Sie machen sich stark für eine enge Kooperation zwischen Landwirtschaft und Metzgerei: Ralf und Uwe Wiedmaier, Landrat Klaus Michael Rückert, Gerhard Fassnacht vom Kreisbauernverband, Axel Kaupp von der Metzgerinnung, Glattens Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer und Andreas Pfau vom Ahornhof in Glatten (von links). Foto: Günther

Ahornhof und Metzgerei Wiedmaier arbeiten erfolgreich zusammen. Kurze Wege.

Kreis Freudenstadt - Ein Beispiel für eine nachhaltige Beziehung zwischen der Landwirtschaft und dem Handwerk ist die Zusammenarbeit des Ahornhofs der Familie Pfau und der Metzgerei Wiedmaier in Glatten.

Die Ausgangsbedingungen könnten nicht besser sein: Während deutschlandweit Schlachttiere durchschnittlich mehrere hundert Kilometer in teilweise überfüllten Viehtransportern vom Erzeuger in die Schlachthöfe transportiert werden, trennen in Glatten den Ahornhof der Familie Pfau und das Schlachthaus der Familie Wiedmaier nur wenige hundert Meter.

Die Ferkel kommen auf dem Ahornhof zur Welt und wachsen dort mit hofeigenem Futter bei schonender Haltung auf. Dies setzt sich fort in einem kurzen und somit stressfreien Transport in das EU-zertifizierte Schlachthaus. Diese Zusammenarbeit der Familien Pfau und Wiedmaier besteht seit vielen Jahren.

Bei einem Pressetermin des Kreisbauernverbands und der Metzgerinnung wurde diese Kooperation hoch gelobt. Metzgermeister Uwe Wiedmaier gab bei einem kurzen Rundgang einen Überblick über seinen Betrieb. Die Metzgerei Wiedmaier beliefert neben den eigenen Ladengeschäften auch Gastronomie und Kantinen. Zudem wird Essen auf Rädern angeboten.

Ohne unnötigen Stress für die Tiere

Die Metzgerei Wiedmaier hat eine lange Tradition: Im Stammhaus in Glatten wurde bereits vor 200 Jahren Vieh gehalten und geschlachtet. Metzgermeister Uwe Wiedmaier legt großen Wert auf Regionalität. So stammen über 90 Prozent aller Produkte aus Eigenschlachtungen von Tieren aus der Region. Dass bei der Metzgerei Wiedmaier die Schlachtung ohne unnötigen Stress für die Tiere erfolgen kann, gewährleisten neben der kurzen Entfernung zum Erzeuger auch die zehn ausgebildeten Metzger, die im Schlachthof arbeiten. Auch der Nachwuchs ist gesichert: Neben Tochter Nadine hat auch Sohn Ralf den Metzgerberuf ergriffen.

Wie wichtig dieser regionale Kreislauf der Vermarktung ist, verdeutlichte Landrat Klaus Michael Rückert. Als Landrat ist es ihm ein großes Anliegen, dass die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt und gefördert werden. Engagiert sprach er sich gegen "anonymes Fleisch" aus, das vakuumverpackt beim Discounter liegt. Eindringlich ermunterte Rückert die Verbraucher, vermehrt Fleischprodukte in Handwerksqualität zu kaufen. An die beiden Kooperationsbetriebe gewandt, fragte er scherzhaft: "Wann startet ihr das Projekt, dass die Sauen zum Schlachthaus runterlaufen?" Die Wichtigkeit regionaler Kooperationen, um hochwertige Lebensmittel zu erzeugen, bekräftigte Norbert Jakob Ferch vom Landwirtschaftsamt. Im Kreis Freudenstadt würden zur Versorgung der Einwohner jährlich rund 55 000 Schweine benötigt. Lediglich sieben Prozent davon würden im Kreis aufgezogen, erläuterte er. Besser sehe dagegen der Selbstversorgungsgrad bei Eiern mit 20 Prozent und bei Rindern mit immerhin 80 Prozent aus.

Landwirte auf regionale Vermarktung angewiesen

Als Vorsitzender des Kreisbauernverbands Freudenstadt zeigte sich Gerhard Fassnacht erfreut darüber, dass sich Landrat Rückert engagiert für die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe einsetzt. Zusammen mit Hans Peter Fischer, Johannes Schweizer sowie Andreas und Tobias Pfau war er zum Pressegespräch gekommen, um die Bedeutung der regionalen Wirtschaftskreisläufe für die Schweinehalter zu unterstreichen. Fassnacht zeigte sich überzeugt: "Nur gemeinsam können wir in der Zukunft bestehen." Wie er betonte, sind die Landwirte in der Region mit ihren kleinen Beständen und damit höheren Betriebskosten dringend auf die regionale Metzgervermarktung angewiesen. Auch was den Lebensmitteleinzelhandel anbelangt, fand der Kreisbauern-Vorsitzende klare Worte: "Hier werden Sonderangebote rausgeworfen, die nie und nimmer kostendeckend sein können."

Der Leiter des Landwirtschaftsamts lobte die regionalen Metzgereien: "Die Metzgerinnung bezahlt einen höheren Preis als die Großhändler." Uwe Wiedmaier hob hervor, dass es für ihn eindeutig günstiger wäre, Fleischteile zu kaufen und daraus Wurst zu machen. Dennoch habe er sich dafür entschieden, ausschließlich Tiere aus der Region zu beziehen und selbst zu schlachten.

Zahl der Züchter dramatisch gesunken

Landwirtschaftsmeister Andreas Pfau liefert über 90 Prozent seiner Schweine an die Metzgerei Wiedmaier oder die Metzger aus der Region, die im Schlachthaus Wiedmaier schlachten. Zwar ist er mit seinen 140 Zuchtsauen und weit über 1000 Ferkeln in Baden Württemberg ein mittlerer Schweinemastbetrieb; bezogen auf die Bundesrepubilik gehört Pfau aber eher zu den Kleinbetrieben. B

Im Kreis Freudenstadt ist die Zahl der Schweinezüchter eher ernüchternd. Von ehemals 35 Haltern von Zuchtsauen sind nur noch vier im Hauptberuf übrig geblieben, weitere vier betreiben ihren Betrieb noch im Nebenerwerb.