Foto: Schwarzwälder-Bote

Ohne Zweifel, die Kommunen im ländlichen Raum haben es nicht leicht:

Ohne Zweifel, die Kommunen im ländlichen Raum haben es nicht leicht: Die Gemeinden stöhnen unter der Last der Kreisumlage, das Land wälzt immer mehr Pflichten auf sie ab. Eine steigende Zahl von Menschen wandert in die Ballungsgebiete ab, Schulen und Lebensmittelläden schließen, Gebäude im Dorfkern zerfallen. So manchem Ort bleibt nichts anderes übrig, als sich eingemeinden zu lassen.

Dieses Horror-Szenario trifft natürlich nicht auf Glatten zu, aber auf lange Frist gesehen wird die Gemeinde sich sehr anstrengen müssen, wenn sie den Standard der Infrastruktur halten oder gar optimieren will. Das wurde vor allem im ersten Teil des Orts-Checks des Schwarzwälder Boten deutlich, in dem es um die Finanzen der Gemeinde Glatten ging.

Da ist bürgerschaftliches Engagement gefragt. Das wurde in fast jedem Beitrag des Orts-Checks thematisiert. In Glatten, so lobt Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer seine Bürger, herrscht da kein Mangel. Mit dem Naturerlebnisbad hat der Ort ein wegweisendes Projekt angestoßen. Das Bad gehört zwar der Kommune, aber ein Betreiberverein ist verantwortlich und hat die erste Saison erfolgreich gemeistert. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement hätte das Glattener Freibad in seiner alten Struktur wohl nicht überlebt.

Doch man kann nicht alles auf den Bürger abwälzen. Deshalb sind Ideen und Visionen gefragt. Die gibt es in Glatten auch. Ein Beispiel dafür findet sich im schulischen Bereich. Frei nach dem Motto "Wer klein ist, muss sich zusammentun", kooperiert Glatten mit der Nachbargemeinde Schopfloch. Die Hauptschüler werden in der Hauptschule mit Werkrealschule unterrichtet, was wiederum den Erhalt der Schule in Schopfloch garantiert. Interkommunale Zusammenarbeit ist neben Bürgerengagement für Pfeifer eine weitere Zutat seines Rezepts für die Zukunftsfähigkeit seiner Kommune.

Dazu gehört auch die Steigerung der Lebensqualität. Für Pfeifer ist eine Kommune nicht nur attraktiv, wenn sie möglichst viele Kneipen, Kinos und Shopping-Center hat. Eine intakte Dorfgemeinschaft, die Nähe zur Natur, eine niedrige Kriminalitätsrate und einen sicheren Arbeitsplatz wirft er als Pfund in die Waagschale. Ob das reicht, um qualifizierte Fachkräfte und junge Familien in die Region zu ziehen, wird sich zeigen. Einen Versuch ist es allemal wert. Wenn es um den demografischen Wandel und regenerative Energien geht, ist Pfeifer kaum zu bremsen. Seine Vision ist, dass Glatten zum Bioenergiedorf wird. Und wenn man den Erfolg der Weiler Wärme Genossenschaft im nahen Pfalzgrafenweiler betrachtet, ist ein Engagement in diesem Bereich bestimmt keine schlechte Idee.

Den demografischen Wandel sieht Tore-Derek Pfeifer als Chance, verkrustete Strukturen aufzubrechen, und als Herausforderung für die Politik. Nicht nur eine gute Betreuung und Freizeitangebote für die Kinder und Jugendlichen sind wichtig. In Zeiten des demografischen Wandels, muss man auch an die immer größere Zahl an Senioren denken. Senioren, die noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Deren Potenzial will der Bürgermeister mit einer Werkstatt für ältere Mitbürger aktivieren. Wobei wir wieder beim bürgerschaftlichen Engagement wären. Ohne das geht es in den Gemeinden oft nicht mehr, allerdings dürfen sich die Bürger auch nicht ausgenutzt fühlen. Diese Gratwanderung gilt es zu bestehen.

Man darf sich nichts vormachen, die fetten Jahre sind vorbei – auch in Glatten. Doch mit engagierten Bürgern und mutigen Visionen ist die Kommune für alles gerüstet, was die Zukunft bringt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: