Jeder Haushalt der fünf Südgemeinden wird einen Glasfaseranschluss vor die eigene Haustür bekommen – vorausgesetzt, mindestens ein Drittel der Haushalte erklärt sich bereit, mitzumachen. Foto: Deutsche Glasfaser

Gleich in fünf Kommunen der südlichen Ortenau soll der Startschuss für den Glasfaserausbau und damit für schnelleres Internet fallen – und das kostenlos.

Kappel/Südliche Ortenau. Gleich in fünf Kommunen der südlichen Ortenau soll der Startschuss für den Glasfaserausbau und damit für schnelleres Internet fallen. In Ringsheim, Kippenheim, Mahlberg, Rust und Kappel-Grafenhausen will das Unternehmen Deutsche Glasfaser das Netz ausbauen, verkündete Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer der Breitband Ortenau, bei einer Pressekonferenz im Kappeler Rathaus. "Es ist ein Projekt, das wir alle wollen. Damit werden wir die südliche Ortenau voranbringen", so Kappel-Grafenhausens Bürgermeister Jochen Paleit sichtlich stolz.

Warum ist der Ausbau notwendig?

Weil der Datenverkehr zunimmt. "Egal, ob PC, Fernseher, Handy oder sogar die Waschmaschine – alles will aufs Internet zugreifen", fassen es Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare und Kippenheims Bürgermeister-Stellvertreterin Carola Richter zusammen. Die bestehenden Kupferleitungen und Coax-Verbindungen können das auf Dauer nicht mehr leisten. Deshalb muss nun Glasfaser her. "Es ist nicht nur ein Anbieter-, sondern vor allem auch ein Technologiewechsel", machte Tim Bozarslan von der Deutschen Glasfaser deutlich. Zudem ist schnelles Internet ein Wirtschaftsfaktor, das (große) Unternehmen brauchen, um zukunftsfähig zu bleiben und das bei der Ansiedlung neuer Firmen eine große Rolle spielt.

Was sind die Voraussetzungen für den Ausbau?

"Solidarität", fasst es Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber zusammen: "Dass der Glasfaserausbau kommt, liegt an jedem Einzelnen." Denn die Deutsche Glasfaser wird den Ausbau nur dann machen, wenn sich mindestens 33 Prozent der Haushalte vorab verbindlich erklären, mitzumachen. Sollten sie das tun, wird der Glasfaser-Anschluss bis vor jedes Haus der fünf Gemeinden gelegt, sodass auch spätere Anschlüsse möglich sind. Die fünf Gemeinden zusammengenommen haben 8963 Haushalte, das heißt mindestens 2958 Haushalte müssen mitmachen. "Schaffen wir das nicht, wird in unseren Kommunen bis 2030 in Sachen schnelles Internet erstmal nichts passieren. Dann sind wir dieser ›abgehängte ländliche Raum‹", warnte Klare.

Was kostet der Anschluss die Gemeinden?

Die fünf Gemeinden selbst kostet der Internetanschluss nichts. Die Deutsche Glasfaser ist ein eigenwirtschaftliches Unternehmen, hinter dem Investoren stehen. Für dieses ist es attraktiv in die fünf Gemeinden zu investieren. Das Unternehmen finanziert den Anschluss über die Verträge und die Mieten, die andere Telekommunikationsunternehmen später zahlen. Für die Gemeinden ist das ein sehr gutes Angebot. "Wir hatten ursprünglich damit gerechnet, für so einen Anschluss mehrere 100 000 Euro in die Hand nehmen zu müssen", betont Mahlbergs Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Schwarz.

Was kostet der Anschluss die Haushalte?

Der Anschluss selbst ist für den Haushalt kostenlos, wenn er vorab einen Vertrag abschließt. Wird der Vertrag später abgeschlossen, werden 750 Euro für den Anschluss fällig. Der Vertrag mit der Deutschen Glasfaser hat eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren, danach dürfen sich die Haushalte ihren Internetanbieter frei wählen.

Wie schnell wird das Internet sein?

Privatkunden sowie Selbstständigen und kleineren Unternehmen werden Verträge mit einer Downloadgeschwindigkeit zwischen 300 Megabit pro Sekunde bis hin zu einem Gigabit pro Sekunde angeboten. Die Uploadgeschwindigkeit wird – je nach Vertrag – zwischen 150 und 500 Megabit pro Sekunde liegen. Für Geschäftskunden sollen sogar Internet-Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde möglich sein sowie symmetrische Bandbreiten ab 300 Megabit pro Sekunde für Up- und Downloads.

Wie aufwendig wird der Ausbau?

Die Deutsche Glasfaser verspricht ein minimal-invasives Bauverfahren mit modernen Methoden wie Spülbohr- oder Fräsverfahren oder Erdrakete, durch die es möglich sein soll, die Leitungen innerhalb eines Tages vom Gehweg ins Haus zu verlegen, ohne den Vorgarten zu beschädigen. Im Haus hilft ein Techniker weiter, über Schächte das Internet vom Keller ins Wohnzimmer zu bringen.

Wie ist der Zeitplan?

Das Unterfangen wurde den Räten der fünf Gemeinden bereits vorgestellt. Im März müssen die Gemeinderäte nun ihre Zusage geben und den Vertrag mit der Deutschen Glasfaser schließen. Sollten sich im Anschluss ausreichend Haushalte finden, die mitmachen, können die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss im Sommer 2024 losgehen.

Warum ist Ettenheim nicht dabei?

Die Stadt Ettenheim ist nicht so attraktiv für den Ausbau wie die anderen fünf Gemeinden, da sie über viele Außenlagen verfügt. Man sei aber im Gespräch und "es gibt einen Blumenstrauß anderer Möglichkeiten, wie Ettenheim bis spätestens 2030 an schnelles Internet kommt", verspricht Glöckl-Frohnholzer.