Die Delegierten der Kreis-CDU mit Bundestagsabgeordnetem Hans-Joachim Fuchtel (links) und dem Europaabgeordneten Daniel Caspary (rechts) Foto: Eberhardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Eigenreflektion und kämpferische Worte beim Kreisparteitag / Europapolitiker zu Gast

Von Tina Eberhardt

Kreis Freudenstadt. Eine grün-rote Landesspitze darf in Baden-Württemberg nur eine Übergangserscheinung sein, die Regierungskoalition in Berlin muss erhalten bleiben. Dass man sich bei der CDU-Kreismitgliederversammlung im beschaulichen Rahmen unter Gleichgesinnten befand, war für die Christdemokraten kein Grund, Halbgas zu fahren.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Wahlen der Vertreter für Landesparteitag, Bezirksparteitag und Bezirksvorstand sowie der Repräsentanten für die Vertreterversammlungen zur Aufstellung der Landesliste für die EU-Wahlen. Die Neubesetzung der Vorstandsposten innerhalb des CDU-Kreisverbands habe man auf Herbst verschoben, erklärte die stellvertretende Kreisvorsitzende Gabriele Reich angesichts des umfangreichen Programms. Jetzt richten sich die Augen vor allem auf die anstehenden Bundestagswahlen.

Motivation kam vom Landtagsabgeordneten Norbert Beck und Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, die beide nicht an Worten geizten, um ihren Parteikollegen Kampfgeist mitzugeben. Grün-Rot-Schelte gehörte zum Programm, aber auch etwas Eigenreflektion, bei der sich die Christdemokraten geläutert gaben. Der Klimawandel erfordere einen Schwenk von der sozialen zur sozial-ökologischen Marktwirtschaft, bilanzierte Gabriele Reich: "Die CDU musste ein bisschen grün werden." Das Wort Grün nahm auch Norbert Beck in den Mund, allerdings, um gegen das "chaotische Durcheinander" der Kretschmann-Regierung zu wettern. Norbert Beck richtete jedoch den Blick auf größere Zusammenhänge: "Wir müssen unsere verlorene Glaubwürdigkeit zurückerarbeiten, mit Fleiß und Demut." Hierbei sprang ihm Hans-Joachim Fuchtel zur Seite, der auf die "ordentlichen Umfragewerte" der CDU hinwies, auf denen man sich jedoch nicht ausruhen dürfe.

In Wallung kam Fuchtel angesichts der Frage, ob die SPD notfalls mit der Linken koalieren würde. "Dass die SED-Nachfolgepartei das Zünglein an der Waage sein könnte, darf in Deutschland nicht passieren", betonte er.

Auch wenn Europa in den Regularien des Abends nur eine Randrolle spielte, räumte man dem Thema bei der CDU dennoch Stellenwert ein. Als Gastredner hatte Gabriele Reich den Europaabgeordneten Daniel Caspary eingeladen, der eine Bilanz von Euro und Europäischer Union zog und dazu aufrief, sich nicht von Schreckensmeldungen ins Bockshorn jagen zu lassen. Stattdessen solle der Einzelne hinterfragen, was er denn tatsächlich von der Krise spüre. Denn, so Caspary trocken: "Wir leben in der Euro-Krise, seit es den Euro gibt." Doch Wirtschaft und Handwerk seinen stabil, ebenso die Währung und Deutschland brauche einen starken Partner in der Weltpolitik. Europa ohne Limits gibt es für den Abgeordneten jedoch nicht. Solidarität mit Griechenland sei wichtig, betonte Caspary, doch das Land müsse seine Hausaufgaben machen und dürfe nicht zum Dauer-Nehmer werden.

Auch beim Thema Eurobonds zieht Caspary eine Grenze: "Wir dürfen nicht in ein Fass ohne Boden einzahlen." 

Zum Vertreter im Landesparteitag wählte die Kreis-CDU den Landtagsabgeordneten Norbert Beck. Sein Ersatzvertreter Andreas Bombel stand zugunsten von Gabriele Reich zurück, und sicherte so die Erfüllung der Frauenquote. Im Bezirksparteitag wird die CDU von Norbert Beck, Andreas Bombel, Maria Klink, Thomas Kreidler, Julian Osswald, Pascale Peukert, Gabriele Reich und Peter Rosenberger vertreten.