Trauer herrscht um die ehemalige Bistro-Wirtin Gisela Hofele, die das Lokal 36 Jahre lang führte. Foto: Hofele

Eine traurige Nachricht verbreitet sich durch Villingen: Gisela ­Hofele ist mit 72 Jahren gestorben. Vielen ist sie einfach als Gisela aus dem "Bistro" bekannt, der früheren Kultkneipe in der Brunnenstraße, in der sie nicht nur 36 Jahre hinter dem Tresen stand, sondern auch in der Küche die legendäre Spagetthisauce kochte und immer ein offenes Ohr für die Gäste hatte.

VS-Villingen - Am liebsten hätte sie Kinderkrankenschwester gelernt, doch aus finanziellen Gründen musste sie schon mit 15 Jahren als Küchenhilfe im Antoniuskeller arbeiten. Ihr Talent fiel dem Chef Klaus Faller schnell auf, sie kochte, organisierte und übernahm den Einkauf. Und nach zehn Jahren überließ ihr Faller 1971 die Leitung des Bistros. Da war sie bereits alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Sohns, der zusammen mit den Kindern von Giselas Geschwistern die Nachmittage im Lokal verbringt. Leicht hatte sie es nicht, sie bediente bis spät in die Nacht die Gäste und musste früh morgens wieder für den Sohn dasein. Doch sie klagte nicht, das Bistro und seine Besucher wuchsen ihr schnell an Herz. Geprägt vom Lebensgefühl der 68er-Bewegung, ist die Kneipe Anlaufstelle für die politische und kulturelle Szene der Region. Bis zum Schluss trafen sich Musiker, Schauspieler des Theaters am Turm oder die Macher der kulturschaffenden Vereine nach Auftritten und Besprechungen noch im Bistro.

36 Jahre Seele des Lokals

Gerade dank Gisela war es Treffpunkt für Generationen von Stammgästen, die es genossen, dass sich kaum etwas in der Kultkneipe veränderte. Sie war mit Leib und Seele Wirtin, war fast immer da, hörte sich Neuigkeiten an, teilte Sorgen und Freuden mit den Besuchern. Auf die Eltern folgten die Kinder, in manchen Fällen schon die Enkel – quer durch die Schichten und über Altersklassen hinweg kamen die Gäste im Bistro zusammen. Die meisten mussten ihre Bestellung gar nicht erst aufgeben, da sie die Vorlieben im Kopf abgespeichert hatte. Und beim Bezahlen hatte sie stets parat, wie viele Getränke im Laufe des Abends zusammengekommen waren. Viele schätzten sie auch für ihre Belesenheit und ihr Wissen, das sie sich nach der unfreiwillig kurzen Schulzeit angeeignet hatte.

36 Jahre war sie die Seele des Lokals gewesen, das 2009 eingeführte Rauchverbot hatte das Ende eingeläutet. Als immer mehr Gäste ausblieben, schloss Faller 2010 die Pforten. Mit dem im Neckarverlag erschienen Bildband "Bistro" haben Stammgäste ihr und der Kultkneipe damals ein Denkmal gesetzt. Auch wenn Abschiedsschmerz mitschwang, war sie froh, nicht mehr Tag für Tag in der Kneipe zu stehen und Zeit für sich und ihren Mann zu haben. Den hatte sie auch im Bistro kennengelernt und 2003 geheiratet. Mit ihm gemeinsam hatte sie neben der Arbeit ein Haus in Neufra renoviert, das sie ebenso liebte wie ihren Garten. Als Familienmensch war es ihr wichtig, den Kontakt zu ihren Geschwistern zu pflegen. Und sie verwöhnte die Familie gerne mit ihrer guten Küche.

Bis zum Schluss war Gisela Hofele eine aufgeschlossene, positive Frau, die ihren Weg gegangen ist. Nun ist sie nach längerer Krankheit umsorgt von ihrer Familie einge­schlafen. Die Beerdigung ist heute, Mittwoch, 6. Oktober, um 13.30 Uhr auf dem Friedhof in Villingen.