Symbolischer Akt: Im Beisein von Bürgermeister Martin Buchwald (Mitte) wird das Breitbandnetz übergeben. Foto: Roland Stöß

Ab Januar können die ersten Einwohner des Teilorts von Neuweiler mit voller Geschwindigkeit auf die Datenautobahn abbiegen. Die Macher sind vor allem begeistert von der „Hammeranschlussquote“.

Was hat Agenbach, was Calw nicht hat? Die Antwort: Ein Glasfasernetz. Mit einem gemeinsamen, symbolischen Druck auf den grünen Knopf übergaben Bürgermeister Martin Buchwald und Vertreter des „Eigenbetriebs Breitband des Landkreises“ das neu gebaute Glasfasernetz an die Netzbetreiber. Laut den Wortbeiträgen der Repräsentanten diverser Mitwirkenden vollzog man in Agenbach einen „in die Zukunft gerichteten Quantensprung.“

 

Ab dem Beginn des kommenden Jahres können die Agenbacher dank eines superschnellen Internets mit Highspeed surfen und streamen, sobald der Hausanschluss fertiggestellt ist.

Bevor in einem ländlichen Ort solch eine moderne Infrastruktur geschaffen werden konnte, mussten viele andere Menschen aktiv werden. Tiefbaufirmen, hier die Firma Databau, arbeiteten Hand in Hand mit der Firma Wend, die die verlegten Rohre mit dem nötigen Innenleben „füllten“. Geschäftsführer Max Wend zeigte die große Technik, die in einem Kabel steckt.

Doch zuallererst war der Landkreis Calw da, der erkannte „dass es nicht sein kann, dass der ländliche Bereich von dieser Technologie abgehängt wird,“ klärte Sandra Glaser vom Landratsamt, Dezernat Infrastruktur, in dem die Breitbandinitiative vorangetrieben wird, auf. „Das Internet ist unser Zugang zur Welt, Mittel der Kommunikation und des schnellen Informationsaustausches“, so das Credo des Landkreises. Also nahm man dort das Heft in die Hand und schloss mit Netzbetreibern eine Kooperation, um den Gemeinden im Landkreis „einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung und zum Ausbau der Wirtschaftskraft“ zu bieten. „Glasfaserverbindungen und damit ein schnelles Internet werden für die Bevölkerung sowie die Unternehmen künftig genauso wichtig sein wie ein Strom- und Wasseranschluss.“ Mittlerweile ist der Landkreis europaweit für sein Engagement ausgezeichnet worden.

Harald Müller von Netze BW machte deutlich, „dass Synergien geschaffen wurden, als man sieben Kilometer neue Stromkabel in die Erde verlegte“. Im Übrigen seien Kabel in der Erde weniger störanfällig. Man habe mit Blick auf die Zukunft neue private Ladeplätze für E-Fahrzeuge berücksichtigt und Voraussetzungen für private Wallboxen geschaffen. Netze BW sieht die E-Mobilität als einen weiteren wichtigen Standortfaktor, der von einer modernen Kommune erwartet wird. Dass sich Menschen heutzutage mit dem Argument wehren, „das brauche ich nicht“ verglich Müller augenzwinkernd mit der früheren Zeit, als man sagte, „ich brauche kein Badezimmer.“

Sandra Glaser freute sich über die „Hammeranschlussquote“ in Agenbach. Von 174 möglichen Glasfaseranschlüssen entschieden sich 168 für den Anschluss. Damit nun „Licht auf die Leitung kommt“, wie es Alexander Siebnich ausdrückte, bieten sich als Ansprechpartner für die Vertragsabschlüsse die Firma Stiegeler Internet Service GmbH für Privatkunden und die Sparkassen Informationstechnologie für Geschäftskunden an. Stiegeler-Geschäftsführer Siebnich „freute sich, dass in Agenbach bereits 40 Verträge für Internet, Telefon und Fernsehen geschlossen wurden. „Deren Anschlüsse können in nächster Zeit freigeschaltet werden.“

Ingo Appuhn von der Sparkassen-IT brachte einen anderen Aspekt ins Spiel, an den Eigenheim- und Grundstücksbesitzer bei Umgestaltungsarbeiten im Garten und am Haus denken sollten: Wer auf eigenem Grundstück tiefer gräbt und nicht weiß, wo das Glasfaserkabel liegt und dieses beschädigt, muss mit hohen Reparatur-Kosten rechnen, da diese Art von Kabel nicht einfach „geflickt werden kann“. Appuhns Tipp: Bei der Sparkassen-IT kann man, um Schäden zu vermeiden, kostenfrei eine Planauskunft einholen.

Infos für Interessierte

Für alle Hauseigentümer in Neuweiler, die sich noch über den Wechsel zu Glasfaser informieren möchten, findet am 30. Januar 2025 ein Beratungstag im Rathaus Neuweiler statt. Dann können sämtliche Fragen zum Umstieg von alten Systemen zur Glasfaser, zum Anbieterwechsel und wie viel das den Einzelnen kostet, geklärt werden.

Wie Agenbach haben viele andere Gemeinden im Kreis ihre Glasfaser im Boden oder stehen kurz davor. Die große Kreisstadt Calw wiederum hat derzeit förderrechtlich keine Möglichkeit zu partizipieren; musste deshalb einen anderen Weg wählen. Dort müssen sich die Bürger selbst für die neue Technik entscheiden. Die geforderte Quote ist in den Ortsteilen westlich der Nagold, Altburg, Wimberg und Co, noch nicht erreicht.