Sie bedauern die Auflösung des Schwarzwaldvereins Glatten (von links): Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer, Bezirksvorsitzende Marlies Mohrlok und der letzte Vorsitzende Konrad Kilgus. Foto: Schwarzwaldverein Foto: Schwarzwälder-Bote

Ortsgruppe Glatten löst sich nach 58 Jahren auf / Aussichtspunkt Palmberg soll "Naturpark-Augenblick" werden

Glatten. 1957 wurde der Schwarzwaldverein Glatten gegründet – jetzt wurde er aufgelöst. Nachdem niemand bereit war, einen der vakanten Vorstandsposten zu übernehmen, war dieser Schritt für die verbliebene Mannschaft unumgänglich.

 

Bei der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung der Glattener Ortsgruppe im Gasthaus Waldhorn musste daher darüber entschieden werden, wie das Vereinsvermögen der Ortsgruppe im Sinne der Vereinsziele und in Einklang mit der Vereinssatzung verteilt wird, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Rechtsanwalt Gunter Eber-hardt erklärte den Noch-Vereinsmitgliedern die Regularien der Auflösung und stellte fest, dass hierfür 16 der anwesenden Mitglieder zuzustimmen hatten. Bürgermeister Tore Derek Pfeifer erklärte sich schweren Herzens bereit, die Abstimmung zu leiten. "Eine Vereinsauflösung ist nichts, was einen Bürgermeister freuen kann", sagte er. Denn der Schwarzwaldverein Glatten habe sich in den vielen Jahrzehnten seines Bestehens stets mit großem Einsatz und viel Fachwissen in der Gemeinde eingebracht. Exemplarisch ging Pfeifer auf die 1200-Jahr-Feier, das Backhäuslesfest, Wanderungen und Ausflüge sowie die jahrelange Pflege des Naturschutzgebiets "Alte Egart" ein.

Die Abstimmung erbrachte 20 Stimmen für die Auflösung des Vereins, der somit bis zum Jahresende aufgelöst sein wird. Anneliese Bach, die bei der vorangegangenen Hauptversammlung mit Bürgermeister Pfeifer, Heinrich Bauer und Waltraud Günther dazu bestimmt worden war, Vorschläge für die Verwendung des Vereinsvermögens zu erstellen, erläuterte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Ein großer Teil des Vereinsvermögens soll dazu verwendet werden, den Glattener Aussichtspunkt Palmberg auszulichten und freizuhalten und danach mit einem "Naturpark-Augenblick" zu versehen. Dazu gehören etwa Bänke und eine Panorama-Hinweistafel. Bürgermeister Pfeifer präzisierte dieses Vorhaben und ging auf die Details der geplanten Landschaftspflegeaktionen, die von der Grünen Truppe der Schwarzwaldwerkstatt ausgeführt werden sollen, und der Einbindung in das Konzept der "Augenblicke" ein.

Ferner soll ein kleiner Teil des Vereinsvermögens für eine Abschlussfahrt am Mittwoch, 2. September, zur Landesgartenschau nach Mühlacker verwendet werden. Eine Anmeldung ist bei Konrad Kilgus, Telefon 07443/64 71, bereits möglich. Der spontane Vorschlag aus der Versammlungsmitte, Teile des Vereinsvermögens in eine Weihnachtsbeleuchtung für Glatten zu investieren, wurde nach längerer Diskussion abgelehnt. Ausschlaggebend waren sachliche Gründe: Glatten hat – im Vergleich zu umliegenden Orten – keinen dafür geeigneten historischen Ortskern, zudem kann die Gemeinde nicht über eine Weihnachtsbeleuchtung an einer Kreisstraße befinden. Zustimmung fand der Vorschlag, dass die Gemeinde etwaige Restmittel zur Ortsverschönerung verwenden soll.

Was das vom Verein bewirtschaftete Naturschutzgebiet anbelangt, ist der Pflegevertrag mit dem Landratsamt über die Pflege des Gebiets "Alte Egart" bereits gekündigt. Daher wird die weitere Pflege vom Landkreis übernommen. Schriftliche Unterlagen des Vereins werden im Gemeindearchiv aufbewahrt. Geräte, die zur Pflege des Naturschutzgebietes angeschafft wurden, werden dem Glattener Bauhof übergeben.

Bezirksvorsitzende Marlies Mohrlok sprach der Versammlung ihr Bedauern über die Vereinsauflösung aus. "Im Glattener Schwarzwaldverein steckt viel Herzblut drin, mir tut diese Auflösung sehr leid. Herzlichen Dank an alle, die sich engagiert haben." Auch Bürgermeister Pfeifer dankte allen Bürgern, die sich im Verein eingebracht und ihn unterstützt haben. "Ziehen sie sich nicht zurück, vielleicht ergibt sich im Januar wieder ein gemeinsamer Lichtgang nach Böffingen. Laufen sie einfach vorbei, schauen sie, wer noch da ist", forderte er die ehemaligen Vereinsmitglieder zum Blick nach vorne auf.