Die aufgerissenen Gräben für Glasfaser in Heumaden wurden nur aufgefüllt statt richtig geschlossen. Wann es mit dem Ausbau weitergeht, ist derzeit unklar. Foto: Klormann

In Heumaden hat die Tiefbaufirma, die sich um den Glasfaserausbau kümmert, überraschend die Arbeiten eingestellt. Und hinter dem schnellen Internet für ganz Calw stehen Fragezeichen.

Gehwege und Straßen sind aufgerissen, doch von Baumaschinen und Arbeitern fehlt jede Spur. Der Glasfaserausbau in Heumaden ist zum Erliegen gekommen.

 

Diese Beobachtung meldete uns bereits vor wenigen Tagen einer unserer Leser. Eine Beobachtung, die die Stadt Calw nun bestätigte.

Der Baustopp

„Die beauftragte Tiefbaufirma hat ihre Arbeiten überraschend eingestellt“, heißt es in einer an diesem Montag versandten Mitteilung. Noch offene Gräben seien lediglich mit Kies aufgefüllt und nicht ordnungsgemäß geschlossen worden.

Die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) – das Unternehmen, das den Glasfaserausbau in Calw umsetzt – erklärte, man arbeite nun „mit Hochdruck an einer internen Lösung“. Geplant sei, eine eigene Bauabteilung einzusetzen und zunächst aufzuräumen, „was liegen geblieben ist“, bevor neue Tiefbauabschnitte begonnen werden.

Die Stadt stehe in engem Austausch mit der DGN. Doch was das Unternehmen berichtet, klingt nicht positiv.

Die Glasfaserbranche stehe wegen gestiegener Finanzierungskosten und höherer Tiefbaupreise vor massiven Herausforderungen. Alle laufenden Projekte stünden auf den Prüfstand, das Unternehmen habe einen vorläufigen Baustopp für weitere Ausbauvorhaben verhängt.

Die Aussagen im Februar

Vor wenigen Wochen, Ende Februar dieses Jahres, klang das noch anders. Damals meldete die Stadt nach Rücksprache mit der DGN, der Glasfaserausbau sei nach der Winterpause wieder mit voller Stärke aufgenommen worden. Nötige Umplanungen und der harte Winter hätten für Verzögerungen gesorgt; der weitere Ausbau solle aber stabiler, planbarer und verlässlicher ablaufen.

Auch grobe Termine gab es bereits: Ab Mai sei der östliche Teil der Kernstadt an der Reihe, in Stammheim werde ab 2027 gebaut.

Vertreter der Stadt und der DGN hatten im Juni vergangenen Jahres den symbolischen Spatenstich zum Glasfaserausbau in Heumaden gefeiert. Foto: Klormann

Nun verkündet die Stadtverwaltung, ihr würden keine konkreten Zeitpläne für den Ausbau vorliegen. Für weitere Calwer Stadtteile und Ortschaften gebe es aktuell keine neuen Termine oder Zusagen.

Bereits im Februar war indes davon die Rede gewesen, dass sich der Glasfasermarkt aufgrund steigender Baukosten und höherer Zinsen unter Druck befindet.

Die DGN betonte damals jedoch laut Stadtverwaltung, sie werde an ihren Ausbauzusagen festhalten, während andere Anbieter bereits bundesweit ihre Ausbauprojekte gestoppt oder aufgegeben hätten. Nun gibt es auch in Calw einen Baustopp.

Das weitere Vorgehen

Trotz allem habe das Unternehmen gegenüber der Stadt auch jetzt noch bekräftigt, die Pläne für die Hesse-Stadt weiterzuverfolgen.

Zuerst sollen die begonnenen Straßenzüge in Heumaden fertiggestellt und die Vertragshaushalte ans Netz gebracht werden; danach sei der Ausbau schrittweise in weiteren Gebieten dran.

Spätestens in dieser Woche sollen zumindest Baustellenschilder zur Verkehrssicherung angebracht werden.

Das fordert auch die Stadt. Die Verwaltung habe – um die Verkehrssicherheit und den Schutz der Anwohner zu gewährleisten – den Verantwortlichen Fristen zur Beseitigung der Mängel gesetzt. „Sollte die Firma ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, behält sich die Stadt weitere rechtliche Schritte bis hin zur Ersatzvornahme vor“, heißt es dazu.

Was die Stadt sagt und tun kann

Da es sich beim Glasfaserausbau um das Projekt eines Telekommunikationsunternehmens handelt, das die Stadt weder finanziert noch in Auftrag gegeben hat, kann die Verwaltung nicht viel mehr tun. Die ausführenden Firmen sind allein dafür verantwortlich, das Vorhaben umzusetzen.

Calw selbst hätte sich den Glasfaserausbau finanziell nicht leisten können – zumal die Stadt aus rechtlichen Gründen keine Fördermittel von Bund oder Land erhalten hätte. „Letztlich waren wir froh, dass sich ein privater Betreiber gefunden hat, der den Ausbau auf eigenes Risiko vornehmen wollte“, erläutert Oberbürgermeister Florian Kling. Jetzt zeige sich die Kehrseite dieser Lösung.

„Dass der Ausbau in Heumaden nun derart ins Stocken geraten ist und die Baustellen nur unzureichend hinterlassen wurden, ist sehr ärgerlich. Ich kann den Unmut der Bürgerinnen und Bürger absolut nachvollziehen. Auch ich bin verärgert darüber, dass unsere Einwohner weiter auf ihre Anschlüsse warten müssen“, so Kling.

In Calw habe der Ausbau immerhin begonnen, bevor sich die Situation verschärft habe. Die Verwaltung bewerte es daher positiv, „dass zumindest die laufenden Maßnahmen in Heumaden zu Ende gebracht werden sollen“, heißt es in der Mitteilung.

Dass die DGN sich komplett zurückzieht, hält die Stadt für unwahrscheinlich. In Heumaden seien bereits erhebliche Investitionen getätigt worden.

Ein Stopp des Ausbaus stehe für die Verwaltung indes nicht zur Debatte. Echte Alternativen gibt es derzeit ohnehin keine. Und: „Ohne leistungsfähige Internetanbindungen fehlt unseren Wohngebieten und Unternehmen die Zukunftsperspektive. Darum bleiben wir als Stadt mit Nachdruck am Ball, um dieses Zukunftsprojekt zum Erfolg zu führen“, unterstreicht der Oberbürgermeister.

Das Ziel bleibe Glasfaser für die gesamte Stadt. „Wir werden weiter notwendige Lösungen einfordern, damit der Ausbau vorankommt. Gleichzeitig setzen wir darauf, dass auch Land und Bund die richtigen Weichenstellungen vornehmen, um den eigenwirtschaftlichen Ausbau nicht zum Erliegen zu bringen“, bekräftigt der Rathauschef.

Die Vorgeschichte

Bereits im Frühjahr 2023 hatte die DGN angekündigt, ein etwa 225 Kilometer umfassendes Glasfasernetz in Calw zu errichten. Bis zu 6328 Adressen sollen eine Glasfaserleitung bis in die Wohnung bekommen.

Nach einer deutlich längeren Vermarktung als ursprünglich geplant, erfolgte im Juni 2025 der symbolische Spatenstich für Calws Osten in Heumaden. Dabei verkündeten die Verantwortlichen, Calw-Ost bis zum Sommer 2026 fertigzustellen.

Bereits Ende 2025 zeichnete sich jedoch ab, dass dieser Plan nicht zu halten sein wird.