Kann Liebe Sünde sein? Im katholischen Dekanat sind gleichgeschlechtliche Paare willkommen. Foto: Schmidt/dpa

Homosexuelle sind in den Gemeinden des Katholischen Dekanats herzlich willkommen, wie "uneingeschränkt alle Menschen". Dem Nein aus Rom zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare steht die Kirchenbasis im Kreis kritisch gegenüber.

Kreis Freudenstadt - Dies teilt das Dekanat nach der ersten Sitzung in diesem Jahr mit, die wegen Corona als Videokonferenz stattgefunden hatte. Benedikt Peter brachte eine Stellungnahme der Kirchenjugend BDKJ ein: die Positionierung "Love is no sin –­ Liebe ist keine Sünde". Die dadurch angeregte Diskussion "war in ihrer Tiefe eine Bereicherung und zeigt, wie sehr dieses Thema die Räte und ihre Gemeinden in den vergangenen Tagen miteinander ins Gespräch brachte", teilt das Dekanat mit.

"Liebe ist keine Sünde"

Die Dekanatsleitung begrüßte das Engagement der BDKJ-Dekanatsleitung in ihrem Anliegen und rief dazu auf, sich weiter dafür stark zu machen, "indem sie kritisch und bedacht, gegenseitig helfend, weiter voran gehen". Der Dekanatsrat lehnt sich an die kritische Stellungnahme der Vorsitzenden des Diözesan- und Priesterrates zum "Nein" aus Rom an, wie auch an die Reaktion von Bischof Gebhard Fürst zu dieser Frage. Fürst hatte erklärt, sich dafür einzusetzen, "eine versöhnliche Lösung zu finden".

Dekan Anton Bock sagte, dass "die Willkommenskultur nicht erst bei der Segnung von Paaren anfängt". Jeder sei uneingeschränkt herzlich willkommen. So hatten es im Vorfeld bereits zwei Seelsorgeeinheiten im Dekanat formuliert, was sehr begrüßt worden sei. Bock warb dafür, dieses Anliegen der Willkommenskultur für alle in den Kirchengemeinden zu üben, darüber ins Gespräch zu kommen, so dass es auch in den Kirchengemeinden ermöglicht werde, sich zu öffnen, sich zu bekennen und eine Vertrauensbasis zu schaffen: Jeder solle das in der Gemeinschaft leben können, was er sei. Die Räte regten an, diese Stellungnahmen in den Kirchen auszulegen.

Bock würdigt Teufel

Durch die Sitzung führte Nicole Uhde, seit Ende Februar Geschäftsführerin des Dekanats. Hans Peter Teufel wurde als Diözesanrat verabschiedet. Anton Bock würdigte seine Arbeit und die sehr gute Vertretung des Dekanats im Diözesanrat und danke ihm für sein "glaubwürdiges Engagement gerade auch im Blick auf eine gerechtere Welt". Marita Walz bringe sich nun im Ausschuss "Eine Welt" des Diözesanrats ein, ebenso im neu gegründeten Ausschuss zur Stärkung der Frauen in der Kirche und der Diözese. Die Weiterarbeit am Synodalen Weg bilde für beide weiterhin ein Schwerpunkt.

Haushaltspläne stehen

Maren Kurz stellte die Jahresrechnung des Jugendreferats sowie des Dekanats für das Jahr 2020 sowie die Haushaltsplanung 2021/2022 vor. Maria Dettling, Verwaltungsangestellte in der Dekanatsgeschäftsstelle, hatte die Abstimmung über die Etats vorbereitet, die einstimmig angenommen wurden. Christina Rehberg von der Profilstelle "Kirche und Schule" berichtete über den Jugendkreuzweg "Wachet und betet" in der Karwoche. Jugendlichen aus der Seelsorgeeinheit Horb, Steinach und Waldachtal sowie der evangelischen Johanneskirche Horb lernen hierbei die Leidensgeschichte Jesu in heutiger Zeit kennen.

Die Ideen, die der neu gebildete Dekanatsausschuss für Pastoral- und Kirchenentwicklung erarbeitet hatte, wurden den Räten in einer ersten Information vorgelegt. Diese ersten Überlegungen sollen nun in zusätzlichen Instanzen erweitert werden. Die Dekanatsräte begrüßten die "positive Ausrichtung im Blick auf den Weitergang des Synodalen Wegs".

Neue Wege in Pandemie

Hans-Peter Teufel, Ansprechpartner der Aktion Hoffnung, informierte über die geplante Kleidersammlung im Dekanat. Sie soll am Samstag, 23. Oktober, stattfinden. Dazu erhalten die Kirchengemeinden im Dekanat in den nächsten Tagen Post mit der Bitte um rege Teilnahme, Rückmeldung und Nennung der Ansprechpartnern.

Mit Blick auf die Pandemie wurde im pastoralen Austausch festgestellt, dass obgleich der Schwierigkeit der Abstands- und Hygieneregeln und der eingeschränkten Versammlungsmöglichkeiten zu Besprechungen trotzdem sehr kreative neue Wege gefunden werden konnten, die ein Miteinander, aktiv Glauben und Gebet in anderen Formen zu leben, ermöglichen, so das Dekanat weiter.

Dazu zählten unter anderem Telefongottesdienste, Online-Gebetskreise und eine Fotoausstellung. Diese und viele weitere Ideen bildeten einen bunten Blumenstrauß an Ideen und einen wichtigen Impuls, wie neue Wege als mehr verbindend empfunden würden, wenn sich mehrere Gemeindemitglieder einbrächten.

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