Wie stehen die Kirchenvertreter in Balingen zur gleichgeschlechtlichen Ehe? Foto: Sven Hoppe/dpa

Das sagen Pfarrer Wolfgang Braun und Dekan Michael Schneider.

Was die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche zur gleichgeschlechtlichen Ehe sagen und, inwieweit sie einen solchen Bund befürworten, haben sie auf Anfrage unserer Redaktion beantwortet.

 

Pfarrer Wolfgang Braun:
Die offizielle katholische Lehre sagt: „Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Mann und Frau zeugen Kinder. Das ist Natur. Sie ist Gabe und Auf-Gabe. Gott hat die Natur so angelegt, dass es ausschließlich zwischen Mann und Frau, die sich lebenslang Liebe und Treue versprochen haben, Sex gibt und dieser grundsätzlich für eine Schwangerschaft offen sein muss. Alles andere ist widernatürlich und richtet sich gegen Wille und Gebot Gottes.

Andere sagen: Gott hat den Menschen männlich und weiblich geschaffen. Für die Zeugung von Kindern braucht es Mann und Frau. Das ist Natur. Gott hat die Natur aber nicht so angelegt, dass sie allen Frauen und Männern zu jeder Zeit vorgibt, sich aneinander zu binden und Nachwuchs zu zeugen. Natur ist der Rahmen, und in diesem Rahmen entscheiden Menschen selbstverantwortlich und frei, wie sie ihre Identität und Sexualität leben. Die Botschaft Gottes und Jesu heißen Liebe und Leben in Fülle, Gottesnähe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit. Da ist Ehe und Familie wichtig. Sie darf und wird mehrheitliche Lebensform bleiben. Aber sie ist nicht alles. Außerdem: Zwischen männlich und weiblich gibt es Vielfalt und Unterschiedlichkeit – und genau darin liegt die Einmaligkeit jedes Menschen.

Papst Franziskus hat eine sehr eingeschränkte Form von Segnung offiziell zugelassen. Die deutschen Bischöfe geben ein Dokument heraus mit Vorschlägen zu einem Segensritus für gleichgeschlechtliche Paare. Ich persönlich würde nach einem Gespräch mit einem Paar gerne segnen.

Paare können gesegnet werden

Dekan Michael Schneider:
Gleichgeschlechtliche Paare können in einem extra Gottesdienst öffentlich gesegnet werden. Eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist in Württemberg nicht möglich. Dazu wäre ein sogenannter „Magnus Konsensus“ aller Kirchengemeinden nötig. Denn: Das Eheverständnis der Reformation kennt keine gleichgeschlechtliche Ehe.

Nun hat die Landeskirche diesen Kompromiss beschlossen, der ein Nebeneinander möglich macht. Denn wir haben in der Landeskirche ein breites Frömmigkeitsspektrum mit unterschiedlichen hermeneutischen Ansätzen, wir sind eine Auslegungsgemeinschaft mit unterschiedlichen Auslegungen. Der Oberkirchenrat bestimmt Gemeinden, die das auch beantragen können, in denen Segnungsgottesdienste stattfinden können – sogenannte Regenbogengemeinden.

Wenn 25 Prozent der Kirchengemeinden diesen Prozess durchlaufen haben, beschließt die Landessynode neu. Im ganzen Kirchenbezirk Balingen gibt es nur eine einzige Kirchengemeinde, Sigmaringen, in denen gleichgeschlechtliche Segnungen möglich sind. Dieser Prozess wird meist angestoßen, wenn es eine konkrete Anfrage eines Paares gibt und diese Anfragen sind im Kirchenbezirk kaum vorhanden.