Die Gruppe mit den Guggen "Pink Pämpärs" am Sulzer Marktplatz Foto: Schwind

Die zweite Ausgabe des Glockenputzen in der Sulzer Talstadt knüpfte an Erfolg des Premierenjahrs an. Mit deutlich mehr Narren wurden in drei Gruppen sieben Häuser angelaufen.

Sulz - Das Thermometer zeigte gerade einmal vier Grad Außentemperatur an, aus den dichten Wolken über Sulz regnete es unentwegt, und trotzdem trafen immer mehr Hästräger und Musiker zum Glockenputzen in der Sulzer Talstadt, so dass sich die Zunftstube mehr und mehr füllte.

 

Für die elfjährige Lisanne war das Glockenputzen am Sonntag eine ganz besondere Premiere, wie ihr Papa Peter Gayer erzählte. Denn sie trug zum ersten Mal einen "richtigen" Salzsieder, nachdem sie aus dem Kinder-Narrenkleid herausgewachsen war. Etwas Besonderes war es auch deshalb, weil ihr Vater dieses Narrenkleid 1980 entworfen hat.

Katrin Domonell, ihres Zeichens Narrenvertreterin und Kleiderwartin bei der Sulzer Narrenzunft, brachte es am Sonntag, nach dem Wetter gefragt, auf den Punkt: "Die Schönwetternarren sind zu Hause, wir sind hier".

Kreuz und quer durch die Kernstadt

Als die Glocke der naheliegenden katholischen Kirche St. Johannes Evangelist zwölfmal geschlagen hatte, was stark an den Sulzer Hexentanz erinnerte, ging es für die in drei Gruppen aufgeteilten Narren mit ihren Musikern auf den Weg kreuz und quer durch die Talstadt zu insgesamt sieben Anlaufstellen.

Spätestens als der Sulzer Narrenmarsch durch die Straßen des Neckarstädtchen hallte, verschwendeten die Sulzer narren keinen Gedanken mehr ans Wetter. Die auffallend viele teilnehmenden kleinen Narros und Salzsieder hüpften schon perfekt mit ihren kleineren Schellenriemen zu der Melodie des Narrenmarsches. Alle Sulzer Narrentypen – von den beiden Leitfiguren, dem Optimisten und Pessimisten, über den Breagler, den Salzsieder, den Narro und die Sulzer Hexen – waren dabei, ebenso wie die beiden Sulzer Guggenmusiken, die "18-Stunden-Musiker" und die "Pink Pämpärs", zudem die Narrenkapelle.

Mit der Resonanz zufrieden

Während man als Kind für das Glocken- oder Klingelputzen Ärger bekommt, geschah das in Sulz seit dem vergangenen Jahr mit Erlaubnis – wenn auch nach Absprache mit den angemeldeten Haushalten. Und nicht nur das: Die Narren wurden auch noch verköstigt.

Ungewohnt war es aber dann schon, die Sulzer Narren Mitte Januar noch unter der Weihnachtsbeleuchtung marschieren zu sehen. Zunftmeister Timo Holst klärte auf: "Dena isch d’r Staiger verreckt, morga kommt se weg". Mit der Resonanz aus der Bevölkerung und der deutlich größeren Anzahl an Sulzer Narren gegenüber dem Premierenjahr war Holst mehr als zufrieden.

Die Veranstaltung

Nachdem im vergangenen Jahr coronabedingt keine größeren Fasnetsumzüge möglich gewesen waren, die Narrenzunft Sulz ihren Mitgliedern aber dennoch eine Möglichkeit bieten wollte, sich als Narr endlich wieder auf der Straße zu zeigen, entstand im Kreativteam ganz nach dem Motto "Wenn man nicht zur Fasnet kann, kommt sie eben zu dir nach Hause", diese Idee. Nach dem überwältigenden Erfolg schaffte es das Glockenputzen auch in diesem Jahr wieder in den Terminkalender der Sulzer Narrenzunft und könnte langfristig zum festen Bestandteil werden