen würde.

So dankten Schwer und Brehm der Glocken-Spenderin Renate Benzler, der Marion und Otto Biesenberger Stiftung für ihren finanziellen Beitrag sowie den Bürgern für Bürgern für ihren tatkräftigen Einsatz herzlichst mit einem kräftigen „vergelts Gott“.

Das Glockenläuten biete Heimat, bedeute ein Stück Normalität, strukturiere für viele Menschen den Tagesablauf, rufe in Erinnerung, dass jeder Mensch im Auge Gottes einzigartig und wertvoll sei.

Nach der Eucharistiefeier und dem Segen nutzten viele Besucher die Einladung der katholischen Kirchengemeinde zum Ständerling, um miteinander bei Sekt, Bier, alkoholfreien Getränken sowie einer leckeren Bratwurst in guten Gesprächen das wundervolle Erlebnis dieser Feier nach- und ausklingen zu lassen.

Die neue Glocke wird in absehbarer Zeit durch einen Monteur der Glockengießerei im Turm installiert und danach wieder jeweils um 12 Uhr sowie um 18 Uhr läuten.