Im Turm der Dreifaltigkeitskirche erklingen vier Glocken, zwei davon schon seit 500 Jahren. Foto: Jeanette Tröger

Die Simmozheimer Kirchengemeinde feiert ein Glocken- und Gemeindehausjubiläum.

Bereits seit beachtlichen 500 Jahren erklingen zwei der vier Glocken im Kirchturm der Simmozheimer Dreifaltigkeitskirche. Die Simmozheimer Kirchengemeinde und das EJW Simmozheim nahmen dies zum Anlass, mit einem Gottesdienst und einem sich anschließenden Nachmittag im Gemeindehaus diesem Jubiläum zu gedenken und zugleich noch zwei weitere Jubiläen zu feiern.

 

Im Kirchturm hängen neben der 500 Jahre alten Betglocke und der genauso alten Kreuzglocke noch zwei weitere kleinere Glocken. Seit 1985 ergänzen die Zeichenglocke und die Taufglocke das Geläut der Kirche. Zu deren 40. Geburtstag ist Pfarrer im Ruhestand Burkhard Bartel nach Simmozheim gekommen, in dessen Amtszeit die beiden Glocken gegossen und aufgehängt wurden.

Gemeindehaus besteht seit 30 Jahren

Damit nicht genug, ist auch der Ort des nachmittäglichen Geschehens, das Gemeindehaus, ein Jubilar, es konnte vor 30 Jahren unter der Ägide von Pfarrer im Ruhestand Albrecht Duncker eingeweiht werden. Er kam ebenfalls zur Feier dieses Jubiläums an seinen ehemaligen Wirkungsort.

Warum gibt es überhaupt Glocken?

Im Gottesdienst ging Pfarrerin Heike Ehmer-Stolch mit der Gemeinde der Frage nach, „warum es überhaupt Glocken gibt und wir sie läuten?“ Sie berichtete Historisches zur größeren Betglocke und ihrer kleineren Schwester, der Kreuz- oder Schiedglocke und zur Glockengießerei von Pantilion Seydler und seinem Sohn Sebastian in Esslingen, wo die beiden Glocken gegossen wurden, die seit 1525 im Kirchturm in von Simmozheim erklingen.

Fünf kurze Gedanken

Die Pfarrerin entfaltete „fünf kurze Gedanken“: Glocken läuten wo Menschen leben, und das seit mehr als 4500 Jahren und in allen Religionen. Glocken stehen für die Öffentlichkeit der Kirche, sie sind Musik im öffentlichen Raum. Glocken sind für die Pfarrerin „auch immer Friedensglocken, die uns mahnen“, auch als solche müssten sie öffentlich klingen.

Pfarrer i.R. Burkhard Bartel ließ die Jubiläumsgäste hören, wie lange ein Glocke nachklingt. Foto: Jeanette Tröger

Der dritte Gedanke: Glocken lassen Freiheit, so wie das Evangelium immer Einladung ist und nie Zwang. Glocken geben dem Leben Rhythmus wie die Glocken der Dreifaltigkeitskirche, die viermal am Tag läuten. „Und Glocken begleiten unser Leben“, so ihr fünfter Gedanke. Wenn die beiden alten Glocken erzählen könnten, würden sie von Kriegen und Friedenszeiten berichten, von glücklichen Gesichtern, aber auch von Tränen und vom Tod. Sie erinnerte zum Schluss an den großen Trost der Glocken, „sie läuten die Ewigkeit Gottes in die Zeit hinein.“

Die Kinderkirchen-Kinder zogen zu Beginn des Gottesdiensts mit allerlei Glöckchen und Zimbeln in die Kirche ein. Sie bastelten selbst Glocken aus Tontöpfen und überraschten die Besucher im Gemeindehaus mit einem fetzigen Lied, bevor das Rednerpult für Grußworte und Beiträge freigegeben war.

Grußworte

Die ehemalige Kirchengemeinderätin Edeltraud Kipp berichtete viele Details zu den einzelnen Glocken. Die 500 Jahre alte Betglocke trägt als Symbol ein Bild von Papst Klemens V., die seit 1985 zu Taufen läutende Taufglocke schmückt die Lutherrose mit Fischen. Deshalb könne man sagen: „In Simmozheim läuten Papst und Luther gemeinsam in die Kirche.“

Pfarrer im Ruhestand Burkhard Bartel, der fünf Jahre in Simmozheim Dienst tat, berichtete, wie er die beiden jüngeren Glocken aufgetan hat. Mit zwei Bussen fuhren die Gemeindeglieder 1985 zum Glockengießer Bachert in Heilbronn, um dem Guss ihrer dritten Glocke, der Zeichenglocke, beizuwohnen.

Ein Schnäppchen

Weil es für die dritte Glocke auch einen neuen Glockenstuhl brauchte, wurde der so gebaut, dass noch eine vierte Glocke, die Taufglocke, dort Platz hat. Sie war ein „Schnäppchen“ aus dem Lager von Bachert, weil die Kirchengemeinde, die sie ursprünglich bestellt hat, sie dann doch nicht abnehmen konnte, berichtete Bartel.

Als er die Pfarrstelle 1988 antrat, fand die ganze Gemeindearbeit im Pfarrhaus statt, erzählte Pfarrer im Ruhestand Albrecht Duncker. Ein Gemeindehaus musste her und davor der Oberkirchenrat „mit energischen Worten überzeugt“ werden. Beim Bau des Gemeindehauses wurden mehr als 2500 Stunden an Eigenleistung erbracht.

Am „wunderbaren Fensterbild“ vom Künstler Andreas Felger im Ende 1994 eingeweihten Gemeindehaus gefalle ihm besonders „die Wasserwelle, die den Baum umspült“, sagte Duncker, denn sie mache „als Lebensader den Baum erst zum Baum“. Und diesen Zusammenhang aus der Natur übertrage der Psalmbeter im Psalm 1 auf den Menschen.

Ein Grußwort zu den Jubiläen sprach für Primetime, den Kreis für Junge Erwachsene der Liebenzeller Gemeinschaft, Christoph Eisele. „Unsere DNA ist das Gebet, das wichtig ist, um uns auszurichten“, nahm er Bezug zur größten Glocke, der Betglocke.

Friedbert Baral berichtete Geschichtliches zur Simmozheimer Kirche und erzählte von einer Sage zur 500 Jahre alten Betglocke sowie vom „Simmozheimer Glockenkrieg.“