Pfarrer Stefan Kröger versteht Ostern als Fest der Hoffnung und des Lebens. Das darf sich auch in den Geschenken widerspiegeln.
Wenn am Anfang eines neuen Jahres alles sprosst und grünt, ist der Aufbruch des Lebens mit den Sinnen erfahrbar.
Unsere Vorfahren haben es geschafft, die Auferstehung Jesu in diesen Kontext zu setzen“, schwärmt Stefan Kröger, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Erzingen-Schömberg.
Im ewigen Werden und Vergehen
Wie überall auf der Alb blüht auch in seinem Garten die Forsythie in kräftig fröhlichem Gelb. Weniger fröhlich stimmt es die Geistlichen bekannterweise, wenn die kirchlichen Feiertage der Konsumgesellschaft zum Opfer fallen. Darf es ein neues Computerspiel sein oder vielleicht doch gleich eine ganze Playstation? „Wir sind in der Gefahr des Überbietungswettkampfs“, beobachtet Kröger und lädt dazu ein, das Konzept „Geschenk“ neu zu denken. „Wenn unsere Gesellschaft bestrafen will, nimmt sie uns unsere Zeit und unsere Freiheit. Wie schenken wir uns einander? Indem wir uns gemeinsame Zeit schenken.“
Ostern gehört zum Kernrepertoire des christlichen Lebens und wird weltweit als Fest des Erlösers gefeiert. „Ostern hat einen immensen Hoffnungsüberschuss. Es ist alles dem ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens unterworfen. Da ist einer, der durch den Tod hindurch neues Leben schenkt. Es ist mehr als nur reset – rebuild! Es ist etwas Neues“, interpretiert er. „Ich kann an Karfreitag nicht predigen, ohne nach Ostern zu blinzeln. Wo Auferstehung ist, war vorher Tod. Das Leichte gibt es nicht ohne das Schwere.“
Zeitkritische Themen im Blick
Mit einem Blick weg vom Osternest, das vollgespickt mit bunten Geschenken ist, kann sich einem die tiefere Botschaft dieses Feiertags offenbaren: „Zuversicht fehlt uns heute oft, auch wenn ich sehe, wie die junge Welt wählt. Es ist ein Schrei nach Orientierung und Stärke. Erschütterung, Verunsicherung, Zunahme psychischer Krankheiten – da ist so viel Kaputtes in unserer Zeit und da ist einer, der bringt Heil – nur nimmt man es der Kirche immer weniger ab“, weiß der Pfarrer. „Kirche steht für viele als Moralinstitution, aber die Botschafter sind Menschen. Man lehnt den Botschafter ab und will deshalb die Botschaft nicht mehr hören.“
Es schwingt eine gewisse Tragik mit, wenn das Fest des Lebens seinen Ursprung verliert und in der Oberflächlichkeit der Gesellschaft vom Aussterben bedroht ist.
Schenken neu denken
Kröger lädt also dazu ein, nicht nur den Aufbruch des Neuen in der Natur zu beobachten, sondern auch Neues in sich selbst zu entdecken – etwa indem das Prinzip des Schenkens neu gedacht wird. Demzufolge schenkt Gott zu Weihnachten seinen Sohn, zu Ostern schenkt Gott neues Leben und zu Pfingsten schenkt Gott seinen Geist. Mit den Worten des Pfarrers: „Pfingsten ist, wenn Gottes Wille in uns weiterlebt. Er gibt sich in unserem Herzen.“
Ganz nach diesem Prinzip dürfen auch Ostergeschenke neu gedacht werden, so die Einladung. Beispielhaft werden ein gutes Buch oder eine christliche Freizeit genannt, um das Leben sinnvoll zu nutzen. „Ich kann mir Mühe geben und eine Schleife drumherum machen. Im Widerschein des Lächelns und der Freude des Anderen kommt für mich selbst so viel zurück. Wenn Geschenk, dann persönlich, wertig und schön – und damit etwas von dir zum Anderen geht, sei es Zeit oder du hast verstanden, was dein Gegenüber wirklich braucht.“