Die drei "Vorreiter" Stefan Kopf, Holger Krause und Tobias Birk (von links). Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder Bote

Quartierskonzept: Vorreiter für Energiegenossenschaft stehen bereit / Heizzentrale am Weigoldschopf

Das neue energetische Quartierskonzept für Glatten sieht eine Heizzentrale am Weigoldschopf vor. Die Idee, ein Blockheizkraftwerk bei Woodward L’Orange zu bauen, wurde verworfen.

Glatten. Zu Beginn der Bürgerinformation zum energetischen Quartierskonzept gab Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer im nahezu voll besetzten Rathaussaal einen Abriss zum aktuellen Stand der Pläne für eine Nahwärmeversorgung in Glatten. "Glatten will blühen und mit seinen 2400 Einwohner und der guten Infrastruktur und ihren verlässlichen Arbeitsplätzen eine Perle im Glatttal sein", sagte er.

Rolf Pfeifer vom Freiburger Unternehmen Endura Kommunal stellte die Ergebnisse der Untersuchungen zum Quartierskonzept vor. Dabei ging es primär um ein Nahwärmenetz. Pfeifer zeigte sich erfreut, dass die Fragebogenaktion eine Rücklaufquote von 40 Prozent hatte. Üblich seien gerade mal 25 Prozent. Laut Untersuchung sind etwa 46 Prozent der privaten Heizungen älter als 20 Jahre. Den größten Energieverbrauch hat demnach die Firma Woodward L’Orange.

Einsatz von Wärmepumpen

Als Potenziale werden in der Studie neben Solarenergie weitere erneuerbare Energien, Veränderungen bei der Straßenbeleuchtung und bei der E-Mobilität die Einrichtung von Ladesäulen genannt.

Als mögliche Maßnahmen stellte Rolf Pfeifer die Errichtung eines Mikronetzes vor, das sich zwischen der Verbund-Kläranlage und dem Sportverein anböte. Eine Vorteil dabei sei das geklärte Wasser, das auch im Winter eine konstante Temperatur von sechs bis acht Grad aufweise und dadurch ausreichend sei für den effizienten Einsatz von Wärmepumpen. Er sprach auch über eine sogenannte Sole-Leitung, die Richtung Böffingen verlegt werden könnte. "So etwas gibt es bislang noch nicht", war sich Rolf Pfeifer sicher.

Das zunächst ins Auge gefasste Blockheizkraftwerk (BHKW) bei Woodward L’Orange, das sowohl die Firma als auch einen Teil des Wärmenetzes mit Energie speisen könnte, scheiterte daran, dass dort kein Anschluss ans Erdgasnetz vorhanden ist. Den Stadtwerken Freudenstadt wäre dieser Auftrag zu klein, hieß es.

Es braucht einen Großabnehmer

Endura Kommunal empfiehlt stattdessen eine Heizzentrale am Weigoldschopf. Dieser Bereich liege logistisch günstig. Die Heizzentrale könne mit Hackschnitzeln befeuert und zur Spitzenlastabdeckung mit Heizöl betrieben werden. Es brauche jedoch, so Rolf Pfeifer, einen Großabnehmer. Wahrscheinlich könnten in den folgenden fünf bis sechs Jahren weitere Straßen erschlossen werden.

Bei der Veranstaltung stellten sich Tobias Birk, Stefan Kopf und Holger Krause als mögliche Vorstandsmitglieder einer Bürgerenergiegenossenschaft vor. Die drei Glattener suchen dafür noch einen Mitstreiter aus dem Finanzbereich. Begleitet werden die drei "Vorreiter" von der Gemeinde, dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband und der Endura Kommunal mit entsprechendem Know-how.

Die Bürger stellten anschließend Fragen zu Hackschnitzelkesseln und zur Finanzierung der Nahwärmeversorgung, die sich momentan zahlenmäßig nur vage schätzen lässt, und zur Zeichnung von Genossenschaftsanteilen. Die Nahwärme würde sie in etwa so viel kosten, wie das Heizen mit Heizöl, erfugen die Bürger unter anderem.

Bei einem abschließend "Test" mit den Anwesenden zeigte sich großes Interesse an der Nahwärmeversorgung. Nun soll eine Informationsplattform entstehen.

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