Welche Relevanz hat das christliche Osterfest in der heutigen Zeit? Für den Albstädter Pfarrer Hans-Joachim Fogl eine große.
Die Karwoche wurde mit dem Palmsonntag am zurückliegenden Wochenende eingeläutet; mit dem heutigen Gründonnerstag steuern die Osterfeiertage auf ihre Höhepunkte zu. Für viele Christen gehört der Gottesdienstbesuch an Ostern nach wie vor dazu. Schließlich ist Ostern das höchste Fest im Christentum und feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Sprich: Ostern ist das Zeichen für den Sieg des Lebens über den Tod sowie die Hoffnung auf ewiges Leben.
Die Bedeutung des Osterfestes unterstreicht Hans-Joachim Fogl, katholischer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Talgang, die sich um die Gläubigen in den Albstädter Stadtteilen Tailfingen, Onstmettingen und Truchtelfingen kümmert: „Ostern ist die Grundlage unseres Glaubens“, betont Fogl und ergänzt: „Ostern ist auch ein Stück weit Loslassen vom Gewohnten und schenkt das Vertrauen, dass etwas Neues kommt.“
Ewiges Leben begreifbar
Die Auferstehung sei zwar rational nicht begreifbar, werde es aber im Blick auf das Leben Jesu. In den Tagen nach seinem Tod und seiner Auferstehung begegnet Jesus seinen Jüngern – ihre Gemeinschaft und ihr Glaube werden gestärkt und in die Welt hinausgetragen. Daraus schließt Hans-Joachim Fogl: „In jedem Tod ist Leben.“
Für ihn selbst sei Ostern ein Fest, um die Gemeinschaft, aus der und in der wir leben, zu feiern. Diese Gemeinschaft spiegele sich auch in der Art der Osterfeierlichkeiten in der Seelsorgeeinheit Talgang wider. Die Seelsorgeeinheit besteht aus den Gemeinden St. Elisabeth, St. Maria sowie der italienischen Gemeinde. Dennoch versteht Fogl die Gläubigen in der Seelsorgeeinheit als Gemeinschaft, weshalb beispielsweise am Gründonnerstag ein gemeinsamer deutsch-italienischer Gottesdienst gefeiert wird. Auch die Feier in der Osternacht soll als Zeichen der Verbundenheit unter den Katholiken im Talgang zusammen zelebriert werden.
Ostern ist Gemeinschaft
Auch angesichts des laufenden Reformprozesses „Kirche der Zukunft“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart sei dieses „Zusammenwachsen als Gemeinde“ von großer Bedeutung. Ostern könne hierzu seinen Teil beitragen, weil das Fest bedeute, den „gemeinsamen Glauben zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, erläutert Pfarrer Fogl weiter.
Zum Hintergrund: Der Reformprozess „Kirche der Zukunft“ reagiert auf die sinkende Zahl an Gläubigen in der katholischen Kirche. Ziel ist es, die derzeitigen Kirchengemeinden in sogenannten „Raumschaften“ zu bündeln, um unter anderem Hauptamtliche von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und gleichzeitig Ehrenamtliche stärker in die Pflicht zu nehmen. Die Diözese will die Kirche so für die Zukunft rüsten.
Krieg an der Ursprungsstätte
Das anstehende Osterfest gewinnt auch angesichts der derzeitigen Nachrichtenlage im Nahen Osten eine besondere Bedeutung. Iran-Krieg mit Beteiligung Israels, Konflikte in Gaza – dort, wo die Geschichte der Auferstehung spielt, dominiert derzeit Waffengewalt. Hans-Joachim Fogl erinnert an in den Krisengebieten lebende Christen, die politisch bedingt ans Auswandern denken oder gar dazu gedrängt werden. „Die aktuelle Situation trübt das Osterfest natürlich ein.“ Ob er das Thema in seine Predigt am Ostersonntag aufnehmen wird? Vermutlich nicht; die den Alltag dominierende Politik solle nicht auch noch den Gottesdienst füllen.
Die Osterbotschaft, da ist sich Hans-Joachim Fogl sicher, habe nicht nur für Gläubige eine Relevanz: „Wir feiern an Ostern das Leben. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch für sich die Sehnsucht nach Leben in sich trägt.“ Dieses Transzendentale stecke in uns allen.
Ohnehin glaubt der katholische Pfarrer, dass es keine nicht-religiösen Menschen gibt. Dass die Kirchen nicht mehr voll seien, begründet Fogl auch damit, dass die Menschen heutzutage von Medien und allen möglichen äußeren Einflüssen übersättigt seien.
Er sagt: „Es gibt viele, die nicht in die Kirche gehen, aber trotzdem glauben.“ An Ostern zeigte sich, dass nach wie vor viele Katholiken mit der Kirche verbunden seien. Das jüngste Beispiel: Palmsonntag. Am Gottesdienst vergangenes Wochenende seien rund 200 Gemeindeglieder in St. Elisabeth zum Gottesdienst gekommen, in der italienischen Gemeinde waren es rund 100 Menschen.